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Die Kunstmesse Highlights in München : Kauft Liebesgötter!

  • -Aktualisiert am

München hat eine neue Messe im Haus der Kunst. „Highlights“ schafft es im ersten Anlauf in die Spitzenklasse. Was Wunder: Viele der Aussteller gehören zum Stamm der „European Fine Art Fair“ in Maastricht.

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          Die Erwartungen waren immens, und doch übertrifft das Ergebnis sie noch; denn ohne Übertreibung lässt sich berichten: „Highlights“, die neue Kunst- und Antiquitätenmesse in München, hat sich aus dem Stand in die Spitze der deutschen Kunstmessen katapultiert. Im Haus der Kunst, am Englischen Garten, hat sie jetzt einen Auftritt, der selbst dieser kunstverwöhnten Stadt Bewunderung abnötigt und Staunen. München ist dem Kunsthandel als Bastion so wichtig, dass kaum ein Händler wegblieb, als die alte, große Kunstmesse zerbröselte.

          Statt einer Veranstaltung gibt es jetzt eben drei. Jede hat ihre besonderen Qualitäten, aber die Highlights schießen den Vogel ab. Vor allem natürlich, weil hier Meistergemälde hängen von Cranach (bei Bernheimer), oder Feuerbach (bei Daxer & Marshall) oder Beckmann (bei Michael Haas), aber auch wegen der sorgfältigen Mixtur von erlesenen Möbeln, Antiken, Silber, Zeichnungen und was sonst zum festen Programm für die Befriedigung hoher Ansprüche gehört. Glänzend gelungen ist auch das Erscheinungsbild in einem schlauen Raumkonzept; der Platz ist knapp, sogar für eine feine kleine Messe.

          Zurzeit steht ihr nur der Westflügel des Gebäudes zur Verfügung, den sich 55 Aussteller teilen, das bedeutet haushalten. Aber hier stehen erfahrene Messefüchse am Ruder, darunter viele Stammteilnehmer von Tefaf in Maastricht, der Grande Dame aller internationalen Schauen: Sie holten Tom Postma, und der gefragte Ausstellungsdesigner, der schon das Erscheinungsbild von Tefaf, Art Basel und Biennale in Venedig bestimmt, verordnete den Highlights unter dem haushohen Glasdach offene lockere Stände, die überall Durchblicke lassen und ihren edlen Look delikaten Farbkombinationen verdanken - Zartlila neben Schilfgrün.

          Das Mischen der Sparten hatte sich bereits für die „Munich Highlights“ bewährt, die führende Münchner Kunsthändler mit befreundeten Kollegen in ihren Geschäftslokalen veranstalteten und die Keimzelle der neuen Messe sind. Im Haus der Kunst bilden weiß- und goldgefasste Holzvertäfelungen den Abschluss des Saals. Die hohen Boiserien stammen aus dem längst abgerissenen Palais Paar in der Wiener Wollzeile, und die Kunsthandlung Steinitz brachte sie aus Paris mit. Öffnet man ihre barocken Türen, tut sich Röbbigs Porzellankabinett auf, das in diesem Jubiläumsjahr frühen Meissener Stücken huldigt.

          Und der kolossale Kronleuchter bei Frank C. Möller, ein formidabler Entwurf Schinkels, der im Berliner Prinz-Karl-Palais hing (1,6 Millionen Euro), sprüht sein fontänenartiges Kristallglitzern auch über Jean-David Cahns antike Marmorleiber nebenan. Zwischen Aphroditen und markanten Häuptern weist eine feingliedrige Bronzehand hinüber zu Florian Sundheimer, wo eine große Zeichnung von Klee, „Haelften, der Clown“ (295.000 Euro) in ihrer streng linearen und abstrahierenden Art mühelos Zwiesprache hält mit den afrikanischen Masken bei Dierking aus Köln.

          Skulpturen sind eine Stärker der Messe

          Im weinroten Gemeinschaftsgelände von Colnaghi, Bernheimer, Bellinger, Blumka und Böhler treffen Isabella von Spanien und Erzherzog Albrecht - porträtiert hat sie um 1616/17 jemand aus Rubens' Werkstatt (1,8 Millionen Euro) - auf gotische Schönheiten im goldenen Haar und eine Reihe erlesener Elfenbeine: Deren Höhepunkt, eine hinreißende, dramatisch bewegte „Entführung der Proserpina“, schnitzte um 1700 der Wiener Matthias Steinl. Bei Skulpturen liegt eine Stärke dieser Messe: Filippo Benappi präsentiert ein bewegend schönes Holzkruzifix von Giuliano da Sangallo; Ralph Gierhards, der im Kundenauftrag ein Privatmuseum für Terrakotta-Plastiken aufbaut, bietet Werke von Pigalle an und die Büste eines niedlichen kleinen Bacchanten, die von Clodion signiert ist (75.000 Euro).

          Bei Plastiken der Klassischen Moderne ist auf Lehmbrucks „Mädchen mit aufgestelltem Bein“ hinzuweisen, das Dietrich Schubert soeben als einen von drei bekannten Lebzeitgüssen absegnete; das Werk wartet am Stand von Daxer & Marschall auf Bewunderer. Und Salis & Vertes stellen zu einem kapitalen Picasso-Gemälde die fast filigrane Maquette eines Pferds mit stürzendem Reiter von Marino Marini (385.000 Euro), dessen Auktionsergebnisse derzeit ein Revival seines Ruhms erkennen lassen.

          Heimkehr ins Haus der Kunst

          Es gibt vieles mehr, das man ansehen sollte - bei Arnoldi-Livie bestimmt die schöne Zeichnung sich heftig kabbelnder Hunde und Katzen, die Jean Baptiste Oudry auf blaues Papier setzte, um eine Fabel von La Fontaine zu illustrieren (28.000 Euro), oder bei Rumbler Blätter von Graphik-Giganten wie Dürer, Goya oder Rembrandt, dessen monumentale, in frühem Zustand vorliegende Kaltnadelradierung „Christus wird dem Volk vorgestellt“ musealen Rang besitzt. Wunderbar ist auch der Stand des Wissenschaftlichen Kabinetts von Simon Weber-Unger mit seinen kunstwürdigen Lehrmodellen zu Planetenbewegungen und Blütengefäßen.

          Für einige ist diese Highlights-Messe im Haus der Kunst eine Art Heimkehr. Vor allem für den Initiator Konrad O. Bernheimer, dessen Großvater 1956 die erste deutsche Kunst- und Antiquitätenmesse mitbegründete. Sie blieb führend, bis sie Ende der achtziger Jahre das Haus der Kunst verlassen musste. Es folgten Jahre der Standortsuche, Kompromisse, Anläufe, schließlich Spaltungen, bevor die Gunst der Stunde und guter Beziehungen der HighlightsGruppe das Haus der Kunst zurückgab: „Und wenn wir zusammenrücken“, so sagt ihr Hauptmann, „bekommen wir noch ein paar Kollegen unter.“

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