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Pracht in New York : Im Blumenmeer

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In voller Blüte zeigt sich die diesjährige Ausgabe der International Fine Art Fair. Spitzenwerke des Impressionismus und der Moderne sind in New York versammelt. Mit seiner Signatur beweist Lyonel Feininger dort Humor.

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          Die mächtige Armory an der Park Avenue Ecke 67th Street lädt wieder zur jährlichen International Fine Art Fair ein. Mehr als fünfzig Galeristen und Kunsthändler vor allem aus New York, aber auch aus London und Paris, vereinzelte aus Barcelona und Florenz, haben ihre kostbarsten Objekte mitgebracht und lassen sie nun um die Aufmerksamkeit der Besucher buhlen. Es ist eine Reise durch die Kunstgeschichte mit den Augen der konservativen New Yorker Oberschicht: Sie umfasst Malerei, Skulptur und Graphik von der italienischen Renaissance-Madonna bis zum Society-Porträt von Andy Warhol und verweilt lang bei der Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Vor allem die Impressionisten und ihre Nachfolger werden hier auf der Upper East Side ausgebreitet. Es gibt auch Abstraktes, aber das ist selten.

          Die große Halle der Armory ist mit üppigen Bouquets von Rosen, Azaleen, Lilien, Orchideen und Kirschzweigen geschmückt. Fast kann man meinen, die Süße der Blumen spiegle sich in manch einer Leinwand wieder und nicht nur in den altmeisterlichen Stillleben, die bei den New Yorker Babcock Galleries und MME Fine Art zu sehen sind. Mit Blumenstillleben hat auch das 20. Jahrhundert aufzuwarten, sei es eine locker getupfte Vase von Maximilien Luce bei Stoppenbach & Delestre, London, ein weißes Brautgebinde von Chagall am Stand der Pariser Galerie Boulakia oder ein pastoser Rosenstrauß von Kees van Dongen bei Tamenaga, Paris/Tokio. Der sechsstellige Preis für die Rosen stand noch nicht fest: Die Händler wollten die Auktion eines Werks des Künstlers abwarten.

          New Yorker Lokalpatriotismus

          Die Kundschaft hier liebt New York, und so ist es keine Überraschung, dass verschiedene Ansichten des malerischen Molochs auf der Messe glänzen dürfen. Da gibt es bei David Findlay einen verschneiten Blick auf die „Old Trinity“-Kirche in Manhattan, die der späte Impressionist Guy Carleton Wiggins um 1930 gemalt hat. Die Avery Galleries aus Bryn Mawr, Pennsylvania, führen ein verträumtes Pastell von Birge Harrison vor, das den Hafen von New York mit rauchenden Fabrikschloten zu dunkler Stunde darstellt (135.000 Dollar). Die ländliche Umgebung der Großstadt ist Motiv der Gemälde auf dem Stand der Galerie Hawthorne Fine Art, New York. Viele von ihnen lassen sich zur Hudson River School zählen, etwa der duftige Sonnenuntergang in der Berg-und-Seen-Landschaft des Lake George, den Johann Hermann Carmiencke 1864 auf die Leinwand gebannt hat (165.000 Dollar). Er hat in Dresden und Leipzig studiert, war Hofmaler des dänischen Königs und emigrierte dann in die Vereinigten Staaten.

          Die Düsseldorfer Galerie Beck & Eggeling erfreut das Publikum als einziger Teilnehmer aus Deutschland mit deutschem Expressionismus: Feiningers reizende kleine Federzeichnung zweier Männer beim Strandspaziergang von 1911 trägt die lustige Signatur „Leinoel Einfinger“ (19.500 Euro). Ein von der klassischen Antike ebenso wie von den alten Meistern inspiriertes Gemälde von Macke, „Liebespaar im Walde“ von 1912, soll 1,4 Millionen Euro kosten, und Noldes leuchtendes Familienbildnis „Peter und Hans“ aus dem Jahr 1949 ist auf 2,5 Millionen Euro veranschlagt.

          Abby Taylor Fine Art aus Greenwich, Connecticut, hat neben der Malerei auch Bildhauerei dabei: Josef Mario Korbels bronzener Akt „Adolescence“ von 1923 ist noch ganz dem akademischen Geschmack des 19. Jahrhunderts verpflichtet (40.000 Dollar). Bei Hill-Stone aus New York ist Graphik zu bewundern: etwa das locker gezeichnete, von Ingres beeinflusste „Portrait de Michelot, Sociétaire de la Comédie Française“, das François-Joseph Heim im Jahr 1827 anfertigte (31.000 Dollar). Noch ältere Meister sind bei der Piacenti Art Gallery aus Florenz die Stars. Besonders einprägsam ist das in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gemalte Porträt eines Kindes von Mirabello Cavalori, das in einer Hand eine Hyazinthe hält und deshalb mit Giacinto Salviati identifiziert wird. Sein rotwangiges Gesicht über der gestärkten Halskrause ist unbewegt, nur um die Lippen zeichnet sich ein wissendes Lächeln ab (um 500.000 Dollar).

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