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Mexiko gegen den Markt : Maya oder nicht Maya?

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Der Streit um die Echtheit einer 2,5 Millionen Euro teuren Maya-Figur ist entschieden. Kurz nach der Auktion bei Binoche-Giquello in Paris hatte das mexikanische Außenministerium seine Zweifel geäußert. Jetzt liegen neue Ergebnisse vor.

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          Die Freude über den Rekordzuschlag in Höhe von 2,5 Millionen Euro, der für die Plastik einer Maya-Gottheit aus der Sammlung mit präkolumbischer Kunst des Industriellen Henry Law im Drouot erging, war nur von kurzer Dauer: Zwei Tage nach der Versteigerung bei Binoche-Giquello teilten das mexikanische Außenministerium und das Institut für Anthropologie und Geschichte von Mexiko mit, bei der Skulptur handle es sich um eine „Produktion aus jüngerer Zeit“.

          Auch wenn der Auktionator Jean-Claude Binoche und der Experte für präkolumbische Kunst Jacques Blazy diesen Vorwurf zurückwiesen und durch den Hinweis auf eine Reihe von öffentlichen Ausstellungen - wie 1998 im Genfer Musée Rath, zu deren Eröffnung der mexikanische Botschafter selbst erschienen war - zu entkräften versuchten, wurden „Drouot“ und „Kunst“ in einem Atemzug mit dem Wort „Fälschung“ genannt.

          Das Auktionshaus hat daraufhin bei einem französischen Labor eine Materialanalyse der Plastik in Auftrag gegeben, die nun vorliegt. Sie liefert eine Reihe von Indizien für die Echtheit dieser Figur: Die Behauptung, die „Sitzende Gottheit“ aus mehrfarbig bemaltem Stuck sei eine Fälschung, stützte sich vor allem auf stilistische Argumente und den Verdacht einer „künstlichen Alterung“ des Objekts.

          Die mexikanischen Kunstexperten haben die Figur jedoch nur nach Fotografien beurteilt. Dem Bericht des auf physikalisch-chemische Analysen von Kulturgütern spezialisierten Labors MSMAP im südwestfranzösischen Pessac zufolge entspricht die Herstellung des Stucks einer „im Norden der Halbinsel Yucatán beobachteten kulturellen Tradition“; insbesondere die Pigmente „Maya-Blau“ und „Maya-Grün“ seien charakteristisch für Wandmalereien, polychromen Stuck und polychrome Terrakotta-Objekte der Maya-Kultur.

          Ein Kleinkrieg mit Folgen

          Die Alterung der Plastik, so MSMAP weiter, habe über einen langen Zeitraum hinweg stattgefunden, wie durch die Präsenz von verkalkten pflanzlichen Elementen und von Mikroorganismen belegt werde. Das Labor schließt auf eine „Übereinstimmung mit dem angenommenen Alter des Objekts“ - das heißt mit der klassischen Periode der Maya-Kultur zwischen 500 und 950 nach Christus.

          Es ist fraglich, ob die Polemik damit beigelegt ist. Die mexikanischen Behörden haben bislang nicht reagiert, aber zweifellos sind Auktionen dieser Art ihnen ein Dorn im Auge. Ihr - an sich verständliches - Ziel ist es, die Plünderungen der Kulturschätze ihres Lands mit allen Mitteln zu bekämpfen. Im Zuge ihres erbitterten Kleinkriegs hatten die mexikanischen Behörden weder den Auktionator noch den Experten von ihren Feststellungen unterrichtet, sondern ihre Mitteilung in den frühen Morgenstunden direkt an die Presse versandt.

          Jean-Claude Binoche und Jacques Blazy konnten so aus dem Radio erfahren, dass man die Skulptur in Mexiko für eine Fälschung hält. Die Methode, systematisch den Kunstmarkt anzugreifen und Objekte unter Beschuss zu nehmen, deren Herkunft seit Jahrzehnten belegt ist, erscheint jedoch fragwürdig und auf Dauer wenig geeignet, derartige Kulturgüter nach Mexiko zurückzuholen. Aber womöglich ist die Stilllegung des offiziellen Markts für präkolumbische Kunst ein erstes Etappenziel.

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