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ART LA : Mit internationalen Ambitionen

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Schlichtheit könnte das Motto der vierten ART LA sein. Im reichen Santa Monica hofft die kleine Messe für Gegenwartskunst auf ihren internationalen Durchbruch. Acht deutsche Galerien aus Berlin wollen auch profitieren.

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          Trotz des überraschend heftigen Dauerregens drängte ein steter Menschenstrom Menschen in das Santa Monica Civic Auditorium, um der Eröffnungsnacht der ART LA, der „New Los Angeles International Contemporary Art Fair“, beizuwohnen. Man tritt hier dieses Jahr auffallend selbstbewusst auf und meint, nun endlich über die Ingredienzien einer erstklassigen Kunstmesse zu verfügen. An Glanz fehlt es selbstverständlich nicht, und Geld gibt es genug in dieser Stadt, auch für die Kunst. Zudem wählen immer mehr junge Künstler Los Angeles als ihre Heimat. Denn im Gegensatz zu New York ist Wohnraum hier noch finanzierbar.

          Eine international bedeutende Messe fehlte lange Zeit. Nach einem vielversprechenden Debüt der ART LA vor drei Jahren hat sich das zeitweise befürchtete Ende nicht eingestellt, und so wird dieses Jahr - in den drei Tagen vom 25. bis 27. Januar - ein kraftvoller Durchbruch angepeilt. Zum zweiten Mal unter der Leitung von Tim Fleming, findet die Schau erneut im ikonischen Fünfziger-Jahre-Bau des Civic Auditorium statt. Der Saal wurde dafür mit schlichten, kleinen Kojen ausgestattet. Überhaupt soll der Leitgedanke - die Integration des lokalen Kunstgeschehens in die internationale Arena - ausdrücklich in kleinem Rahmen realisiert werden: Die Beschränkung auf 64 Aussteller erfolgte ganz bewusst.

          Aussteller von der Westküste

          Mehr als die Hälfte der Galerien kommen aus Los Angeles selbst; die Betonung liegt, neben „lokal“, auf „hip“: „Cutting-edge“ und am Puls der Zeit soll es sein. Entsprechend hat gut ein Drittel der einheimischen Galeristen seinen Sitz in Chinatown, jenem Stadtteil, der sich seit einiger Zeit zum innovativen Epizentrum entwickelt. Dort niedergelassen haben sich auch Galerien, die auf internationalem Parkett eine gute Figur machen - wie Peres Projects (die auch in Berlin verteten sind), die China Arts Objects Gallery oder die Mary Goldman Gallery.

          Bei Peres Projects lädt die Bar-Installation von Terence Koh und Bruce La Bruce zum Verweilen ein: mit Hockern, kanadischem Bier, Hirschgeweih und Zigarettenstummeln; für 75.000 Dollar kann das Ganze mit nach Hause genommen werden. Schon vor Messebeginn von den Organisatoren aufgeregt angekündigt, fährt Bortolami aus New York mit einem vollständigen, exakt auf die Dimensionen der Koje hin zerquetschten Bus von Piero Golia auf (40.000 Dollar). Einige Schritte weiter bei Mary Goldman fällt Blaise Drummonds
          „Vita in una Pacifico Nuovo Mondo“ von 2007 (9000 Dollar) ins Auge, eine der filigranen, in gleißendem Licht erscheinenden Architekturimpressionen des Künstlers.

          Mexikanische Galerien sind rar

          Fast klassisch mutet da die etablierte ACE Gallery aus Beverly Hills an: Ihre Koje ist mit großformatigen Werken von Julian Schnabel, Roy Lichtenstein und Dennis Hopper gefüllt, dabei auch Hoppers Zeichnung „Andy Warhol (with Flower)“ von 1963/2006, die ACE schon 2007 in Basel im Gepäck hatte. Alejandro Diaz' weiß fluoreszierender Neonröhren-Aufruf „Make Tacos Not War“ (2500 Dollar) passt an die Grenze zu Mexiko, und er weckt politische Konnotationen. Aus dem Nachbarland selbst wurde aber nur die Galerie Kuimanzutto aus Mexico City eingeladen. Aus dem fernen Tokio sind die Taka Ishii Gallery und Tomio Koyama angereist.

          Bei diesen internationalen Teilnehmern dominiert Deutschland mit acht Galerien; sie alle kommen aus Berlin: Ben Kaufmann, Johann König, Guido W. Baudach, Christian Nagel und Michael Janssen. Baudach ist übrigens Mitglied des Auswahlkomitees. Zur Eröffnung war es erwartungsgemäß rappelvoll, und das Resümee nach den ersten Stunden fällt durchweg positiv aus. Einziger Wermutstropfen bisher: Das Gute-Wetter-Klischee für Kalifornien hat sich bisher nicht bestätigt.

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