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Biennale Internationale des Antiquaires : Sie hat den Stil, den es braucht

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Zwölf Ausstellern ist die Biennale Internationale des Antiquaires zu teuer geworden. Doch ihre Plätze waren rasch wieder vergeben. Nicht zum Schaden für die Messe im Grand Palais, ganz im Gegenteil.

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          Die Pariser „Biennale Internationale des Antiquaires“, die in diesem Jahr ihr 25. Jubiläum feiert, ist Spiegel schlechthin von Lebensart und Stil auf höchstem Niveau. Der geschäftliche Zweck tritt im Licht der grandiosen Kuppel des Grand Palais hinter die elegante Aufmachung zurück. Schönheit hat ihren Preis - die Aufwendung für eine Koje kann schnell bis 300.000 Euro ansteigen. Wie die Liste der Teilnehmer zeigt, wollte ein Dutzend jahrelanger Stammgäste diesen Preis diesmal nicht bezahlen.

          Die Pariser Galerien Bresset, Anne-Sophie Duval oder Ratton-Ladrière bespielen das Beiprogramm in den eigenen Räumen; die Bremer Galerie Neuse veranstaltet zusammen mit der Pariser Galerie Aveline im Zeichen ihrer langen deutsch-französischen Freundschaft eine reich bestückte Ausstellung zur „Exotik in der europäischen Kunst“, und die Brüder Kugel übertreffen sich diesmal selbst mit der Schau „Anticomania“. Hervé Aaron, Vorsitzender des „Syndicat National des Antiquaires“, bedauert zwar, dass manche die „Anstrengung nicht mittragen wollen“, doch der Platz im Grand Palais ist begrenzt.

          Die neue, übersichtlicher gestaltete Anordnung der Kojen hat die Ausstellungsfläche weiter verringert. Zwölf neue Aussteller kamen hinzu - darunter die Galerien Marlborough, Tornabuoni und Franck Laigneau -, doch die Teilnehmerzahl wurde von 95 im Jahr 2008 auf 87 reduziert, achtzig Kunst- und Antiquitätenhändler und sieben Juweliere. Christian Deydier, der noch vor zwei Jahren die Biennale leitete, trumpft mit Üppigkeit „à la française“ auf; Hervé Aaron möchte die Messe vom Markenzeichen des französischen „Savoir-vivre“ lösen und - nach dem Vorbild von Tefaf in Maastricht - die Qualität des Objekts in den Mittelpunkt stellen. So präsentiert sich die Biennale des Antiquaires, das Dorado der Dekorateure und Innenausstatter, diesmal in einem nüchterneren Gewand, zudem von zehn auf sieben Tage verkürzt.

          Wie es sich gehört, beherrschen die StarHändler das zentrale Rondell der Messe. Cheska Vallois plaziert sich mit 35 Objekten von Jean Dunand, von frühen Metallvasen um 1913 bis zur grüngoldenen Lackkommode von 1930, wie stets jenseits aller Konkurrenz. Die Galerie Kraemer hat das Oval Office nachgebildet und mit französischem Mobiliar königlicher und kaiserlicher Herkunft ausgestattet. Marlborough prunkt mit dem monumentalen Bacon-Triptychon, „Three Studies of the Human Body“ von 1970 und angeblich das „letzte auf dem Markt“ - und gibt ebenso wenig über Preise Auskunft wie die beiden Kollegen.

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          Bei De Jonckheere ist man in der Regel nicht so zugeknöpft, doch für die herrliche „Belagerung von Thérouanne durch die von Karl V. geführte Armee“ des Niederländers Herri met de Bles verschweigt man den Preis, da sich schon Interessenten gemeldet haben. Axel Vervoordt, der Antwerpener Guru des Cross-over von Stil und Epoche, untermalt sein von fernöstlicher Philosophie inspiriertes Ambiente akustisch mit einem „Musicale“ von Takis aus dem Jahr 1972 (Leinwand, Draht, Magnet und Lautsprecher; 150.000 Euro). Konrad O. Bernheimer, diesmal der einzige Aussteller aus Deutschland, zeigt erstmals eine großangelegte „Karnevalsszene in Venedig“ von Antonio Boldini und Werkstatt, mit der Signatur seines später viel berühmteren Sohns Giovanni: Möglicherweise ist sie dessen Meisterstück (750.000 Euro).

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