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Basler „Liste“ 2013 : Kunstmesse mit Wellnessprogramm

  • -Aktualisiert am

Fußbad inklusive: Die Basler „Liste“ ist volljährig. Das junge Publikum bleibt ihr treu und kommt scharenweise in die ehemalige Brauerei in der Burgstraße.

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          Sie gilt als Entdeckermesse und vielen als die beste Nebenmesse in Basel. Jetzt findet die Liste zum achtzehnten Mal statt, ist also gewissermaßen mündig und kürzte gleich konsequent das „Young“ aus ihrem Namen, der nun auf „Liste - Art Fair Basel“ lautet. Auch ohne selbst noch ein Frischling zu sein, repräsentiert die Liste mit ihrer Kunst, ihren Ausstellern und dem Erscheinungsbild aber unverändert einen deutlich jüngeren Altersschnitt als die Hauptmesse. Von dort kommt das Publikum scharenweise herüber in die Burgstraße, um auf den labyrinthischen Wegen durch die ehemalige Brauerei vielversprechende Talente aufzuspüren.

          So atmosphärisch die Location, so knapp der Platz für 66 Galerien, die die Jury in diesem Jahr unter mehr als dreihundert Bewerbungen wählte, darunter acht Erstteilnehmer. Jeder kleine Winkel wird genutzt, nicht ganz einfach für Künstler, die gewohnt, sind raumgreifende Installationen zu präsentieren, wie zum Beispiel Zhao Zhao, dessen zerschossene Spiegel einen im Treppenhaus empfangen. Objekte und Performance-Relikte des jungen Chinesen, der lange mit Ai Weiwei arbeitete, verkaufte die in Peking und Hongkong aktive Galerie Platform China zu Preisen von 15.000 Dollar an gleich in den ersten Tagen. Sofort vermittelte auch Labor aus Mexiko City Antonio Vega Macotelas „Transmutation of Ashes“, eine Schwadron glänzender Militärstiefel, geformt aus der Asche verbrannter Zivilkleidung von Soldaten.

          Viele Galerien entschieden sich für Soloschauen. Limoncello aus London zeigt Yonatan Vinitsky mit Wandarbeiten aus elastischen Bändern, die, um Nägel gezogen, Formen bilden und, ebenso auf Fred Sandbacks Fadenskulpturen wie auf Punkt-zu-Punkt-Malvorlagen für Kinder anspielend, an den Rändern klassischer Kunstmedien weiter experimentieren (1800 bis 3000 Pfund). Schiere Malerei wie Claudio Vernas „Colori agili“ bei Monitor aus Rom ist auf der Liste fast eine Randerscheinung.

          Häufiger trifft man auf Skulptur, etwa bei Kendall Koppe aus Glasgow: Niall Macdonalds schneeweiße, haargenaue Nachbildungen von Alltagsdingen, Naturobjekten und Artefakten versunkener Kulturen kombiniert der Künstler erkenntnisfördernd (um 5000 Pfund). Derselbe Stand zeigt Corin Sworn, Vertreterin Schottlands auf der aktuellen Venedig-Biennale. Ihre Arbeiten beschäftigen sich mit den Auswirkung der sich verändernden Wahrnehmung. Bei Marcelle Alix aus Paris hängen Schwarzweißaufnahmen fast prähistorisch wirkender Tierfiguren. Aurélien Froment fotografierte sie im berühmten kuriosen „Palais idéal“ des Briefträgers Ferdinand Cheval. Tatsächlich stellen diese Bilder (von 3800 Euro an) nur eine winzige Facette aus Froments Œuvre, das ihm die Einladung von Biennale-Leiter Massimiliano Gioni in den „Enzyklopädischen Palast“ einbrachte.

          Den Ruf der Liste als Karrieresprungbrett bestätigt der Kunstpreis der Versicherung National Suisse für Akademiediplomanden, deren Gewinn mit einer Schau auf der Messe verbunden ist. Die Preisträger Michael Meier & Christoph Franz haben die Geschichte der alten Brauerei zum Gegenstand ihrer Arbeit gemacht. In den Raum, wo früher die Malzrückstände gelagert wurden, schafften sie Treber aus der heutigen Produktionsstätte der Biermarke und bieten ihn, mit Wasser in einer Kupferwanne erwärmt, als Fußbad an. Nun gehören Bierbäder oft ins Spa-Programm. Doch was es mit der Nähe von Kunst und Wellness auf sich hat, darf jeder messegestresste Kunstfreund in aller Ruhe bei einem Fußbad überdenken. Das Künstlerduo jedenfalls sieht eine Verbindung zur Kunst in der anregenden Wirkung und einem Rückzug ins luxuriöse Private.

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