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FAZ.NET-Spezial: Art Forum Berlin : Jetzt ist alles drin

  • -Aktualisiert am

Am Neubeginn setzt sich das Art Forum in Berlin kraftvoll in Szene mit seinem Teilnehmerfeld. Nur an der ersehnten Internationalität mangelt es noch.

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          Ein ganz neues und doch bekanntes Gesicht zeigt das erste Art Forum in Berlin unter der Direktion von Peter Vetsch und Eva-Maria Häusler. Die großen lokalen Galeristen wie Hetzler oder Klosterfelde feiern ihre Wiedervereinigung mit der Messe ausgelassen und routiniert. Sie hatten seit vielen Jahren die Veranstaltung gemieden, meinten, dort nicht ihr Publikum zu finden. Nun wurden sie von den Plänen des neuen Führungsduos angelockt.

          Die Berliner Galerien und die Stadt stehen endlich geschlossen hinter dieser Veranstaltung: allen voran der Bürgermeister Klaus Wowereit, der höchstpersönlich über die Messe führte. Gold wert, das ist zu spüren, ist die Rückkehr der Veranstaltung zum traditionellen Termin: Im vergangenen Jahr fand das Art Forum Anfang November statt, nach der Pariser Fiac und der Londoner Frieze Art Fair. Der Beginn der Herbstsaison ist jetzt noch jung, die Galeristen sind noch optimistisch, dass die wirtschaftliche Lage nach mageren Monaten wieder besser wird.

          Repräsentanten des Neuanfangs

          Allerdings zeugt einzig die abgedunkelte Koje der Berliner Tim Neuger/Burkhard Riemschneider von Experimentierfreude: Simon Starling hat dort Lampen des dänischen Designers Poul Henningsen aus dem Jahr 1941 aufgehängt, die dieser für den Vergnügungspark Tivoli in Kopenhagen entworfen hatte. Die anderen Rückkehrer arbeiten ihr Programm eher solide ab. Max Hetzler zeigt eine Einzelschau von Arturo Herrera, darunter die Wandinstallation „Walk“ für 51.000 Euro (Auflage 1/3 + 1) oder die Collage „S“ für 21.000 Euro. Klosterfelde füllt eine seiner Wände mit Nader Ahrimans fünf Meter breitem Acrylgemälde „Der Hirte betrachtet die Gestalt des Bewusstseins auf dem Plateau G“ für 44.000 Euro.

          Zwei etablierte deutsche Galerien stehen als Repräsentanten des Neuanfangs in der ersten Reihe: Die Begrüßungsplätze in den beiden Hallen nehmen Bärbel Grässlin aus Frankfurt in Halle 18 und gegenüber Max Hetzler in Halle 20 ein. Bei Grässlin, die sich einen Stand mit der Galerie Ehrhardt aus Madrid teilt, dominiert der Hauskünstler Tobias Rehberger (Preise von 9000 bis 90.000 Euro). Bärbel Grässlin gehört jetzt dem Beirat der Messe an.

          Neben der Frankfurterin haben José Freire von der Team Gallery aus New York, Nicky Verber von Herald St aus London, Mehdi Chouakri aus Berlin, Georg Kargl aus Wien und Paolo Zani von Zero aus Mailand dieses Art Forum mit Galerien bestückt. Fünfstellige Preise sind üblich in den überschaubaren 102 Galerien im Hauptparcours; dreißig junge Galerien haben sich im Bereich „Focus“ versammelt.

          Ein monumentaler Che Guevara

          Bei der Galerie nächst St. Stephan aus Wien in Halle 20 steht eine Dosen-Skulptur mit Winter-Motiv von Manfred Pernice aus dem Jahr 1997 (16.000 Euro). Die Einzelschau des Neu-Berliners Achim Moeller ist dem Isländer Gunnar Örn gewidmet (Zeichnungen für 12.000 Euro, Gemälde für bis zu 78.000 Euro). Bei Krinzinger aus Wien hängt Che Guevara als 2,5 Meter hoher schwarzer Siebdruck - von Gavin Turk erdacht und für 39.500 Euro zu haben. Carlier/Gebauer hoffen auf Erfolg mit Amy Sillmans Gemälde „Hinterhaus“, und sehenswert ist dort auch das düster-verspielte Werk des polnischen Künstlers Tomasz Kowalski, Jahrgang 1984: Seine kleine Maschine hat keinen Titel, ein Gefüge aus Rollen, Seilen, Winden und Gestellen (6000 Euro).

          Hans Mayer aus Düsseldorf zeigt sein bewährtes Programm: monumentale Zeichnungen von Robert Longo (72.000 Euro) und eine zweiteilige Nagelarbeit von Günther Uecker aus dem Jahr 1977 (420.000 Euro), die sich über mehr als 3,5 Meter die Wand entlangzieht. Ihr Titel „Hommage für ein unbekanntes Kammerkonzert an einen unbekannten Komponisten“ klingt im Motiv merklich nach. Barbara Weiss hat ein feines Mosaik aus Papp-Wandarbeiten von Thomas Bayrle zusammengestellt: das „Reizarme Spielzeug“ (15.000 Euro) von 1997 und ein „Chinesisches Zeichen für Erde“ aus dem Jahr 2005 (15.000 Euro).

          Eine Zusage in letzter Minute

          Am Kopf der Halle 20 residiert Medhi Chouakri, der seinen Stand erstmals keinem Konzept unterworfen hat. An der Außenwand prunkt John Armleders Leinwand „Alicudi“ von 2008 (88.000 Euro), dann öffnet sich ein Reigen der Hauskünstler: Hans-Peter Feldmann hat in eine Marmorplatte „Ich“ graviert (88.000 Euro), Sylvie Fleurys Kunstfell von 1998 schmückt eine Wand (10.000 Euro), aus der ihr „First Spaceship on Venus“ von 1995 ragt (35.000 Euro); Gerold Miller bearbeitet seine Alu-Objekte jetzt härter und lässt eine Kupferschicht blitzen (10 500 Euro).

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