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Stuttgarter Antiquariatsmessen : Pilze, ABC-Schützen und eine Locke

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Von fliegenden Rockstars bis zum Kinderspiel: Das Angebot der Stuttgarter Antiquariatsmesse und der Antiquaria in Ludwigsburg ist breit gefächert. Eine Vorschau

          Die Bibliophilen kommen auch in diesem Jahr Ende Januar in Baden-Württemberg auf ihre Kosten: Die 55. Stuttgarter Antiquariatsmesse im Württembergischen Kunstverein und die 30. Antiquaria in der Musikhalle Ludwigsburg präsentieren Erstausgaben, Künstlerbücher, Graphik und Inkunabeln. Preisliches Highlight in Stuttgart, wo siebzig Händler vom 29. Januar an zusammenkommen, ist die Handschrift des mittelhochdeutschen Ritterepos „Wigalois mit dem Rade“ von Wirnt von Grafenberg aus dem Jahr 1418. Das prachtvoll illustrierte Werk mit 31 großen Miniaturen wird von Heribert Tenschert aus dem schweizerischen Ramsen für 2,4 Millionen Euro angeboten.

          Außergewöhnlich ist das „Mushroom Book“, denn der amerikanische Avantgardekomponist John Cage hat sich auch intensiv mit Mykologie, der Wissenschaft von den Pilzen, beschäftigt und 1972 das mit zwanzig Lithographien versehene Buch gemeinsam mit der Autorin Lois Long herausgebracht; Emanuel von Baeyer aus London erwartet dafür 15 000 Euro. „Anarzarbeo della materia medicinale“, eine Abhandlung über pflanzliche Heilmittel, vom Arzt und Humanisten Pietro Andrea Mattiolo, erschienen 1568 und reich illustriert, kostet 45 000 Euro beim Antiquariato Librario Bado e Mart aus Padua. In der Fotografie-Sektion offeriert das Wiener Antiquariat Löcker eine Rarität, nämlich zwei Aufnahmen von Richard und Cosima Wagner, die 1877 im Londoner Studio Elliott & Frey entstanden und von Wagner signiert wurden (zusammen 15 500 Euro).

          Höchstleistung der Buchdruckerkunst

          In einem anderen Preissegment bewegen sich die liebevoll gestalteten Spiele des Italieners Enzo Mari. „Il gioco delle favole“ von 1965 besteht aus sechs Bildtafeln mit 45 farbigen Serigraphien plakativer Tiermotive, die zusammensteckbar sind; für 400 Euro kann man das Fabelspiel des Teilnehmers an der vierten Documenta 1968 beim Antiquariat Haufe & Lutz aus Karlsruhe erwerben. Ebenfalls ehemals für Kinder konzipiert, bereiten Abc-Bücher den Erwachsenen heute ein noch größeres Vergnügen. Ein Exemplar der sehr seltenen ersten Ausgabe von Heinrich Oswalts „Der kleine A-B-C-Schütz“ mit fünfzig kolorierten Illustrationen, erschienen 1874 in Frankfurt, bietet Winfried Geisenheyner für 1200 Euro an. Bei Le Cabinet Japonais aus München und dem Kölner Antiquariat Hans-Martin Schmitz gibt es japanische Farbholzschnitte: Besonders dekorativ sind die „Frau im Schnee“ von Tsunetomi Kitano aus dem Jahr 1923 (750 Euro) bei Cabinet Japonais und die „Zwei Kakadus auf roter Stange“, ein Farbholzschnitt mit Blindprägung von Ohara Koson aus den dreißiger Jahren bei Schmitz (1200 Euro).

          Die Ludwigsburger Antiquaria, die mit 55 Teilnehmern am 28. Januar beginnt, hat diesmal den Themenschwerpunkt Musik gewählt. Dort sticht das Gesangbuch „Geystliche Lieder“ von 1545 hervor: In seiner Vorrede lobt Martin Luther den Drucker Valentin Bapst für sein gelungenes Werk. Bis heute stellt der Band, laut Katalog, eine „Höchstleistung der Buchdruckerkunst im Reformationszeitalter“ dar, zu haben beim Antiquariat Stefan Krüger aus Köln (42 000 Euro). Mehr als 400 Jahre später flogen die Rolling Stones mit British European Airways zu ihrem Konzert in der Berliner Waldbühne und signierten die Bordzeitung; für 1700 Euro abrufbar ist die Memorabilie beim Antiquariat Lorych aus Berlin.

          Auch andere Kuriositäten fehlen auf der Messe nicht: So bieten Inlibris und Kotte Autographs aus Wien und Roßhaupten an ihrem Gemeinschaftsstand nicht nur eine Locke von Friedrich Schiller an (15 000 Euro), sondern auch Franz Kafkas letzten Reisepass (75 000 Euro), der übrigens im vergangenen September bei Bonhams versteigert wurde.

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