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Kunst und Antiquitäten : Den passenden Tresor zum Kunstwerk

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Eine Kunstschau gibt die Musterschülerin: Erfolgreich pflegt die Fine Art and Antique Fair in Palm Beach den Nachwuchs. Lateinamerika hat sie dabei fest im Blick.

          Henry Flagler, ein in der Getreide-, Salz- und Ölindustrie zu Vermögen gelangter Selfmademan, hat Anfang des vorigen Jahrhunderts den Grundstein für das Paradies der Millionäre in Palm Beach gelegt. Seine 1902 erbaute 55-Zimmer-Winterresidenz mit europäischem Mobiliar und Kunsthandwerk, heute ein Museum, ist der Prototyp für die zahlreichen Villen auf der langgestreckten Insel vor Floridas Küste. Wie seinerzeit Henry Flagler beauftragen die Saisonbewohner auch heute noch ihre New Yorker Interior Designer mit der Ausstattung der Häuser. Mit ihrer zwölften Ausgabe zielt die „Palm Beach - America's International Fine Art & Antique Fair“, die sich erst mit der Zeit - vor vier Jahren gab Lorenzo Rudolf der Messe den entscheidenden Impuls - zu einer international beachteten Veranstaltung entwickelt hat, über die Ansprüche ihres Stammpublikums hinaus auf die internationale und vor allem lateinamerikanische Kundschaft.

          Michael Mezzatesta, der Leiter der Messe, möchte die beiden amerikanischen Kontinente in Florida zusammenführen, wo eine große, wirtschaftlich bedeutende lateinamerikanische Bevölkerung lebt. Mit neunzig Teilnehmern aus dreizehn Ländern, davon vierzig aus den Vereinigten Staaten und zwanzig aus Großbritannien, sowie einer rigorosen Selektion strebt die Palm Beach Fair danach, wie Maastricht eine international unumgängliche Messe zu werden - die jüngst ihr und der Tefaf vom Art Newspaper erteilte Auszeichnung als Fünf-Sterne-Messe gießt willkommenes Wasser auf ihre Mühlen.

          Ohne Nachwuchssorgen

          Einige der namhaften Großkaliber des alten Kontinents wie Konrad O. Bernheimer, Bernard Steinitz oder die Belgier De Jonckheere und Axel Vervoordt sind diesmal zwar ferngeblieben, aber das Nachrücken einer jüngeren Händlergeneration sorgt in Palm Beach für Auflockerung eines vorwiegend klassischen Angebots mit überraschend extravaganten Einsprengseln. Während man in Maastricht oder Paris museale Spitzenstücke inszeniert, versuchen viele Händler in Palm Beach, mit mehr oder weniger Glück ein möglichst breites Spektrum abzudecken, wobei der Dekorationswert der einzelnen Objekte nicht zu vernachlässigen ist, ebenso wie der Sinn fürs Praktische: Um die erworbenen Kostbarkeiten sicher zu lagern, bietet die Firma „Traum Safe“ auf der Messe den passenden Tresor - sogar in Rosa.

          Spezialisierte Kunstliebhaber machen sich rar, die eklektische Stil- und Epochenmischung ist das Gebot der Stunde: Die New Yorker und Londoner Galerie Goedhuis Contemporary vereint beispielsweise Ostasiatika, wie einen hölzernen Reliquienschrein in Form eines Hauses der Ming-Dynastie (um 125.000 Dollar), mit einer farbigen Tuschezeichnung der Chinesin Yang Yanping, „Autumn Rhythm“ von 2006, für 75.000 Dollar. Antiker Stoff wie ein bedrucktes indisches Baumwolltuch des 18. Jahrhunderts (20.000 Dollar) und zeitgenössische japanische Korbflechtereien - die hauchzart geflochtene „White Wave“ von Yamaguchi Ryuun beispielsweise kostet 8500 Dollar - führen bei der Tai Gallery aus Santa Fe ein Zwiegespräch. Joakim von Ditmar (Stockholm und New York) kombiniert einen mehrfarbigen Lüster von Gio Ponti aus Muranoglas, ein Einzelstück von 1945 (57.000 Dollar), mit einem venezianischen Gondelstuhl von 1750 für 16.000 Euro; das Sitzmöbel mit silberbestickter Polsterung hat als Gebrauchsgegenstand ausgedient und ist von nun an eine reine Skulptur.

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