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Münchner Kunstmessen : Südlicher Dualismus mit Spitzen

  • -Aktualisiert am

In München laufen die „Munich Highlights“ und die „Kunst Messe München“ parallel. Konkurrenz belebt jedenfalls den Ehrgeiz, und das macht guten Eindruck.

          Während die Neuausgabe der „Kunst Messe München“ startet, klingen die „Munich Highlights“ aus. Auf beiden Veranstaltungen sind Spitzen des deutschen Kunst- und Antiquitätenhandels konzentriert mit einem hochwertigen ehrgeizigen Angebot, und auch mancher ausländische Aussteller ignorierte das Messegezänk der vergangenen Jahre. Der Zufall will es, dass Highlights und Messe gleich viele Teilnehmer haben, nämlich je 34: Das bedeutet Rekord für eine lokale Leistungsschau wie die Munich Highlights, für eine Messe dagegen eher das Minimum; aber im „Postpalast“, dem Messequartier, fanden nicht mehr Kojen Platz.

          Als die Veranstalter der „Fine Art & Antiques“ hier den Termin festmachten, konnte schließlich noch niemand ahnen, dass ihnen, den Abtrünnigen, die offizielle Nachfolge der ältesten deutschen Kunstmesse in den Schoß fallen würde, weshalb sie nun die „54. Kunst Messe München - Fine Art & Antiques“ eröffnen konnten. Der denkmalgeschützte Postpalast, ein in den zwanziger Jahren als hochmodernes Paketzustellamt errichteter Rundbau mit hohem Glastambour, entwickelt als Rahmen für Kunst beträchtlichen Charme. Er schmeichelt dem vier Jahrtausende alten weiblichen Kykladenidol am Antikenstand von Günther Puhze (140.000 Euro) ebenso wie Ewald Matarés höchstens handtellergroßem, abstrahierten Bronzekälbchen bei Koch-Westenhoff.

          Sublime französische Möbel

          Das Angebot führt bis in die Klassische Moderne, legt jedoch Nachdruck auf die älteren Epochen, oftmals in Ensembles aus Möbeln, Bildern, Skulptur und Kunstkammerstücken. Nach einem Abstecher ins Porzellanreich von Langeloh, wo, als reizendes Meissener Einzelstück, das Hündchen der Königin Maria Josepha von Polen auf einem Barocktabouret hübsch Männchen macht (42.000 Euro), gelangt man zum Beispiel zu Albrecht Neuhaus, der sublime französische Kleinmöbel mit einem mittelalterlichen deutschen Steinlöwen kombiniert und dazu eine hinreißend erzählte „Anbetung der Könige“ des Venezianers Giovanni Battista Pittoni hängt (240.000 Euro).

          Bei Neuse stehen zwei Teller mit Servietten mitten zwischen Schlachtenbildern und Elfenbeinpretiosen: Täuschend echt ahmte Odiot den Stoff in Silber nach, doch will man ihn hochheben, erweist er sich als Deckel von Maronidosen (48.000 Euro). Keine Imitation ist eine farbig verzierte Pferdedecke bei Bausback, sondern tatsächlich das älteste bekannte Flachgewebe Zentralasiens, angefertigt bereits zwischen 150 und 250 nach Christus (77.000 Euro).

          Ein fast lebensgroßer Mohr aus Sandstein

          Die Kunsthandlung Senger bereichert ihren bezaubernden Reigen gotischer Skulpturen um eine ungewöhnliche, weil aus Ton gebrannte große Madonna aus Niederbayern, um 1480 (28.000 Euro). Gegenüber bei Ulf Härtl warten niederländische Boiserien des 18. Jahrhunderts mit üppigen Blumenstillleben auf Liebhaber dekorativer Wohnkultur. Wie Härtl und Walter Senger gehört auch Christian Eduard Franke zu den Bamberger Initiatoren und dem harten Kern dieser Messe: Er zeigt ein Paar Eckschränke, die Charles Topino 1775 signierte, nachdem er die Fronten mit prächtigen monumentalen Phantasiearchitekturen und Staffagen nach Art der Bilder Giovanni Paolo Paninis intarsiert hatte (94.500 Euro).

          Wer eine große Terrasse oder vielleicht einen Park zu schmücken hat, findet bei Eric Meletta vier fast lebensgroße Mohren mit Früchtekörben, die man in Vicenza vor 200 Jahren aus Sandstein meißelte (je als Paar 19.800 Euro). Kabinettschränke der Renaissance mit Geheimfächern und Scheinarchitekturen auf kleinem Raum bietet Peter Mühlbauer gleich mehrere an. Wer solches Raffinement zwar schätzt, aber die Schlichtheit des Biedermeier vorzieht, lasse sich bei Georg Britsch den konischen Schreibschrank vorführen, den Karl Lundquist 1817 als Meisterstück in Prag ablieferte. Das Möbel aus persönlichem Besitz des Kardinals von Schwarzenberg kostet 128.000 Euro.

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