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Kunstmesse in Moskau : Die "Art Moskwa" meldet sich zurück

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Bei zwei ausländischen Galerien auf der „Art Moskwa“ führten Zollkontrollen zu weißen Wänden. Fotografien aus Düsseldorf und mit Gliederpuppen nachgestellte Szenen hingegen schafften es auf die Messe, und waren bei den Käufern besonders beliebt.

          Die russische Messe für zeitgenössische Kunst, „Art Moskwa“, die zum vierzehnten Mal im Moskauer Zentralen Künstlerhaus stattfand, hat die Talsohle durchschritten. Nachdem im vergangenen Herbst fast alle Bestände der ausländischen Galeristen beim russischen Zoll stecken blieben, saßen diesmal „nur“ die Betreiber der kubanischen Acacia Gallery und der spanischen Galerie Horrach Moya zollbedingt vor weißen Stellwänden. Die ambitioniertesten Stücke fanden sich bei der glamourösen ortsansässigen Galerie „Triumph“: die Übermalung eines (echten?) Brueghel von den Brüdern Jake und Dinos Chapman (1 Million Pfund) und deren mit fixiertem Schlamm bedecktes Großformat, aus dem lauter Glasaugen-Paare den Betrachter mustern; beide Werke blieben, wie zu erwarten, unverkauft.

          Kerstin Holm

          Redakteurin im Feuilleton.

          Dafür freute sich die Frolov Gallery, dass die großformatigen Fotografien des Düsseldorfers Ralf Kaspers fast wie warme Semmeln weggingen. Die Spitzenpreise - etwa für das Sportstadion Luschniki, eine wandteppichgroße Kreml-Mauer, einen Gobelin aus lauter Goldbarren oder für einen Stapel aus Fünfhundert-Euro-Noten, der einem Flickenteppich gleicht - lagen zwischen 40 000 und 80 000 Euro. Im kommenden November wird das Moskauer Museum für Zeitgenössische Kunst eine Kaspers-Retrospektive zeigen.

          Zum echten Hit wurden bei der Krokin-Galerie die vergleichsweise günstigen schwarzweißen Drucke auf Aluminium von der Gruppe „Open!“: Sie stellt berühmte Gemälde als farblose Gliederpuppen-Kompositionen nach, darunter Ilja Repins „Wolgaschlepper“, Henri Matisse' „Der Tanz“ aus der Sankt Petersburger Eremitage und Picassos „Mädchen auf der Kugel“ aus dem Puschkin-Museum. Eine Replik von Kusma Petrow-Wodkins „Rotem Pferd“ wurde für 6000 Euro verkauft - und gleich zweimal nachbestellt.

          Christina Steinbrecher bot im Stand ihrer Galerie Art+Art Taissja Gorodkowas exquisite, in altmeisterlicher Tempera als Porträts formulierte Bilder von technischen Geräten als Personen feil. Als Art-Direktorin rundete sie die Messe mit einer virtuellen Schau des Essener FolkwangMuseums ab und mit Podiumsdiskussionen, auf denen viele russische Sammler zum ersten Mal miteinander ins Gespräch kamen.

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