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Hannes Hintermeier (hhm)

Kulturgutschutz : Mexiko droht

Verkauft: Ein Auktionator gibt mit dem Hammer den Zuschlag. Bild: dpa

Mexikos Regierung hat bei der Generalstaatsanwaltschaft des Landes Anzeige gegen ein Münchner Auktionshaus erstattet. Eine Auktion präkolumbianischer Kunst soll verhindert werden.

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          Das teuerste Stück ist ein Ausreißer, preislich wie künstlerisch. Die Gesichtsmaske eines Würdenträgers geht nächste Woche mit 100.000 Euro ins Rennen, wenn in der 1878 gegründeten Münchner Galerie Gerhard Hirsch Nachfolger präkolumbianische Kunstgegenstände versteigert werden, 324 Artefakte aus dreitausend Jahren, von circa 1500 vor bis 1460 nach Christus. Sie stammen aus den heutigen Ländern Bolivien, Costa Rica, Ecuador, Guatemala, Kolumbien, Mexiko und Panama. Darunter befinden sich viele Gefäße aller Art wie Trinkbecher und Steigbügelgefäße, ferner weibliche Figurinen, Ketten, Fingerringe, Halsschmuck, Pektoralien, Gewandapplikationen. Die meisten Schätzpreise liegen im unteren dreistelligen Bereich, einige im mittleren vierstelligen, fünfstellig ist die Ausnahme. Alle angebotenen Stücke verfügten über einen Provenienznachweis, Gutachten zur Echtheit, eine Überprüfung durch das Art-Loss-Register habe stattgefunden, erklärt das Auktionshaus in der vornehmen Prannerstraße. Warum tut es das? Weil die mexikanische Regierung die Absage der Auktion fordert.

          Kulturministerin Alejandra Frausto Guerrero hat dem Auktionshaus schriftlich mitgeteilt, vierundsiebzig der Artefakte im Katalog seien als Eigentum der mexikanischen Nation identifiziert worden. Der Verkauf stelle eine Straftat nach mexikanischem Recht dar, fördere Schmuggel und organisiertes Verbrechen. Deswegen sei bei der mexikanischen Generalstaatsanwaltschaft An­zeige erstattet worden. Mexikos Kulturbehörden setzen damit ihre Politik fort, sich für den Schutz des Kulturerbes einzusetzen. Im Deutschlandfunk Kultur bewertete Stefan Rinke, Lateinamerika-Historiker an der FU Berlin, die Vorgehensweise als Mobilisierungsstrategie: Mexiko sei schon mehrmals gegen Auktionshäuser vorgegangen, ebenso gegen Modemarken, die Textilmuster indigener Volksgruppen ohne deren Zustimmung verwendet hätten. Nach Rinkes Auffassung betreibt der linkspopulistische Staatspräsident Manuel López Orban Symbolpolitik, um sich bei Indigenen Stimmen zu sichern. Das Auktionshaus erwartet, dass die Versteigerung stattfinden wird. Und doch dürfte Mexikos Forderung aus Sicht der Eigentümerin von Gerhard Hirsch Nachfolger verstörend wirken: Fran­cisca Bernheimer ist die Enkelin von Otto Bernheimer. Der Münchner Kunstsammler saß 1938 im Konzen­trationslager Dachau. Nur dank der Intervention Mexikos, dessen Honorarkonsul Bernheimer war, kam er frei. Sein Besitz wurde „arisiert“, er wurde ausgebürgert, kehrte sofort nach Kriegsende in seine Heimat zurück und begann um die Restitution des Familienbesitzes zu kämpfen.

          Hannes Hintermeier
          Feuilleton-Korrespondent für Bayern und Österreich.

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