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Messerundgang Art Basel : Konkurrenzlos und doch nicht glücklich

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Künstlerischer Wagemut? Bitte nur in kleinen Dosen. Überraschungen in der Spitzenklasse? Fehlanzeige. Die Art Basel, unangefochtene Marktführerin unter den Kunstmessen, offenbart Schwachstellen. Ein Rundgang.

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          Die Art Basel zeigt jeden Tag ein anderes Gesicht. Die Galeristen hängen ihre Stände um. Schon am Eröffnungstag hörte man vielerorts erstaunte Stimmen, dieses Bild sei doch eben dort noch nicht gewesen. Nicht nur wegen dieser Wandlungsfähigkeit ist diese Messe für Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts einzigartig. Die Depots scheinen unerschöpflich, der Aufwand ist immens, und der Ertrag lohnt sich - auch in diesem Jahr überschlagen sich wieder die Verkaufsmeldungen.

          Und doch ist etwas anders an diesem Auftritt 2011 mit seinen rund dreihundert Galerien aus 35 Ländern, die sich in die zwei Hallen zwängen und vom Publikum überrannt wurden. Völlig losgelöst von der Konkurrenz präsentiert sich die Art Basel - gleichzeitig aber auch völlig aus den Fugen. Geht das zusammen? Der Spruch „Konkurrenz belebt das Geschäft“ ist eben ganz und gar nicht abgedroschen.

          Doch schauen wir nach, begehen wir die Gänge, und sehen wir in die Stände: In Halle 2.0, dort wo die wichtigen Kunsthändler zuhause sind, findet man traditionell die kapitalen Werke, doch das Angebot in dieser Spitzenklasse ist wenig überraschend. Marlborough aus New York gibt an mit viel bekannter Leinwand von Francis Bacon. Bilder werden von vielen eifrigen Händen auf rollende Träger geschafft, hin- und hergeschoben, weiße Handschuhe an- und abgestreift.

          Ernsthafter ging es zum Beispiel bei Krugier aus Genf zu. Nicht nur Simon de Pury und Michaela Neumeister beeindruckte dort eine „Femme allongée“ von Picasso für dreißig Millionen Dollar: François Gilot, gemalt am 8. September 1946 in Antibes. Picassos kleine Collage einer „Guitare“ von 1943 erfordert eine Million Dollar. Gegenüber bei McKee aus New York findet man eine Pretiose: Vija Celmins' kleines „Blackboard Tableau #7“ (400.000 Dollar) aus diesem Jahr. Die Künstlerin wird aktuell mit einer überzeugenden Schau im Museum Ludwig in Köln geehrt.

          Ein schwarzer Junge blickt auf sein Wundmal

          Bei McKee beginnt auch der erfreuliche und gleichzeitig erstaunliche Reigen für den wunderbaren Philip Guston mit „Pink Sea“ von 1978 (2,4 Millionen Dollar) und „Waking up“ von 1975 (7 Millionen Dollar). Guston mausert sich beim Rundgang zum Liebling, neben Alex Katz und Alice Neel. Auch Acquavella aus New York bietet ein „Painting“ von Guston aus dem Jahr 1952 (3,2 Millionen Dollar). Die Maler vergangener Jahrzehnte überstrahlen die junge Generation mit leichter Hand, und das Guston-Finale gelingt Hauser & Wirth aus New York/London/Zürich; das großformatige Gemälde „Cups & Brushes“ ist allerdings schon verkauft.

          Wenige Meter entfernt schaut ein schwarzer Junge erstaunt auf sein Wundmal am Oberkörper: Sein weißes T-Shirt ist blutig, der Schnitt zu sehen, während die Jeanshose unberührt lässig, aber adrett um seine Beine hängt. „Youth“ von Ron Mueck kostet 450.000 Pfund. Bei Ropac aus Salzburg leuchtet „Christy“ von Alex Katz für 450.000 Dollar, die „Auferstehung (The Resurrection)“ von Baselitz aus dem Jahr 1984 für 900.000 Euro und Robert Longos „Untitled (Butterfly)“ von 2011 für 300.000 Dollar. Bei Edwynn Houk aus New York/Zürich finden die Anhänger der Fotografie ihr Glück - zum Beispiel mit Stephen Shores Frühstück „Trail's end restaurant, kanab, Utah, August 10, 1973“ (Preis auf Anfrage).

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