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Hamburg Fine Art Fair : Charme der Ballerinas

  • -Aktualisiert am

Die Hamburg Fine Art Fair, schon im vergangenen Jahr von kosmopolitischem Flair umweht, schmückt sich mit neuen Lorbeeren. Design und Fotografie gehören dieses Jahr neben den traditionellen Beständen erstmals zum Messeprogramm.

          In den vergangenen Jahren hatte die Fine Art Fair schon mehr als einen Hauch Maastricht nach Hamburg geweht, was Qualität und Ambiente im Museum für Kunst und Gewerbe angeht. Auf diesen Lorbeeren will man sich aber nicht ausruhen: Auf der diesjährigen Messe vom 27. bis 30. September kommen nun, in Kooperation mit dem Museum, Design und Fotografie hinzu, die sicher die jüngeren Sammler zum Besuch motivieren könnten. Eine der renommierten Adressen für Design ist die Kölner Galerie Ulrich Fiedler, die in Hamburg Designobjekte des frühen 20. Jahrhunderts zeigt.

          Ulrich Fiedler hat bereits Objekte an das Pariser Musée d'Orsay, das Victoria & Albert Museum in London und das New Yorker Metropolitan Museum verkauft und Hollywood-Schauspieler Brad Pitt mit Stücken versorgt. Klassische Fotografie des frühen 20. Jahrhunderts zeigt die langjährige Hamburger Sammlerin Flo Peters, die seit diesem Jahr mit ihrer Galerie im Chilehaus präsent ist. Sie bietet Werke wichtiger Fotografen wie Alfred Eisenstaedt an, dessen charmante „Four Ballerinas“ für 10.000 Euro zu haben sind. Mit Sinn für reizvolle Kontraste wirbt die junge Galeristin Blanca Bernheimer vom Traditionshaus Bernheimer Fine Old Masters aus München mit früher Modefotografie im Spannungsfeld mit exquisiten Altmeister-Gemälden, darunter „Une dame à sa toilette“ von François Boucher.

          Die Abenteuer des Ritters

          Das klassische Messeprogramm in Spitzenqualität ist auch beim erstmals teilnehmenden Hamburger Antiquariat Günther zu finden: Neben dem mit 1,2 Millionen Euro bezifferten Reisebericht des Christopher Columbus mit sechs Holzschnitten hält er das teuerste Buch der Messe bereit, nämlich die um 1420/30 entstandene reich illustrierte Handschrift mit den Abenteuern des Ritters „Wigalois“. Entstanden im elsässischen Werkstattumkreis des Diebold Lauber, wurde das 27 mal 20 Zentimeter messende Buch zunächst im Kloster Weingarten, später in der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek Donaueschingen aufbewahrt und kommt jetzt aus einer amerikanischen Privatsammlung. Verfasst wurde das Epos aus mittelhochdeutschen Versen vom fränkischen Ritter Wirnt von Grafenberg und erzählt die alte Geschichte von der Suche nach dem Vater und vom Kampf um die Hand der Angebeteten Larie. Illustriert sind diese und andere ritterliche Begebenheiten mit 31 farbigen Federzeichnungen und künden von den Tugenden der edlen Herren - das sollte dem neuen Besitzer stolze 1,5 Millionen Euro wert sein.

          Eine Augenweide unter den Antiken ist die von Gordian Weber mitgebrachte Statuette einer römischen Venus aus Marmor, die nach einem griechischen Vorbild des Praxiteles gearbeitet wurde (350.000 Euro). Ganz in der Tradition des weithin gerühmten Kupferstichkabinetts der Hamburger Kunsthalle sehen sich die Hamburger Händler von Papierarbeiten, darunter der weltweit handelnde Thomas le Claire. Martin Moeller bringt eine jüngst entdeckte Ölskizze von Menzel mit; Thole Rothermunds Spitzenlos ist eine eindrucksvolle Max-Beckmann-Zeichnung. Fast in letzter Minute meldete Salis & Vertes, Salzburg, die zwei aufregendsten Gemälde der Schau an: Picassos 97 mal 65,7 Zentimeter messende „Buste d'homme à la pipe“ von 1969, die seit dem Entstehungsjahr in französischem Privatbesitz war und nun 4,5 Millionen Euro kostet, und Chagalls Leinwand „L'Ane vert“ von 1978 (73 mal 60 Zentimeter) aus einer amerikanischen Sammlung für 1,9 Millionen.

          Ein reizvoll unberührter Roentgen-Sessel

          Zu guter Letzt meldet Frank Möller aus Hamburg einen soeben entdeckten extrem seltenen mechanischen Drehsessel aus der Manufaktur von David Roentgen an, in der Literatur unbekannt, wie auch sonst weltweit keiner der raren Roentgen-Sitzmöbel in einer Sammlung erhalten ist. Dieses reich mit Bronzebeschlägen verzierte Mahagonistück lässt sich bis ins Jahr 1787 zurückverfolgen, als die Landgräfin Philippine von Hessen Kassel, geborene Prinzessin von Preußen, ein Konvolut Roentgenmöbel erstand. Durch Erbschaft geriet der Stuhl in die Familie des Grafen von Wintzigerode, ging auf dem mitteldeutschen Familienstammsitz in den Wirren der Nachkriegsjahre verloren und wurde erst jetzt von der Familie wiederentdeckt - in reizvoll unberührtem Zustand soll er 360.000 Euro kosten.

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