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Art Basel Miami Beach : Das Verkaufskarussell dreht weiter seine Runden

  • -Aktualisiert am

Die Art Basel Miami Beach ist vorbei, die Galeristen machen Kassensturz. Er fällt bei vielen gar nicht so schlecht aus wie befürchtet.

          Dunkle, bedrohliche Schatten konnte man während der Art Basel Miami Beach alle paar Meter auf der Collins Avenue entdecken: Mülltonnen warfen präzise Schemen auf den Asphalt, die charakteristischen Zeitungskästen und Ampeln ebenfalls. Doch sie waren unbeweglich, richteten sich nicht nach Licht und Sonnenstand. Der amerikanische Street-Artist Ellis Gallagher wollte mit diesen Eingriffen die sich langsam nähernden Schatten der Finanzkrise versinnbildlichen. Aber gab es für die Galeristen in Miami überhaupt Grund für schlechte Träume?

          Um diese Frage beantworten zu können, musste man das Ende der Messe abwarten; denn das Verkaufskarussell hatte sich sehr langsam zu drehen begonnen, bevor es zum Abschluss noch richtig schnell wurde: „Wir haben sehr viel Glück gehabt und sehr gut verkauft“, resümiert die Frankfurter Galeristin Bärbel Grässlin. Sie konnte ein großformatiges Selbstporträt von Martin Kippenberger aus dem Jahr 1992 für 1,65 Millionen Dollar verkaufen. Das sei ein wirklicher Coup, damit hätte keiner von ihnen gerechnet. Hatte doch die Messe auch für sie wesentlich behäbiger angefangen als noch im vergangenen Jahr. Außerdem erkannten deutsche Sammler den Reiz der farbgewaltigen Lampenarbeiten von Tobias Rehberger (je 22.000 Dollar).

          An den Grenzen der Kapazität

          „Mehr als 40.000 Besucher“ wurden an den vier Messetagen im Convention Center von Miami Beach begrüßt. Eine präzise Ziffer blieb der Veranstalter aus Basel bislang jedoch noch schuldig. Für 2007 waren 40.000 Besucher gezählt worden. An allen öffentlichen Tagen in diesem Jahr hatte man jedoch den Eindruck, dass das Limit in der Halle absolut erreicht sei und in Zukunft eher Platzprobleme Thema sein könnten. In den zum Großteil sehr dezent bestückten Kojen wurden auch die Künstler Chuck Close, Ai Weiwei, James Rosenquist, Olafur Eliasson, Philip Taaffe, Jeff Koons, Vik Muniz und Francesco Vezzoli gesichtet.

          Stets eilig und jeden Tag wieder auf der Suche nach den begehrtesten Werken sah man die bekannten Sammler Carlos und Rosa De La Cruz aus Miami durch die Gänge schreiten. Ganz schien den Amerikanern ihr Hang zum Schrillen dann aber doch nicht verloren gegangen zu sein. Eine der Attraktionen fürs Miami-Publikum wurde vermittelt: Die Galerie Lehman Maupin aus New York konnte alle Werke der Künstlerin Mickalene Thomas für je 35.000 Dollar verkaufen. Die New Yorkerin zeigte an einer mit Holz eingekleideten Wand unter anderen leuchtende Bilder von Frauenbeinen mit glitzernden Pumps. Lehman Maupin zieht nun ebenfalls eine positive Bilanz: „Die Katastrophe, die alle erwartet haben, ist ausgeblieben, die Messe war sehr produktiv für uns.“

          Zufriedenheit überwiegt

          Yvon Lambert zweifelt zwar nicht daran, dass die Mehrzahl der Teilnehmer die Finanzkrise zu spüren kriegen, sie seien natürlich alle mit neuen Schwierigkeiten konfrontiert. „Wir haben aber immerhin dreißig Werke verkauft“, sagt er, „trotzdem sind es ein bisschen weniger gewesen als 2007.“ Johann König aus Berlin überraschte mit dem Resümee, dass er sogar bessere Umsätze gemacht habe als bei der vorherigen Ausgabe: „Wir konnten außerdem Ausstellungen mit zwei Museen in Amerika festmachen.“

          Insgesamt fällt das Urteil der Aussteller ähnlich positiv aus. Zwar ist die Messe wesentlich ruhiger verlaufen, und einige jüngere Galerien mussten ohne Verkäufe nach Hause fahren; sie werden sich diese Reise in Zukunft wohl sparen. Aber wiederholt hört man, dass altbekannte Sammler, die sich während des Hypes der vergangenen Jahre zurückgezogen hatten, nun wieder auf der Messe erschienen seien.

          Ohne Spekulanten

          Spekulanten fehlten dieses Jahr. Von der amerikanischen Managerin eines Kunstfonds konnte man aber umso Überraschenderes hören: „Der Markt ist derzeit für meine Kunden nicht mehr besonders attraktiv, dafür müssten die Preise noch weiter einbrechen.“ Dann erst ließe sich wieder und eben ganz anders als in den Jahren zuvor mit Kunst spekulieren. Diese Hoffnungen wird wohl unter den Ausstellern sonst kaum jemand mit ihr teilen.

          Die Vertreter der Klassischen Moderne konnten sich an allen Messetagen über gute Umsätze freuen. Raimund Thomas aus München sagt, dass er seit seiner ersten Art Basel Miami Beach vor fünf Jahren viele Kontakte geknüpft habe, die würden sich jetzt natürlich auszahlen. Da haben es Erstteilnehmer wesentlich schwieriger, auf dem Markt noch Fuß zu fassen. Doch Alexander Gray aus New York, der dieses Jahr in Miami Premiere feierte, will auch wiederkommen. Denn die Klassiker des 20. Jahrhunderts hätten bei ihm sehr dankbare Käufer gefunden.

          Ob sich jedoch die 22 Nebenmessen in Miami diesem nun stark verdichteten Wettbewerb behaupten können, ist eher fraglich. Nicht wenige deutsche Galeristen, die, wie sie sagen, den eigenwilligen Geschmack der Amerikaner nicht treffen konnten, sind dort ohne Erträge oder haben die Ausgaben nicht wieder reinholen können.

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