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Art Karlsruhe : Minister Neumann hat sein Wort gehalten

  • -Aktualisiert am

Im vergangenen Jahr wurde den Galeristen der Art Karlsruhe von hoher Stelle prominenter Besuch versprochen. Zur siebten Ausgabe der Messe für Klassische Moderne und Gegenwartskunst kam die Kommission des Bundes tatsächlich und kaufte ein. Was es auf der Messe zu sehen gibt, steht in unserem Rundgang.

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          Ein alter Käfer steckt fest in einem monumentalen Drahtgestell. Fünf mal vier Meter groß ist die Installation von Georg Seibert, die auf dem Vorplatz der Karlsruher Messe die Besucher begrüßt. Die Mannheimer Galerie Keller hat sie dort aufgestellt und verlangt 120.000 Euro. In diesen Zeiten gibt es den Stillstand auch in klein für 4000 Euro. Ob der Künstler damit ausdrücken will, dass nur die Industrie aktuell ein Problem hat oder auch diese Messe irgendwie festsitzt, bleibt ein Geheimnis.

          Nach einem Rundgang über die Stände der 208 Galerien aus zwölf Ländern bekommt man den Eindruck, dass die Sorglosigkeit des eigenwilligen Außenseiters unter den Messen auf ein gesundes Maß geschrumpft ist; die internationalen Galerien spielen immer noch keine Rolle, auf dieser Messe werden süddeutsche Dialekte gesprochen. Darüber kann auch ihr Titel nicht hinwegtäuschen: „Eldorado der Kunst“.

          Schmerzliche Absagen

          Die wirtschaftliche Lage in Südwestdeutschland ist schwierig. Und so befürchten viele Galeristen, dass sich die gedämpfte Stimmung von 2009 fortsetzen könnte. Gegen Skepsis hilft man sich mit formalen Superlativen: 35.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, 300 One-Artist-Shows und neunzehn Skulpturenplätze. Auf dieser Messe wünscht man sich einen kleinen Roller. Platz gibt es genug dafür, denn am Eröffnungstag waren weniger Gäste als früher unterwegs.

          Trotz alledem hat sich die Art Karlsruhe in ihrer Erscheinung noch einmal gesteigert. Es geht jetzt ernsthafter zu in den Gängen; es herrscht eine gediegene Stimmung, die sicherlich dem lokalen Publikum gerecht wird. Unter schmerzlichen Absagen nach nur einer Teilnahme 2009 befinden sich Fath aus Mannheim, Fichter aus Frankfurt und Brokstedt aus Hamburg.

          Brave Papierarbeiten von Daniel Richter

          Das Machtzentrum der Messe ist mehr denn je die Halle drei mit Ludorff, Schwarzer und Vömel aus Düsseldorf, Maulberger aus München, Rothermund aus Hamburg, Henze & Ketterer aus Wittrach/Bern, Schlichtenmaier aus Grafenau, Holtmann aus Köln und dazwischen auf Premieren- und Erprobungstour Michael Werner aus Köln. Als Grund für die Teilnahme erklärte seine Mitarbeiterin Dorothee von Prittwitz, dass sie viele Schweizer Sammler nach Karlsruhe locken könnten. Ob der Stand mit Baselitz, Polke und Immendorff sein Publikum findet? An der Außenwand lässt sich Immendorffs 270 mal 180 Zentimeter großes Gemälde „Painter as canvas“ von 1990/91 für 460.000 Euro bestaunen.

          In einen ungewohnt edlen Rahmen geschafft hat es bei Maulberger der Malerstar Daniel Richter. Seine untypisch brave Mischtechnik auf Papier von 1994 für 13.900 Euro hängt dort ordentlich aufgereiht neben Joseph Fassbenders „Oase“ von 1948 für 6800 Euro. Dorothea van der Koelen aus Mainz, Nothelfer und Michael Schultz aus Berlin sind die Stammgäste in Halle zwei. Koelen hat einen Ai-Wei-Wei-Stuhl aufgetrieben und mitgebracht: „Fairytale - 1001 Chairs (G 21)“ von 2007; der Documenta-Stuhl aus der Qing-Dynastie kostet 5800 Euro.

          Keine leichte Wahl

          Die neue Ernsthaftigkeit ist wohl auch auf wichtigen Messebesuch zurückzuführen: Die Komission der Sammlung des Bundes kam, wie von Staatsminister Bernd Neumann 2009 versprochen, und kaufte ein: Gerichtszeichnungen von Dorothea Schulz und eine Plastik von Jo Fischer bei Sturm aus Stuttgart, ein Gemälde von Simone Strasser bei Kampl aus München und zwei Arbeiten von Harald Pompl bei Bender, ebenfalls München.

          Leicht wird die Auswahl nicht gefallen sein; denn das Karlsruher Angebot wird dominiert durch Arbeiten in hoher Auflage von Künstlern der Klassischen Moderne und Nachkriegskunst, die für eine vorausschauend agierende Sammlung weniger von Interesse sind. Und das Programm der großen Kunsthändler übersteigt wohl das staatliche Budget.

          Graffitikunst entsteht am Stand

          Die zweite Ausgabe des Berliner Blocks „Art from Berlin“ mit dreizehn Galerien aus der Hauptstadt ist zwar nicht repräsentativ für die Kunstszene in der Hauptstadt, bietet aber trotzdem ein wenig Abwechslung im insgesamt etwas altbackenen Messebild. Circleculture hat Jaybo Monk eingeladen, der am Stand auf eine durchsichtige Folie sprühte, was seine Graffitikunst hergibt.

          Sein Gemälde „Fragile Alliance“ kostet dort 18.500 Euro, „Nonsmoker 2“ gibt's für 2900 Euro. Shepard Fairey, der Schöpfer des mittlerweile berühmten Obama-Gemäldes, hat es an den Stand der Mannheimer Galerie Kasten geschafft: Siebdrucke in Auflagen zwischen 350 und 450 sind dort für Preise zwischen 280 und 980 Euro zu haben.

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