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Kunstraub für Millardär : Michael Steinhardt entgeht Strafanzeige

Sammeln um jeden Preis: Michael Steinhardt Bild: Reuters

Der Hedgefonds-Pionier Michael Steinhardt muss gestohlene Kunstwerke im Wert von 70 Millionen Dollar zurückgeben, sich aus dem Antiquitätenmarkt zurückziehen – und entgeht so der Strafanzeige in New York.

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          Michael Steinhardt hat seine Kunstkollektion ganz offensichtlich so rücksichtslos aufgebaut, wie man es finsteren Klischees nach einem skrupellosen Hedgefonds-Manager zutrauen würde. Tatsächlich gehört der 1940 geborene Amerikaner als Gründer von Steinhardt Partners zu den Pionieren der hochspekulativen Geldanlage und galt als einer der größten Dealer der Wallstreet.

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

          Als Sammler antiker Kunstwerke, für die der Milliardär ein Vermögen ausgab, hat er nun allerdings ausgespielt: 180 Werke im Wert von 70 Millionen Dollar muss er zurückgeben und sich für den Rest seines Lebens aus dem Antiquitätenmarkt zurückziehen, damit ihn im Gegenzug die New Yorker Staatsanwaltschaft nicht anklagt.

          Seit 2017 ist ein Ermittlungsverfahren gegen Steinhardt im Gange. Es untersuchte seine Rolle beim Erwerb, Besitz und Verkauf von mehr als 1000 antiken Objekten, von denen 180 nachweislich aus den Ländern, in denen sie gefunden worden waren, gestohlen wurden. Aufgefallen war der Milliardär unter anderem damit, eine während des libanesischen Bürgerkriegs gestohlene Statue aus dem 4. Jahrhundert vor Christus im Wert von mehreren Millionen Dollar gekauft und an das Metropolitan Museum ausgeliehen zu haben.

          Die von Steinhardt nun übergebenen Stücke stammen aus Plünderungen und Schmuggel aus insgesamt elf Ländern, darunter Ägypten, Griechenland, Irak, Italien und der Türkei, die ihn bereits zuvor verklagt hatte. Staatsanwalt Cyrus Vance Jr. bescheinigte Steinhardt „einen räuberischen Appetit auf geplünderte Artefakte, ohne sich um die Rechtmäßigkeit seines Handelns zu scheren”. Er soll sich auf kriminelle Bosse, Geldwäscher und Schatzsucher verlassen haben, um seine Sammlungen aufzufüllen. Steinhardt dagegen behauptete, er habe die Stücke auf Grundlage falscher Angaben gekauft. Unter ihnen befinden sich unter anderem eine kretische Urne, datiert auf 1400 bis 1200 vor Christus, die er über eine auf den Seychellen ansässige Firma erwarb, ein Fresko aus Herculaneum, gekauft 1995 von dem Menschenhändler Robert Hecht und einem Restaurator, sowie ein goldener Pokal aus Nimrud.

          Nach einer Einigung wurde das Verfahren gegen den Milliardär ohne Strafanzeige eingestellt. Das Kalkül der Staatsanwaltschaft war es, die widerrechtlich angeeigneten Gegenstände so rasch  wie möglich an ihre Eigentümer zurück zu gegeben, statt sie jahrelang als Beweismittel unter Verschluss zu halten, anonyme Zeugen zu schützen und die Ressourcen weniger wohlhabenderer Länder zu schonen, die im Falle einer Strafanzeige hätten Zeugen entsenden müssen. Der Fall ist einer der ersten der Sonderbehörde für Antiquitätenhandel, die 2017 bei der Staatsanwaltschaft von Manhattan eingerichtet wurde. Seinem Anwalt zufolge ist Steinhardt mit der Einigung zufrieden.

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