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Art Cologne : Das Wunder vom Rhein

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Die Auferstehung der Art Cologne: Den ersten Schritt hat der Kölner Kunstmarkt geschafft, er ist zurück im Rennen um die wichtigste Kunstmesse in Deutschland - ein Rundgang.

          5 Min.

          Daniel Hugs wohl eher scherzhaft gemeinte Sorge vor Beginn seiner ersten Art Cologne, dass einige krisengebeutelte Galerien vielleicht einfach nicht erscheinen würden, hat sich nicht bestätigt. Alle 184 Aussteller sind gekommen und haben mitgebracht, was sie versprochen hatten: Optimismus und reife Positionen.

          Das hatte sich der neue Direktor für die schweren Zeiten gewünscht. Und es sind tatsächlich die sicheren Werte, die das aufgeräumte Bild der Messe dominieren - aber auch die zeitgenössische Kunst und das Freigehege „Open Space“ hinterlassen einen soliden Eindruck, der positiv stimmt für die Zukunft des schon des öfteren totgesagten Kölner Kunstmarktes.

          Komprimiert und konzentriert

          Die Aufbruchstimmung zeigt sich schon beim Betreten des neuen, repräsentativen Eingangs mit seiner weiten Treppe. Im Erdgeschoss gibt es Klassische Moderne und Nachkriegskunst, ein wenig Zeitgenössisches ist auch darunter zu finden. Im Obergeschoss ist die Gegenwartskunst zu Hause und der Open Space. Die Art Cologne tritt komprimiert und konzentriert an.

          Beginnt man den Rundgang im Erdgeschoss, durchkämmt man schnell das 20. Jahrhundert bis ins aktuelle Jahr: Schönewald und Mayer aus Düsseldorf, Juda aus London und Grossetti aus Mailand bilden das Begrüßungskomittee, gleich dahinter Löhrl aus Mönchengladbach, Werner aus Köln, Berinson aus Berlin und Thomas aus München - viele Jahrzehnte auf engem Raum. Hans Mayer aus Düsseldorf, der Rückkehrer und neues Beiratsmitglied, hat Nam June Paiks Videoskulptur „Venus“ von 1990 (415.000 Euro) den zentralen Platz seines großzügen Areals überlassen; dahinter lugt eine große Skulptur von John Camberlain hervor (625.000 Euro).

          Die Düsseldorf-Fraktion ist erstarkt, auch bei der Klassischen Moderne. Bei Schwarzer ist Max Liebermann präsent: „Seine Blumenterrasse im Wannseegarten nach Süden“ von 1921 trägt die Provenienz Heinrich Thannhauser; der Preis liegt wie bei seiner „Gärtnerin im Wannseegarten“ aus dem Jahr 1923 bei 580.000 Euro. Beck & Eggeling steuern einen frühen Otto Mueller zum Rheinland-Aufgebot bei: Das Gemälde „Weiblicher Akt in Dünen“, um 1908, zeigt eine Frau beim Sonnenbaden, geschützt nur durch einen breiten Hut (480.000 Euro).

          Prominente Werke der Moderne

          Noldes „Lichte Wolken überm Meer“ von 1951 werden hier für 2,2 Millionen Euro angeboten. Mit einem höheren Preis ausgezeichnet ist auf der Messe wohl nur Kirchners „Nacktes Mädchen auf Diwan“ von 1924 - für 2,4 Millionen Euro bietet Henze & Ketterer aus Witrach das Bild an. Wolfgang Gmyrek aus Düsseldorf kombiniert Norbert Tadeusz und Johannes Brus und zeigt Bernd Koberlings „Kormoran“ (78.000 Euro) von 1981 in stolzer Pose - auf 190 auf 190 Zentimetern.

          Hans Strelow sieht in Martin Huidobros Acryl-Gemälde die aktuelle Stunde null von Strahlen umgeben - jetzt kann es also nur noch besser werden (2500 Euro). Großformatige Arbeiten von Emil Schumacher (130.000 Euro) und Imi Knoebel gehören zum Kerngeschäft der Düsseldorfer Galerie.

          Eines der Knoebel-Bilder heißt „Gretchenfrage“ (65.000 Euro), doch das schönste Exemplar von ihm ist sehr klein und wird schnell übersehen: „An meine grüne Seite“ von 2007 (5000 Euro). Zellermayer aus Berlin steht für eine Fülle von Informel-Bildern, die allenthalben auf der Messe auftauchen. Die Galeristin hat das ruhige Bild „Licht und Dunkel“ aus dem Jahr 1949 von Hann Trier ausgesucht (35.000 Euro).

          Ein Vogelschwarm auf der Motorhaube

          Ulrich Erbens jüngste Arbeiten erinnern an Lichtinstallationen von James Turrell. Walter Storms aus München zeigt eines seiner Gemälde in grellem Orange vor kühlem Blau (22.000 Euro). Auch der Titel „Licht um Licht (orange)“ könnte zum Werk des Künstlerkollegen Turrell passen. Eine knallrote, zerbeulte Motorhaube, in die Liz Bachhuber Habichtsilhouetten gestochen hat, prangt bei Edith Wahlandt aus Stuttgart an der Wand (6000 Euro). Beate Terfloth und Katharina Hinsberg zeigen einmal mehr ihr Gefühl für das Medium der Zeichnung, ob monumental im Scherenschnitt oder sehr klein und zart auf dem Papier (Preise von 2000 bis 8000 Euro).

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