https://www.faz.net/-gyz-892qj

Kunstmesse Frieze in London : Auch der Wischmopp wird verewigt

  • -Aktualisiert am

Ein Spannungsbogen über zwei Messen hinweg: In London setzen die Frieze Art Fair und die Frieze Masters auf ein neues Zeit- und Kundenkonzept.

          4 Min.

          Die Frieze Art Fair ist brav geworden. In ihren ersten Jahren war die 2003 gegründete Londoner Zeitgenossen-Messe grell, laut, anstrengend und manchmal unbequem - nicht nur, was die Kunst anging. In diesem Jahr gehen die Galerien weniger Risiken ein, und auch den dämpfenden grauen Teppich (statt knarrender weißer Pressholzplatten) hat die Messe sich von ihrer jüngeren Schwester, der ruhigeren Frieze Masters (seit 2011), abgeguckt.

          Im Interesse ihrer mehr als 160 Aussteller konzentriert sich die Frieze mehr als zuvor auf den Verkauf: Sie eröffnete diesmal schon am Dienstag und schließt am heutigen Samstag, nicht mehr wie bisher am Sonntag. Das bedeutet mehr Zeit für wohlhabende Sammler und einen Tag weniger für Londoner, die unter der Woche arbeiten müssen. Auch die Anzahl der ermäßigten Tickets für Studenten und Kinder war so knapp, dass sie bereits am ersten Tag ausverkauft waren.

          Vermeidung politischer Gefilde

          In diesem Jahr überzeugen besonders Londoner Galerien. Stuart Shave/Modern Art rahmt sieben Skulpturen der Serie „Original Spare Part neo“ (je 12000 Euro) des 1982 geborenen Yngve Holen mit vier abstrakten Leinwänden von Mark Flood. Holens Lufthansa-Flugzeugmodelle auf Waschmaschinen unter Digitaldrucken auf Plexiglas kommen frisch aus seiner Schau im Bonner Kunstverein. Der in Houston lebende Flood vergrößerte Dateien von Rothko-Werken so stark, dass die Pixel auf seinen monumentalen Leinwänden sichtbar werden.

          Der Londoner Galerie The Approach gelingt der Spagat, nicht nur zwei, sondern eine breite Auswahl Künstler, darunter Lisa Oppenheim, in einen harmonischen und doch spannungsgeladenen Dialog zu bringen. Marian Goodman aus New York hat ihre Koje ebenfalls ansprechend kuratiert. Sie bringt pastellfarbene, monochrome Leinwände des fünfundsiebzigjährigen italienischen Malers Ettore Spalletti mit, der erst seit diesem Jahr von ihr vertreten wird. Sie waren sehr gefragt und rahmen brusthohe Plattformen mit gefundenen Objekten, (von Turnschuhen bis hin zu verwitterten Algen) aus der Serie „Fantasma“ von Adrián Villar Rojas ein, der derzeit im Moderna Museet in Stockholm zu sehen ist. Es sollen die Überreste der menschlichen Zivilisation sein, wie Aliens sie in einer fernen Zukunft vom Weltall aus sehen könnten.

          Luise Strina aus São Paulo setzt auf den Publikumsliebling Alexandre da Cunha, der billige Alltagsgegenstände in wertvolle Kunstobjekte umwandelt - so auch den auf einer Leinwand aufgespannten Wischmopp (60 000 Dollar). Strina hatte mit Gomes großen Erfolg bei der Art Basel, auf der Frieze gingen die Verkäufe schleppend. Die Arbeiten seiner Landsmännin Fernanda Gomes, die gefundene Materialien zu minimalistischen Skulpturen verarbeitet (jeweils um die 35 000 Dollar), verkauften sich besser.

          Hauser und Wirth haben eine wilde Auswahl von 42 kleinen Skulpturen verschiedener Künstler mitgebracht, die aber überzeugt, weil sie auf einem engen Raster weißer Sockel mit der gleichartigen Bodenfläche ein Gesamtwerk bilden. Fünfzehn sind schon weg, was wohl daran liegt, dass die Preise für Kleinformate - von Phyllida Barlow, Louise Bourgeois, Paul McCarthy bis Christopher Schlingensief - erschwinglicher sind.

          Weitere Themen

          Drei deutsche Kurstädte ausgezeichnet Video-Seite öffnen

          Unesco-Welterbe : Drei deutsche Kurstädte ausgezeichnet

          Die deutschen Kurstädte Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen sind in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen worden – neben Kurstädten in weiteren Ländern Europas. Auch die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt schaffte es neu auf die Liste.

          Dürer ist wieder da

          Dürer-Ausstellung in Aachen : Dürer ist wieder da

          Wunderschön und voller Wunder: Das Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen zeigt eine Ausstellung zu der Kunst und dem Gesellschaftsbild, die sich dem Maler 1520/21 bei seinem Aufenthalt in den Niederlanden boten.

          Topmeldungen

          Vertriebene afghanische Familien haben ein Flüchtlingslager in Kandahar erreicht.

          Land im Krieg : Laschet will weiter nach Afghanistan abschieben

          Wie schon Innenminister Seehofer argumentiert der Unions-Kanzlerkandidat mit Straftätern. SPD-Chef Walter-Borjans mahnt, niemand dürfe in den Tod geschickt werden. In Afghanistan sind die Taliban weiter auf dem Vormarsch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.