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: Mexiko greift ein

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Mit hohen Zuschlägen endete die Versteigerung präkolumbischer Kunst bei Binoche & Giquello in Paris. Zwar fordert die mexikanische Regierung keines der Werke wie zuletzt zurück. Zweifelt dafür aber öffentlich an der Echtheit einer Maya-Skulptur.

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          Das Pariser Auktionshaus Binoche & Giquello hat Anfang der Woche im Drouot die Skulptur einer Gottheit der Maya-Kultur für den Rekordpreis von 2,5 Millionen Euro zugeschlagen. Wie die anderen rund 200 Lose dieser Auktion stammte die polychrome sitzende Figur aus Stuck mit den Attributen eines Kriegers aus der Sammlung mit präkolumbischer Kunst des Genfer Industriellen Henri Law. Die Befürchtungen, es könne noch kurz vor der Auktion wieder zu Rückgabeforderungen der mexikanischen Regierung und

          zur Beschlagnahmung der Objekte kommen - wie bei der Sammlung Kerchache im September 2008 -, hatten sich nicht erfüllt; doch die Ruhe täuschte: Zwei Tage nach der Auktion versandte die mexikanische Botschaft in Paris eine Erklärung des mexikanischen Außenministeriums und des Nationalen Instituts für Anthropologie und Geschichte von Mexiko des Inhalts, dass es sich bei der Figur der „klassischen Periode“ (um 550 bis 950 n. Chr.) um eine „Produktion aus jüngerer Zeit“ handle, die zu „keiner der prähispanischen Kulturen Mexikos“ gehöre.

          Diskreditierung eines ganzen Markts angestrebt?

          Weder die Höhe der Figur von 156,5 Zentimetern noch ihre Haltung und die gewickelten Schuhbänder seien für diese Kultur charakteristisch. Der Experte Jacques Blazy, der seit vielen Jahren Auktionen präkolumbischer Kunst betreut, weist das kategorisch zurück: Die Skulptur sei echt. Sie sei 1998 im Genfer Musée Rath ausgestellt gewesen, und der mexikanische Botschafter, der zur Eröffnung kam, habe keinerlei Einwände gehabt.

          Henri Law habe die Figur 1996 auf der Biennale des Antiquaires in Paris erworben, auch dort habe niemand ihre Authentizität bezweifelt. Blazy führt das Vorgehen der mexikanischen Regierung auf deren seit einigen Jahren betriebene Politik systematischer Rückgabeforderung mexikanischen Kulturguts zurück; diese Politik, verfolge der mexikanische Botschafter in Paris mit besonderem Eifer.

          Kaum lässt sich die Frage nach der Echtheit der Figur über Presseverlautbarungen klären. Und falls die mexikanischen Behörden das Ziel verfolgen, den Markt für präkolumbische Kunst zu diskreditieren, sind sie zweifellos einen Schritt weitergekommen. Über die Reaktion des Käufers der Figur ist bislang nichts bekannt.

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