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Die Tefaf im Rückblick : Joan Mirós Vogel, Agnes Martins Streifen

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Die schönste aller Kunstmessen, die Tefaf, geht an diesem Wochenende zu Ende und was bleibt? Die Erkenntnis, dass man als Besucher einen guten Orientierungssinn braucht und natürlich die Umsätze der Händler. Was also wurde bisher verkauft?

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          Dem Publikum der Maastrichter European Fine Art Fair - allein am ersten Wochenende kamen auch in diesem Jahr 30.000 Besucher - mutet man Wanderbereitschaft zu: Über verschlungene Wege geht es vom Parkplatz zum Kongresszentrum, durch Pfützen, über Stock und Stein und wackelnde Betonplatten, vorbei an Baustellen, Wohnheimen und Fitnessräumen.

          Wer erst spät aus den heiligen Hallen des Kunsthandels im Dunkeln zum Auto zurückgeht, sollte beim Hinweg einen Faden ausgerollt haben, um die richtige Parkreihe wiederzufinden. Belohnt wird die Mühe freilich: Einmal hineingekommen, umfängt den Besucher die feierliche Atmosphäre der Messe: Die Anreise hat sich gelohnt, wieder einmal. Gilt das auch für die Händler und Galeristen?

          Schon wenige Stunden nach der Eröffnung von Tefaf konnte Landau Fine Art aus Montreal einen Erfolg vermelden: Mirós dreißig Zentimeter hohe Holzskulptur „Oiseau lunaire“ von 1945 ist dort für fünf Millionen Dollar verkauft worden. Auf den surrealen Vogel konnte man nur kurz in Maastricht einen Blick werfen, kam er doch nach fast vierzig Jahren aus einer Privatsammlung auf den Markt - und geht nun auch wieder in eine solche. Wenig Glück dagegen hatte der Mailänder Schmuckspezialist Gianmaria Buccellati: Von seinem Stand wurden am dritten Tag Juwelen gestohlen; die niederländische Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

          Das teuerste Angebot in Maastricht hängt beim New Yorker Kunsthändler Otto Naumann. Für Rembrandts Porträt eines unbekannten Mannes mit der Hand in der Hüfte erhofft er sich 47 Millionen Dollar; das Bild ist noch zu haben. Rembrandts Kollege Jan Lievens malte seine „Tronie eines alten Mannes mit Bart und Barett“ um 1629/31 mit caravaggesken Lichtakzenten. Bob Haboldt aus Paris hat die feine Studie bereits vermitteln können; der Preis hatte auf 3,9 Millionen Euro gelautet. Im Jahr 2004 hatte der Londoner Händler Johnny van Haeften für das Porträt bei Sotheby's umgerechnet 2,47 Millionen Euro bezahlt. Haboldt erwarb es dann im Juli 2010, wieder bei Sotheby's in London, für 2,65 Millionen Euro.

          Begehrte Foto-Selbstporträts

          Bei Rupert Wace aus London sicherte sich das Mougin Museum aus Südfrankreich eine marmorne römische Urne aus dem ersten Jahrhundert nach Christus (für eine Million Euro). Bis zu ihrer Versteigerung bei Christie's im vergangenen Dezember hatten ihre Besitzer sie nichtsahnend als Lampe benutzt; die Kabel sind nun entfernt. Der Berliner Fotospezialist Rudolf Kicken meldet Erfolge mit fünf - gerade mal sechs bis neun Zentimeter großen - Abzügen Man Rays, die zwischen 1929 und 1936 entstanden.

          Es handelt sich dabei unter anderen um ein Selbstporträt Man Rays, außerdem um eines Georges Braques und Kurt Schwitters. Alle zusammen kosteten 125.000 Euro. Für ein kleinformatiges Spätwerk von Agnes Martin erwärmte sich ein amerikanischer Käufer am Gemeinschaftsstand von Anthony Meier aus San Francisco und Paul Schönewald aus Düsseldorf. Das 31 mal 31 Zentimeter messende Werk mit den charakteristischen Streifen von 2001 brachte 550.000 Dollar.

          Gebremste Kauflaune

          Trotz des großen Interesses am Stand von Hopkins und Custot aus London - besonders an Magrittes kleiner Gouache „Ceci n'est pas une pomme“ - äußerte sich der Galerist Stéphane Custot skeptisch, was das Kaufverhalten in Maastricht betrifft: Das Publikum agiere deutlich verhaltener, als er es sich wünsche. Vor allem vom Eröffnungstag hätte er sich mehr Erfolg versprochen. Custot meint, die Schreckensmeldungen aus Japan am selben Tag hätten die Kauflaune deutlich gebremst.

          Noch zu haben ist eines der virtuos ausgeführten Blumenstillleben des Flamen Ambrosius Bosschaert der Ältere. Für die rare kleinformatige Holztafel stellt sich die Galerie Sanct Lucas aus Wien 3,2 Millionen Euro vor. In der Region um Maastricht aber bleibt jedenfalls Jonas Burgerts Gemälde „Blendlauf“ aus diesem Jahr. Die Londoner Galerie Blain Southern konnte die Arbeit des Berliner Künstlers für 200.000 Euro vermitteln.

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