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Art Basel Miami Beach : Miami Miracle: Wo Geld und Talent in einem rauschenden Fest zusammentreffen

„Wir heben uns unser Bestes für die Art Basel Miami Beach auf“ - meint die Frankfurter Galeristin Bärbel Grässlin, eine der zahlreichen deutschen Aussteller. Und es lohnt sich: In den kühlen Hallen des Convention Center wechselt Kunst für etliche Millionen Dollar den Besitzer.

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          Zum vierten Mal trifft sich in Miami Beach die Kunst- und Glamourwelt zur größten Party des Kontinents, und wieder geht hier für vier Tage die Sonne nicht unter. Ob Galeristen, Sammler, Art Consultants oder Journalisten - niemand kann sich dem dionysischen Rausch entziehen, der hier den Winter zum Sommer macht und die Nacht zum Tag: Champagner fließt, Kaviar wird gereicht, nachts am Strand spielen heiße Bands, und tags in den kühlen Hallen des Convention Center wechselt Kunst für etliche Millionen Dollar den Besitzer.

          Sandra Kegel
          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

          „Wir heben uns unser Bestes für die Art Basel Miami Beach auf“, meint beschwingt die Frankfurter Galeristin Bärbel Grässlin, eine der 195 Aussteller hier, die zum dritten Mal dabei ist und wie so viele bereits zur Preview an die wichtigsten Sammler kapitale Werke verkauft hat, wie Kippenbergers Triptychon „Reddish - Greenish - Bluish“. Wo man auch fragt: Alle haben ihren Schnitt bereits vor der Eröffnung gemacht, viele werden mit leeren Händen nach Hause zurückkehren.

          So ist es bei den großen amerikanischen Galerien Marlborough, Acquavella oder Gagosian; bei den Engländern wie Sadie Coles, die eine Einzelausstellung mit Werken von Sarah Lucas präsentiert; bei den Schweizern Hauser & Wirth - wo eine (für 350 000 Dollar bereits verkaufte) Kunststoff-Skulptur Paul McCarthys Pamela Anderson, die abends zur Party erwartet wird, nicht zur Ehre gereicht; oder bei Eigen + Art aus Berlin/Leipzig, dem Düsseldorfer Hans Mayer und der Galerie Kicken aus Berlin - die wieder eine anspruchsvolle Koje inszeniert hat mit Foto-Klassikern wie Friedlander, Shore und Diane Arbus, mit Entdeckungen wie den Aktfotografien des Tschechen František Drtikol und mit den jungen Deutschen Götz Diergarten und Hans-Christian Schink.

          Exportschlager aus Deutschland

          Bei Eigen + Art war bereits binnen zwei Stunden fast alles weg, die Leipziger sind nach wie vor Exportschlager aus Deutschland: Zwei Bilder von Martin Eder haben sich für 50 000 Euro ebenso schnell verkauft wie ein monumentales Bild von David Schnell. Daß man auf Werke von Neo Rauch bis 2008 warten muß, gehört indes ins Reich der Legende, hat Harry Lybke doch eine Leinwand von 1993, dem ersten Jahr des Werksverzeichnisses von Neo Rauch, zumindest bis mittags noch im Angebot - für 260 000 Euro.

          Nicht nur unter den Galeristen, auch unter den mehr als 1500 präsentierten Künstlern sind die Deutschen stark vertreten: Eberhard Havekost bei den Gebrüdern Lehmann aus Dresden ist ebenso gefragt wie der junge Christian Hellmich bei Lehmann Maupin mit seinen erratischen Raum- und Landschaftsszenen (sämtlich verkauft, zwischen 12 000 und 22 000 Dollar).

          Picassos Kopfmodell und Frauen im Sportstadion

          Ausgerechnet in Miami, dieser jungen Pionierstadt, die vor kaum mehr als hundert Jahren in den Sümpfen Floridas gegründet wurde, ist die Klassische Moderne stark vertreten. Krugier aus Genf hat ein ganzes Kabinett mit Picasso ausgestattet; in musealer Anmutung dokumentiert sein Stand das Schaffen des Meisters von den zwanziger bis in die siebziger Jahre. Die Gemälde kosten bis zu sechzehn Millionen Dollar, die Skulptur gleich am Eingang ist wohl eins der teuersten Werke der Messe: Für das gut ein Meter hohe Stück, ein Modell, das Picasso 1962/64 aus Metall für die Arbeit „Tête“ schuf, die heute im Civic Center in Chicago steht, werden 25 Millionen Dollar erwartet. Der Preis, meinen manche, könnte den jüngsten Rekordpreisen für Skulptur - wie für David Smith unlängst in New York - geschuldet sein.

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