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Salon du Dessin : Eine Feier der Zeichenkunst

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Der Salon du Dessin in Paris bleibt uneingeholt auf seinem erlesenen Terrain. Da hat auch der Salon du Dessin Contemporain keine Chance.

          Paris baut seinen Status als Mekka für Liebhaber von Handzeichnungen weiter aus. Der Salon du Dessin, seit bald zwanzig Jahren die Spitzenmesse für Meisterzeichnungen, hat mit 39 Teilnehmern die Räume in der Pariser Börse bis auf den letzten Quadratmeter gefüllt. Mit einer bis in die Gegenwart ausgedehnten, hochqualitativen Offerte überlässt die Traditionsmesse dem aufstrebenden Salon du Dessin Contemporain, dessen vierte Ausgabe mit 66 Ausstellern erstmals im Carrousel du Louvre stattfindet, keineswegs das Monopol auf die zeitgenössische Kunst.

          Der Salon du Dessin ist bekannt für sein Publikum aus internationalen Sammlern und Kuratoren: Davon wollen noch andere Veranstaltungen profitieren, wie der Pavillon des Arts et du Design, der zur selben Zeit im Tuileriengarten sein Zelt aufgeschlagen hat. Alain Delon ist der Star des diesjährigen Salon du Dessin. Der Schauspieler zeigt zum ersten Mal öffentlich rund vierzig Blätter seiner in den siebziger Jahren begonnenen Sammlung. Delon „hat gut gekauft“, erklärt Bertrand Gautier, Händler Mitglied der veranstaltenden Société du Dessin. Die Sammlung weist große Namen auf, aber kaum gefällige Themen - einen „Christus am Kreuz“ von Rubens, „Christus bei Pilatus“ des Palma Il Giovane, einen „Alten Mann mit Regenschirm“ von Van Gogh, aber auch eine hübsche „Lesende“ Vuillards - und wird angehenden und erfahrenen Sammlern zweifellos eine Anregung sein.

          Der Zauber der Unmittelbarkeit ist bei Zeichnungen des 16. wie des 21. Jahrhunderts zu spüren. Die mit dem Pinsel in höchster Feinheit von Maarten van Heemskerck getuschte „Susanna wird zur Hinrichtung geführt - Daniel entlarvt die alten Richter“ (220.000 Euro), die bei Colnaghi-Bellinger zu bewundern ist, erhält ein fernes Echo von der Hand der Louise Bourgeois, deren vierteilige Zeichnung in blutroter Aquarellfarbe und Bleistift von 2007 ein klares „No“ formuliert: bei Karsten Greve, zum ersten Mal auf dem Salon du Dessin, für 120.000 Euro. Paul Prouté führt den theatralischen „Tod des Laokoon“ des französischen Barockmalers Sébastien Bourdon ins Feld (12.000 Euro) und Bernd Klüser bestreitet seinen ersten Auftritt auf der Messe unter anderen mit dem „Akteur“ von Beuys, einst in der Sammlung Ströher, einer Zeichnung in brauner und grauer Ölfarbe samt Collage-Elementen für 140.000 Euro.

          Mit einem der teuersten Werke der Messe wartet Arturo Cuéllar auf: Für den ungewöhnlich großen, gouachierten „Turm von Sankt Romuald in Mechelen“, den Victor Hugo nach einer Reise durch Belgien in einer imaginären Landschaft darstellte, sind 1,4 Millionen Euro veranschlagt. Eindrucksvolle Beispiele der Porträtkunst gibt es bei Talabardon & Gautier mit dem dramatisch beleuchteten Miniaturporträt „Caspar David Friedrich artiste peintre“ des Franzosen Alphonse de Labroue, der Friedrich 1819 in Dresden besuchte, bei Thomas Le Claire aus Hamburg mit einem aquarellierten Selbstporträt von Lovis Corinth, das einst dem Fotografen Hugo Erfurth gehörte (120.000 Euro), und bei Jean-François Baroni mit dem musisch gelockten „Bildnis von Emile Perrin, Direktor der Komischen Oper in Paris“ vom Historienmaler Thomas Couture (18.000 Euro).

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