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Galerie Thannhauser : Die Kundenkartei der Galerien Thannhauser: Aus dem Zentralarchiv 32

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Die Galerie Thannhauser gehörte zu den führenden Europas, und über ihre prominenten Kunden führte sie genau Buch. Zwölf Kästen mit den Daten von mehr als 3000 Kunden sind erhalten. Vemerkt sind dort Besuchsdaten, Interessen, Bonität und noch erstaunlich viel mehr.

          Nur wenige Meter mußte der neue Kunde von seinem Domizil, dem Berliner Hotel Esplanade, an einem Augusttag 1928 zurücklegen, um die Galerie Thannhauser in der Bellevuestraße 13 zu besuchen. Die Galerie war erst im Jahr zuvor als Dependance der Münchener Galerie Thannhauser eröffnet worden, die auch noch ein Geschäft in Luzern besaß, das von Justin Thannhausers Cousin Siegfried Rosengart geleitet wurde.

          Vor dem Einzug in die Bellevuestraße hatte Thannhauser seine Berliner Eröffnung mit zwei von Julius Meier-Graefe gefeierten „Sonderausstellungen“ im Künstlerhaus in der Bellevuestraße 3, direkt gegenüber dem Esplanade, vorbereitet. Seit ihrer Erstausstellung des Blauen Reiters von 1911/12 und ihrer bahnbrechenden Picasso-Schau von 1913 - der bis dahin weltweit größten Ausstellung mit Werken von der blauen Periode bis zu den eben fertiggestellten Arbeiten -, zählte die Galerie zu den führenden Europas, und prominent waren ihre Kunden, über die man genau Buch führte.

          Die Kundenkartei gehört zu den wertvollsten Teilen des Archivs der Galerien Thannhauser, das die Berner Silva-Casa-Stiftung, vertreten durch Stiftungsrätin Janet Briner, im vorigen Jahr dem Zentralarchiv übergab. Zwölf Kästen mit den Daten von mehr als 3000 Kunden sind erhalten. Zu jedem Namen gibt es einen Umschlag, der meist mit Schreibmaschine ausgefüllte Formblätter und Notizblätter aus Durchschlagpapier enthält. Hier waren die Besuchsdaten vermerkt, die Kunstwerke, für die sich die Kunden interessierten oder für die sie interessiert werden sollten, und die den Besuchern genannten Preise, reduziert um die Tausender-Nullen. Die Blätter waren abzuzeichnen von dem Berliner Mitarbeiter Römer (mit dem Kürzel Roe), von Justin Thannhauser (J. Th.) und Siegfried Rosengart (Rgt.), um sicherzustellen, daß alle informiert waren. Außerdem notierte man die Interessen der Kunden, ihr Kaufverhalten, ihre Bonität, ihre privaten Verhältnisse, ihre Beziehungen zu anderen Händlern. Man dokumentierte Gespräche und Verhandlungen und noch erstaunlich viel mehr, wie am hier gezeigten Beispiel zu sehen.

          Name und Sitz des Kunden mißverstanden

          Als der neue Kunde, Baron Heinrich Thyssen-Bornemisza, im August 1928 zum ersten Mal die Galerie besuchte, hatte man seinen Namen und den Sitz seiner Sammlung auf dem burgenländischen Schloß Rohoncz nicht richtig verstanden, und auch die Korrekturen waren nicht korrekt. Um mehr über den neuen Kunden zu erfahren, wandte man sich an Baron Eduard von der Heydt, der als Bankier in Berlin und Amsterdam tätig war, wo er auch die Interessen des letzten deutschen Kaisers im Exil vertrat. In Ascona, wo ihn die Anfrage erreichte, hatte sich der Bankier 1926 für 160.000 Franken den Monte Verita gekauft.

          Von der Heydt war einer der damals wenigen Sammler moderner Kunst, und sein Bankhaus war eines der ersten, die für ihre Kundschaft zur Aufbewahrung von Kunst spezielle Tresore bereitstellten. Obwohl in der Thannhauser-Kundenkartei nicht (mehr?) präsent, wird von der Heydt doch auch bei Thannhauser gekauft haben, auf jeden Fall zählte er zum engeren Kreis des Berliner Galeristen Paul Cassirer. Von der Heydt also gab „die hervorragendste Auskunft, die man sich je für einen Kunden wünschen kann“, wies jedoch darauf hin, daß Thyssens „Geschmack mehr auf Aelteres gerichtet sei“.

          Das war für Thannhauser kein Problem; denn auch „Aelteres“ verkaufte die Galerie, oft als Kommissions- und Tauschware. So zeigte man dem Baron einen Leibl in Kommission, einen Menzel zu 32, den er zu 29 erhielt, ohne Erfolg einen Hals zu 65, einen Thoma zu 45, und man wagte auch einen Manet zu 48 und einen Renoir zu 95. Einen Rogier van der Weyden kaufte Thyssen auch von Thannhauser, allerdings ohne es zu wissen, denn das Geschäft wickelte diskret ein anderer Händler in dessen Auftrag ab.

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