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Joan Miró : Wucht und Spannung auf Papier

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Joan Miró hat die Druckgraphik erst Anfang der dreißiger Jahre für sich entdeckt, als er schon ein gefeierter surrealistischer Maler war. Dass er die Wucht und Spannung seiner Gemälde auf das Papier zu übertragen weiß, belegen derzeit mehr als achtzig Radierungen in der Kölner Galerie Boisserée.

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          Eine kleinformatige Radierung aus dem Jahr 1938, aus der „Série rouge et noir“, scheint noch auf den charakteristischen stakeligen Beinchen zu stehen, auf einem Blatt im Format 32,8 mal 25 Zentimeter, und kleine Kringel und Gitter, Kreuze und verknotete halbabstrakte Figuren sind darauf zart verteilt (13.500 Euro): Joan Miró hat die Druckgraphik erst Anfang der dreißiger Jahre als Medium für sich entdeckt – als gut anderthalb Jahrzehnte gefeierter surrealistischer Maler.

          Schon bald werden seine Bewegungen dort sicherer und fester; er setzt kräftige Akzente – eine Farbaquatinta-Radierung aus der Reihe „The prints of Joan Miró“ (11.800 Euro), neun Jahre später entstanden, bezeugt als rotleuchtendes Formen-Kraftfeld, dass der im Jahr 1893 geborene Künstler die Wucht und Spannung seiner Gemälde auf dem Papier in eigene Gewichtungen zu übertragen weiß. Bis zu seinem Tod 1983 wird er Auflagen entwerfen, deren Qualität und Schönheit herausragend auf diesem Gebiet im 20. Jahrhundert bleiben.

          Intimität des Sammlerhaushalts

          Zurzeit belegen mehr als achtzig Blätter dieses Werk in der Kölner Galerie Boisserée, in der Ausstellung „Joan Miró – Radierungen, Lithographien und Arbeiten auf Papier“. Die Kunsthändler Johannes Schilling und Thomas Weber haben für diese umfangreiche Schau über viele Jahre gesammelt, die Arbeiten aus Privatbesitz und auf Auktionen zusammengesucht. In der raren Kollektion ergibt sich eine erstaunliche Preisspanne: Kleine Farbaquatinta-Radierungen aus den frühen sechziger Jahren sind für 980 Euro im Angebot; kapitale Werke sind entsprechend hoch bewertet – wie das große „Equinoxe“ (Tagundnachtgleiche), im Jahr 1967 in einer Auflage von 75 Exemplaren gedruckt, mit 79.800 Euro.

          Es wird deutlich, dass Miró tatsächlich in den Papierarbeiten die Möglichkeit sah, als Weltberühmter in die Intimität des Sammlerhaushalts vorzudringen; im Brief an einen Freund schrieb der Künstler 1968: „Unter gesellschaftlichem und menschlichem Aspekt kann die Graphik, selbst wenn man nur eine begrenzte Zahl Exemplare von ihr herstellt, eine größere Ausstrahlung hat als das Gemälde, denn dieses wird immer ein Unikat bleiben, das man andächtig im Museum aufbewahrt.“

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