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Art Rotterdam : Die Distanz zwischen Liebenden

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Zum zwölften Mal lockt die Art Rotterdam ein junges Publikum in das gläserne Cruise Terminal an der Maas. Auf der Messe und in der Hafenstadt präsentieren sich lokale Shooting-Stars und auch die gute alte Schreibmaschine kommt zu ihrem Einsatz - ein Rundgang.

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          Die Art Rotterdam ist eher ein kulturelles Stadtevent als nur eine Messe für zeitgenössische Kunst. Auf Plakaten in der Stadt leuchtet zum Beispiel Tracy Enims „I promise to love you“ in Schreibschrift aus roten Neonröhren, zu sehen in der Rotterdamer Kunsthal.

          Das Stedelijk Museum zeigt abstrakte Landschaften von Gerco de Ruijter und Filmarbeiten von Marcel Wesdorp. Das Zentrum der Aufmerksamkeit aber gilt in diesen Tagen dem imposanten Hafen der Stadt. Im gläsernen, zweistöckigen Cruise Terminal an der Maas findet dort zum zwölften Mal die Art Rotterdam statt. Hauptsächlich holländische Galeristen mit junger Kunst sind in diesem Jahr angereist. Jung und hip ist auch das Publikum.

          Die Kunstmesse könnte auch unter dem Motto „Interaktion“ stehen. Navid Nuurs Performance auf dem Treppenplateau steht dafür: Mit selbstgedrehten Papierfiltern aus alten Magazinen oder Katalogen sollen Besucher auf Zielscheiben werfen, deren Kreise mit dem Titel „Distant relations between lovers fail by the lack of focus“ betitelt sind. Die Rotterdamer Kunstszene hat ihre lokalen Shooting-Stars.

          Dazu gehört auch der deutsche Maler Christian Schoeler mit einer Einzelschau am Stand der Amsterdamer Galerie Ron Mandos. An rosa Wänden zeigt sich Schoelers zeichnerischer, melancholisch-zarter Blick auf junge Menschen, die so blass aufscheinen, als würden sie in der Weltkälte zittern (6500 Euro). Für ein gerade erst fertiggestelltes, zweiteiliges, zwei mal 2,2 Meter großes Gemälde möchte Mandos den Preis nicht verraten, er steht kurz vor dem Verkauf an einen holländischen Sammler.

          Platte Gesichter in der U-Bahn

          Unter den wenigen deutschen Galerien ist Frankfurt stark vertreten, unter anderem mit der Galerie Lorenz. Sie zeigt den Städel-Schüler Dirk Krecker und seine mikro-konstruktivistischen Cluster, Bilder, die mit der Schreibmaschine getippt sind: eine Frau mit Sprechblase, ein roter Stern oder landende Flugzeuge (um 700 Euro). Die Witzenhausen Galerie aus Amsterdam zeigt das Werk des Fotografen Hendrik Kerstens: Er inszeniert seine Tochter in der Pose von Vermeers „Mädchen mit dem Perlenohring“.

          Nur zieht er ihr wahlweise eine Plastiktüte, Klopapier oder ein Handtuch über den Kopf. Auf seinem neuesten Werk „Cupcake“ setzt er ihr eine Baskenmütze auf und steckt ihr einen großen Perlenohrring ans Ohr (5400 Euro). Fotografie gibt es auch am Stand der Galerie Wouter van Leeuwen aus Amsterdam. Hier hängen die Eindrücke von Michael Wolf aus Tokio oder Hongkong: Die U-Bahnen sind dort so voll, dass die Gesichter der Menschen an der Scheibe platt gedrückt werden, wie auf „Tokyo Compression“ (Auflage von 7; 4600 Euro).

          Bedrohlich wird es auch bei Aschenbach & Hofland, ebenfalls Amsterdam. Sie zeigen eine Skulptur vom englischen Bildhauer Tom Puckey: ein unbekleidetes Mädchen mit Topffrisur, Pistole in der Hand und Messer auf dem Rücken bringt sich auf allen vieren in Angriffstellung. Das ganze in Lebensgröße, aus Marmor und für 42.000 Euro.

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