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Satellitenmessen der Art Basel : Unschärfen an den Rändern

  • -Aktualisiert am

Punktuelle Begeisterung: Was die Volta, Scope und Liste zu bieten haben. Ein Überblick über die wichtigsten Nebenmessen der Art Basel.

          Die Nebenschauplätze der Mutter aller Messen werden immer bunter. Während die „Liste“ schon zum 15. Mal einlädt, gibt es wie jedes Jahr mehr Messen, die auf den Kunstzug aufzuspringen versuchen. Am besten gelungen ist dies der „Volta“, die in ihrem sechsten Jahr an neuem Ort auftritt. Das Dreispitzareal gilt als wichtiger Ort der Stadtentwicklung und wird in den kommenden Jahren viel Kunst und Kultur anziehen. Gut hundert Galerien präsentieren sich dort. Aufgefallen sind wenige starke Fotografien, darunter die großformatigen C-Prints von Katrin Korfmann (je 4800 Euro), bei Zaum Projects aus Lissabon; die konsequent als Draufsichten angelegten Stadtbilder sezieren Alltagsszenen zu abstrakten Mustern. Die Malereien von Jasper Krabbé, Jahrgang 1970, vertreten von der Amsterdamer Galerie van der Mieden, wirken zum einen wie ein Nachklang Munchs im Heute („The Orange Night“, 13.000 Euro), zum anderen irritieren sie durch die wie Fehlstellen eingesetzten Figuren ( „Ghost Series“ und „Dawn“, um 2000 Euro).

          Deutlich weniger experimentell geht es auf der „Scope“ zu. Die dort versammelten, 85 etablierten Galerien vermögen nur punktuell zu begeistern. Aufgefallen sind bei Röpke aus Köln Max Neumanns übermalte Collagen ohne Titel (je 5000 Euro), die formal an Fotomontagen der Neuen Sachlichkeit erinnern, ihre Motive aber in einem Geflecht von Texturen mehr verbergen als zeigen. Beck & Eggeling aus Düsseldorf sind neu auf der „Scope“ und haben die sechs Gemälde des „Arkadiablock 3“ von Heribert C. Ottersbach zum Blickfang gemacht (120.000 Euro). Ganz andere Eyecatcher sind die Fotografien des Japaners Izima Kaoru. Nach dem Abschluss seiner Serie „Landscapes with a Corpse“ ist er jetzt mit „One Sun“ auf künstlerischer Suche. Die kreisrunden C-Prints der stundenlang belichteten Sonne haben einen Durchmesser von 120 Zentimetern (bei Binder aus München, 14.000 Euro).

          Die „Liste“ profitiert vom Ambiente der ehemaligen Brauerei Warteck. Nicht kühle Kojen, sondern einstige Werkräume sind hier angefüllt mit Arbeiten junger Künstler. Zu dieser Patina passen die Arbeiten von Will Rogan, der aus Magazinen der fünfziger Jahre Figuren ausradiert und so die banalen Illustrationen in geheimnisvolle Motive transformiert (bei Claudia Altman-Siegel aus San Francisco, je 1800 Dollar). Die in Eitempera und Öl gemalten Bilder der Deutschen Anne Neukamp - „Angle“, „Smoke“ und andere (je 7000 Euro) - zeigt Chez Valentin aus Paris. Ebenfalls aus Paris kommt die Galerie Lucile Corty, in deren Programm vor allem eine exzellent gefilmte Videoarbeit von Emilie Pitoiset überzeugt (Preis auf Anfrage). Der Gradmesser aber für die Unschärfen an den Rändern des Spektrums ist und bleibt die exzellente Hauptmesse.

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