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Kunst-Messe München : Feines Stelldichein

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Die Traditionsmesse in Riem ist endgültig Geschiche. In diesem Jahr haben die drei Nachfolgerinnen sogar ihre Termine abgestimmt. Den Anfang macht die Kunst-Messe München im Postpalast.

          Zwei Kunstmessen finden in München in diesem Monat statt – und damit scheint ein Modus vivendi gefunden und die Zankerei um Veranstaltungsorte, um Titel und Teilnehmer, die den Zerfall der großen Münchner Traditionsmesse begleitete, endlich beendet. Von heute an empfängt deren offizielle Nachfolgerin als 55. „Kunst-Messe München“ ihre Gäste im Postpalast; in der nächsten Woche feiert die neue Messe „Highlights“ ihre Premiere im Haus der Kunst. Dann wird sich zeigen, ob den Besuchern zwei überschaubare Schauen nicht sogar angenehmer sind als die MammutMesse von einst. Vielleicht bleibt auch noch Lust auf die Dritte im Bunde: „Kunst & Antiquitäten“ am Nockherberg öffnet gleichfalls noch in diesem Monat.

          Die Kunst-Messe im Postpalast schmücken der klare Rahmen des denkmalgeschützten Rundbaus aus den zwanziger Jahren und jede Menge rote Rosen. 44 Aussteller tragen zum Angebot bei, das die gefragte Mischung vom antiken Idol bis zum modernen Bild gewährleistet und eine Menge Entdeckungen bietet. Albrecht Neuhaus zeigt Giambolognas sitzende Bronzestatuette der „Architettura“, einen um 1570/72 aus Einzelteilen gefügten Probeguss der Werkstatt, der trotz einiger Fehlstellen die Klasse der feinen, locker das Bein unterschlagenden Frauengestalt bewahrt; das kleine Meisterwerk des Manierismus kostet 48.000 Euro.

          Bei Elfriede Langeloh sollte man das „Holländische Dorf“ aus acht Meissener Porzellanhäusern nicht verpassen, das Kaendler für den Grafen Brühl schuf: Das „Stadtpalais“ im Zentrum formte er nach einem heute zerstörten Bau des Architekten Pöppelmann in der Dresdner Judengasse (350.000 Euro). Eine Trouvaille hängt bei Viebahn: Ein deutscher Rokokospiegel in unangetastetem Zustand, dessen Schnitzwerk mit Palme und traubenpickendem Kranich auf Ausstattungselemente der Schlösser des Alten Fritz in Potsdam und Breslau hinweisen soll (75.000 Euro).

          Bestens ist die Möbelkunst aufgestellt, eine evidente Stärke dieser Messe. Da gibt es so schöne Ameublements wie bei Christian Eduard Franke, der auch Silbernes präsentiert wie eine große barocke, teilvergoldete Schauplatte aus Augsburg mit blumenumkränzter Schäferszene im Fond. Römische Skulpturen der Göttinnen Diana und Flora – es handelt sich um Abgüsse aus der Werkstatt des Louvre – bewachen am Stand von Eric Meletta ein rundes Marmortischchen mit eingelegtem Motiv des napoleonischen Ordens der Légion d’honneur.

          Eine Ikone aus Nordrussland

          Als Clou zieht Meletta ein altes Foto hervor, die diesen oder einen gleichen Guéridon in Schloss Malmaison zeigt (46.000 Euro). Ein Rarum stellt Georg Britschs bezaubernde Münchner Kommode des frühen Biedermeier dar; ihr Früchtekorb- und Rankenschmuck besteht aus feinen Messing- und Holzeinlagen samt Malerei mit spitzem Pinsel (36.000). In der kleinen Fraktion internationaler Kunst- und Antiquitätenhändler setzt Kovacek aus Wien heimische Duftmarken mit Schiele-Zeichnungen, dazu gibt es Jugendstil-Glas.

          Zu den bemerkenswertesten Gemälden zählt eine ungewöhnlich große Ikone bei Brenske: Für die um 1700 in Nordrussland gemalte, aber mittelalterlich-italienische Stilmerkmale reflektierende Gottesmutter Sedmierzernaja gilt ein Preis von 100.000 Euro. Näher am Heute operieren die Galerien für Kunst der Klassischen Moderne. Bei Schwarzer aus Düsseldorf etwa prangt ein Relief von Hans Arp; sieben Formen auf Weiß zeigt es und erfordert, nicht zuletzt wegen seiner Beyeler-Provenienz, 390.000 Euro.

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