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Kunstmesse Frieze in London : Auch der Wischmopp wird verewigt

  • -Aktualisiert am

Diese Frieze wagt sich kaum in aktuelle politische Gefilde. Eine Ausnahme war der Zusammenschnitt aus gefundenem Filmmaterial von William E. Jones bei The Modern Institute: alte Trainingsmaterialien der amerikanischen Polizeiausbildung, gedacht zur Vorbereitung richtiger Entscheidung in sogenannten „Shoot/Don’t Shoot“-Situationen.

Der Stand als fiktives Dokument

Durchweg gut scheinen die Geschäfte auf der Frieze Masters zu gehen, was Nachkriegskunst angeht. Pace hat ihren ganzen Stand mit Papierarbeiten aus dem Nachlass von Alexander Calder behängt (Preise 3500 bis 350 000 Dollar). Auch bei Thomas Dane aus London und Corbett vs. Dempsey aus Chicago, die sich einen Stand teilen, verkauft sich eine breite Auswahl von Künstlern gut, die mit dem Konzept „Empire of Signs“ verklammert werden - von einem Schlitten von Beuys (300 000 Dollar, Edition von 50) über Ed Ruscha und Lynda Benglis bis zur Skulptur „Drift“ von Phillip King (65 000 Pfund).

Wie wirkungsvoll ein Spannungsbogen zu den Alten Meistern, die bei der Frieze Masters einen der Gegenpole zur Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts bilden, in Szene gesetzt werden kann, führt die Kollaboration von Hauser und Wirth mit Moretti vor. Hier hängt eine italienische Madonna aus dem vierzehnten Jahrhundert neben einem Akt von Marlene Dumas. Die Idee der Zusammenarbeit von Galerien gilt auch deshalb als Zukunftsmodell, weil so die Kosten für die zahlreichen Messetermine besser geschultert werden können. Manche Kooperation funktioniert bereits seit Jahrzehnten: Anthony Meier aus San Francisco und Schönewald Fine Arts aus Düsseldorf teilen sich seit fünfzehn Jahren einen Stand auf der Tefaf in Maastricht und so nun auch bei jeder Frieze Masters. Zu den Höhepunkten zählen hier eine Bodenskulptur von Yayoi Kusama, ehemals aus der Sammlung ihres Freundes Donald Judd, sowie das Museumsformat „Sioux (no.4)“ von Richard Serra auf Papier (900 000 Dollar, bereits verkauft).

Eine der besten Kojen gehört Richard Nagy, der nach mehreren Jahren bei der zeitgleichen PAD, der Art-und-Design-Messe auf dem Berkeley Square, zur Frieze Masters gewechselt ist. Sein mit Wiener-Werkstätte-Möbeln ausgestattetes Zimmer, ringsum mit Schieles behängt, findet viel Bewunderung, besonders die Hängung an langen Kordeln über runden Metallknöpfen: Replikate von Josef-Hoffmann-Entwürfen für das Palais Stoclet in Brüssel. Nagy hat auch Bilder von Grosz und Schad sowie ein wichtiges Gemälde von Ludwig Meidner dabei, beklagt sich aber über schleppende Verkäufe.

Händler, die ihren Stand als fiktives Dokument inszenieren, werden besonders beachtet: Helly Nahmad lässt diesmal unter dem Titel „Asylum“ Räume von Heilanstalten, die Jean Dubuffet besucht hat, um sich für seine „Art brut“ inspirieren zu lassen, nach historischen Fotografien rekonstruieren. An einer Wand reiht Nahmad acht späte Leinwände von Dubuffet auf, von denen fünf bereits nach zwei Tagen verkauft waren (650 000 bis 3,5 Millionen Dollar). Auch Dickinson knüpft an einen historischen Kontext an und stellt unter der Überschrift „Masters of Cubism“ Werke von Künstlern zusammen, die in den frühen zwanziger Jahren bei Léonce Rosenthal in Paris zu sehen waren; viele davon haben Käufer gefunden. „Die Messe hat in diesem Jahr einen Sprung vorwärts getan, was die Klientel und den Buzz angeht“, urteilt James Roundell, einer der Gründer der Galerie.

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