https://www.faz.net/-gyz-ygyk

Eine ganze Menge Kunstmessen : New York macht Arbeit

  • -Aktualisiert am

Mit dem Frühling kommen die Kunstmessen nach New York. Armory Show, ADAA, Independent und Konsorten bedienen die Freunde der Zeitgenossen ebenso wie die Besucher mit konservativem Geschmack.

          5 Min.

          Blitzlichtgewitter begleitete den New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, als er auf den Piers 92 und 94 über dem Hudson River die Armory Show einweihte. Sie sei für alle New Yorker „ein weiterer Grund, stolz auf ihre Stadt zu sein“, sagte er, und verwies gleich auf die mehr als 48 Millionen Touristen, die im Jahr 2010 zu Besuch kamen: „60.000 von ihnen haben die Kunstmessen der Armory Week besichtigt“; Bloomberg wählte absichtlich die Mehrzahl.

          Offiziell begrüßt die Armory Show - mit 274 Galerien New Yorks größte Kunstmesse - die wachsende Konkurrenz, indem sie auf ihrer Website unter dem Titel „Armory Arts Week“ die gleichzeitig stattfindenden Messen auflistet: Da gibt es die gediegene Art Show der Art Dealers Association of America (ADAA) im alten Zeughaus der Park Avenue auf der Upper East Side; die Videokunst-Messe Moving Image in einem Tunnel an der 11th Avenue; junge Kunst bei der Volta in Hell's Kitchen; Scope weiter südlich am West Side Highway; Fountain und Pulse in Chelsea; Red Dot in Soho; und, zum ersten Mal, Verge in Brooklyn.

          Die wohl schönste Nebenveranstaltung aber ist die von den Galeristen Elizabeth Dee und Darren Flook organisierte Independent, die, eher Ausstellung als Messe, nun zum zweiten Mal im ehemaligen Dia Center an der 22nd Street stattfindet und, neben anderen, Anton Kern, Klosterfelde und Sprüth Magers beherbergt.

          Dabei gibt es Überschneidungen: Zum Beispiel nehmen die New Yorker Galerie Bortolami und Ben Kaufmann aus Berlin sowohl an der Armory Show als auch an der Independent teil, und Paul Kasmin, der in New York und Istanbul operiert, ist an der Art Show ebenso wie an der Armory Show vertreten. Doch manche bedeutenden New Yorker Galerien, wie David Zwirner und Pace, haben in diesem Jahr auf die Armory Show ganz verzichtet - sie haben beim Publikum für die zeitgenössische Kunst ohnehin ihre starke Präsenz in Chelsea - und beteiligen sich nur noch an der Art Show auf der konservativeren Upper East Side.

          Kettenvorhang mit Frauenbeinen

          Die Armory Show breitet sich über zwei Piers aus, von denen der größere mit rund 200 Galerien der Gegenwartskunst vorbehalten ist, während sich die anderen 75 Galerien unter dem Dach der Moderne versammeln. Eine Sondersektion ist jungen lateinamerikanischen Galerien gewidmet. Hier zeigt Casas Riegner aus Bogotá eine Installation des Kolumbianers Mateo López, Jahrgang 1978: „Project for Paper Palace“ besteht aus geometrisch ausgeschnittenen bunten Papieren, die mit Nadeln, Klammern und Klebeband an der Wand befestigt sind; ein Hocker mit dem Werkzeug, Lineal und Radiergummi, verweist auf den Prozesscharakter der Arbeit (für 17.000 Dollar, reserviert).

          Bei Casa Triangulo aus São Paulo hängt ein Kettenvorhang, auf den comicartig schöne Frauenbeine gedruckt sind, von Assume Vivid Astro Focus (25.000 Dollar). Ebenso viel (16 750 Pfund) kosteten jeweils die Postkartenbilder des Londoner Künstlerduos Gilbert & George bei der New Yorker Galerie Lehman Maupin; gleich zwei Dutzend dieser Arrangements als Unikate verkauften sich am ersten Tag der Messe.

          Künstler schickt Galeristen auf die Bank

          Die Galerie Eigen + Art aus Leipzig und Berlin konzentriert sich ganz auf den Schweizer Künstler Rémy Markowitsch, Jahrgang 1957. Die Installation „Black Swan“ von 2007 vereint zwölf schwarze Lämmer mit traurig schauenden Glasaugen. Ihr Fell stammt von einem einzigen Persianermantel, den der Künstler auseinandergenommen hat - und gewissermaßen restituiert (95.000 Dollar). Markowitschs Schwarzweißbilder aus dem Jahr 2009 wirken wie Collagen, aber sie sind aus einem alten Auktionskatalog abfotografiert, in dem nach Wasserschaden und Schimmelbefall die Seiten verklebt waren und dann beim Blättern auseinandergerissen sind: So erinnern etwa die Reste von Isidor Kaufmanns Porträt eines jüdischen Knaben auch an die noch immer nicht aufgeklärten Verluste jüdischer Kunstsammler unter den Nationalsozialisten (Auflage 3; 22.000 Dollar).

          Weitere Themen

          Kunst am Fuße der Pyramiden Video-Seite öffnen

          Ägypten : Kunst am Fuße der Pyramiden

          Das ägyptische Unternehmen „Art D’Egypte“ eröffnet seine Ausstellung mit dem Titel „Forever Is Now“. Es ist die erste internationale Kunstausstellung, die an den Pyramiden von Gizeh und auf dem umliegenden Gizeh-Plateau stattfindet.

          Topmeldungen

          Grund zur Freude: Franziska Giffey, Olaf Scholz und Manuela Schwesig am Morgen nach dem Wahlsonntag im Willy-Brandt-Haus in Berlin

          Regierungsbildung : Deutschland rückt nach links

          In Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin ist die Linke der bevorzugte Koalitionspartner, im Bundestag sitzen jetzt lauter Jusos. Auch die Grünen-Fraktion ist jünger und linker geworden. Was folgt daraus?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.