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Gegenwartskunst in Wien : Der Osten gehört nicht nur Russland

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Die Viennafair, Wiens Messe für Gegenwartskunst, besinnt sich wieder auf sich selbst - und setzt jetzt auf Rumänien. Die Höhepunkte des Rundgangs.

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          Eine Million Euro jährlich für Kunstankäufe: Mit diesem Versprechen machten sich 2012 die neuen russischen Eigentümer der Viennafair, Sergey Skaterschikov und Dmitry Aksenov, beliebt (F.A.Z. vom 22. September 2012). Tatsächlich kaufte damals eine Jury für die „Art Vectors Investment Partnership“ für 600000 Euro achtzig Arbeiten ein, aber diese Sammlung war - so sieht es zumindest derzeit aus - ein so kurzfristiges Engagement wie das von Skaterschikov selbst. Im Mai verkaufte er seine Messebeteiligung an Aksenov, der nun siebzig Prozent an der Viennafair hält. Der Moskauer Immobilienunternehmer möchte aber auch die begonnene Sammlung in seinen Besitz bringen und beizeiten fortführen.

          Die Erwartungen an den Art Vectors-Kunstfonds sowie an eine kaufkräftige Ostklientel verliehen der Viennafair im Vorjahr viel Spannung. Die neunte, wieder von Vita Zaman und Christine Steinbrecher-Pfandt kuratierte Ausgabe wirkt abgeklärter. Spitzengalerien wie Ropac oder Buchmann blieben fern, und bei manchem heimischen Stand beschleicht einen der Verdacht, dass die beste Ware für die Londoner Frieze nächste Woche aufgespart wurde. In Bezug auf ihr Alleinstellungsmerkmal ost- und südosteuropäische Kunst bleibt die Viennafair aber ein einzigartiger Ort für Entdeckungen und Kontakte. In diesem Jahr punktet besonders der Länderschwerpunkt Rumänien. Am Stand der Bukarester Newcomerin Anca Poterasu ziehen die magischen Gemälde von Zoltan Bela an, etwa „Imponderability“ mit einer schwebenden Bahre (10000 Euro). Die Videokünstlerin Irina Botea, die Rumänien gerade auf der Biennale von Venedig vertritt, führt mit „Out of the Bear“ in die noble Jagdresidenz Ceauşescus (6000 Euro).

          Die Oligarchen blieben aus

          In Cluj haben 2009 Künstler das Kulturzentrum „Fabrica de Pensule“ gegründet. Mittlerweile werken in der ehemaligen Pinselfabrik auch Galerien wie Baril, die jetzt Performancefotos samt Kugelskulptur von Sorin Neamtu (6000 Euro) und geometrische Malereien von Maxim Liulca zeigt (9000 Euro). Die in der Clujer Fabrik und in Berlin ansässige Galerie Plan B bietet ein Solo des Konzeptkünstlers Dan Mihaltianu, und die Ivan Gallery führt Papierarbeiten der spät wiederentdeckten, heute siebenundachtzig Jahre alten Geta Bratescu im Programm. Bei Jecza aus Temeschwar machen Fotos der Land Art der Sigma Group von 1976 neugierig sowie die Abstraktionen von Genti Korini.

          Im Vorjahr sprach die Messeleitung ständig von Investment, aber die erhofften Privatjets der Oligarchen blieben aus. Viennafair-Chef Aksenov soll sich jetzt intensiv um die in Wien lebenden Russen und Gäste aus seiner Heimat bemühen. Für die russischen Sammler stehen eine eigene VIP-Lounge und Führungen in ihrer Sprache bereit. Bei der Preview war von den erhofften Kunden wenig zu spüren. Dafür beteiligen sich 2013 so viele russische Galerien wie noch nie an der Viennafair. Die Qualität bei den elf Ständen lässt jedoch zu wünschen übrig. Der interessanteste Stand stammt von der langgedienten Moskauer Galerie Regina. Das Künstlerduo Elikuka verkauft dort Malerei am Laufmeter wie Tapeten: „Cash Only“ prangt über den mit 200 und 400 Euro ausgepreisten Regenbogen- und Tigermusterbahnen. Egor Koshelev parodiert in seinen surrealen Gemälden die Arbeiterhelden des sozialistischen Realismus. Bei Glaz Gallery kann man mit vor Glasnost entstandenen Schwarzweißaufnahmen von Alexander Abaza und Dmitry Baltermants ins Ornament der Masse eintauchen, während Tim Parchikov auf Fotos russische Zeitungen in den Händen der Leser verbrennen lässt.

          Die polnischen Galerien treten in Wien traditionell stark auf. Neuzugänge stellen die Galerie Stereo aus Posen dar, die eine minimalistische Soundinstallation von Wojciech Bakowski mitgebracht hat. Die Warschauer Galerie BWA führt ein Glitterbild des gefragten Adam Adach (10.000 Euro) im Programm. Daneben hängt ein emblematisches Metallobjekt der aufstrebenden Künstlergruppe Little Warswa, die ironischerweise aus Ungarn stammt. Die auf polnische Fotokunst spezialisierte Galerie Czulosc gewann dieses Jahr den Preis für den besten Newcomer-Stand.

          Bereits zum dritten Mal heimste Hubert Winter einen Preis für seine Koje ein. Er widmet den abstrakten Grafitarbeiten des wenig ausgestellten Künstlers Franz Vana eine Einzelpräsentation, dem mit Blättern aus den späten achtziger Jahren nun vielleicht ein Comeback gelingt. Gabriele Senn überzeugt mit den hintersinnigen Möbelskulpturen von Kerstin von Gabin, und den Stand von Krobath dominieren Esther Stockers neue Papierskulpturen, die wie zerknüllte Rastergemälde aussehen.

          Den Blickfang bei Meyer Kainer bilden Mini-Environments in Plexiglasboxen des im Vorjahr verstorbenen Franz West, aber auch die erfolgreiche Künstlerin Verena Dengler, Jahrgang 1981, ist mit der humorvollen Arbeit „Wiener Geflecht“ vertreten. Kargl bringt eine der neuen collagierten Landschaften von Gabi Trinkaus mit, in denen erst auf den zweiten Blick erkennbare Gewaltpotentiale versteckt sind. Die Galerie Hilger zeigt hochpreisige Street Art von Künstlern wie Faile oder Shepard Fairey und bietet darüber hinaus mit den ans Barock angelehnten Zeichnungen und Animationsfilmen des US-Künstlers Andrew M. Mezvinsky ein schönes Solo.

          Wer etablierte Künstlernamen bevorzugt, der wird bei Thoman fündig, etwa mit der schalenförmigen Franz-West-Skulptur um 85000 Euro oder bei Schwarzwälder, die neue Gemälde von Katharina Grosse um 60000 Euro zeigt. Falls noch eine Führung mit Moskauer Millionären stattfindet, dann ist der Stand der Berliner Galerie Michael Schultze ein Muss: Dort gibt es Martin Kippenbergers Triptychon „Gruga Bad“ von 1982 um 1,2 Millionen Euro und - als teuerstes Werk der Messe - eine gleichzeitig entstandene Abstraktion von Gerhard Richter für 8,5 Millionen Euro zu kaufen.

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