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Art Basel Miami Beach : Bloß keine Panik

  • -Aktualisiert am

Die Art Basel Miami Beach lernt für ihre siebte Ausgabe neue Begriffe wie Preisregulierung und Marktbereinigung. Dabei läuft die Schau in Florida für manchen Galeristen doch erstaunlich gut.

          Die Art Basel Miami Beach 2008 setzt Maßstäbe für die neue Zeitrechnung nach dem großen Hype. Die insgesamt 266 internationalen Aussteller aus 33 Ländern, aus den Vereinigten Staaten, Kanada, Europa, Lateinamerika und Asien, haben sich mächtig ins Zeug gelegt. Hier wurde keine Entscheidung leichtfertig getroffen, konzentriert wirkt das Angebot. Die Auswahl der Galeristen spiegelt die aktuelle Stimmung wider: Angespannt erwartete man das Schlimmste, ließ sich aber nicht unterkriegen und entschied sich für wenig Klimbim und stabile Werte mit bekannten Namen.

          Doch ob den Ausstellern diese Anstrengungen helfen, werden erst die nächsten zwei Tage zeigen; denn: Lange Wartelisten oder begrenzte Reservierungszeiten sind passé. Jede Kaufentscheidung braucht jetzt ihre Zeit. Und dass dies so akzeptiert wird, offenbart schon die neue ungewohnte Situation für das bislang so erfolgsverwöhnte Miami.

          Verlangsamung mit Charme

          Einig ist man sich in diesen Tagen nur in einer Feststellung: Verlangsamt hat sich alles bei der siebten Ausgabe der Art Basel Miami Beach; niemand prahlt mehr mit wilden Partys. Zur eigens anberaumten VIP-Stunde am Tag nach der Eröffnung blieben die Gänge leer. Von einer gefühlten Katastrophe will aber keiner sprechen, und die Faktenlage spricht dagegen: Galeristen wie Jablonka aus Köln mit seiner One-Man-Show für Philip Taaffe werden zwar plötzlich als schon fast zu mutig wahrgenommen, doch er bekam viel positive Resonanz und konnte Arbeiten für 65.000 und 175.000 Dollar verkaufen.

          Die Aussteller neigen sonst aber eher zu forcierter Vielseitigkeit, für jeden Kunden sollte etwas dabei sein. Kleine und große Skulptur, Video, viel Malerei und ein wenig Fotografie decken das wohl größtmögliche Spektrum ab. Auch schwer verkäufliche Performancekunst ist darunter: Xu Zhen lässt bei Shangart aus Schanghai zwei Statisten Affen-“Papa und Mama“ spielen; der Besucher muss sich auf spontane Umarmungen gefasst machen.

          Neue Begriffe für eine neue Realität

          „Angemessene Preisregulation“ und „Marktbereinigung“ - das sind die Begriffe, die wie Beruhigungsmittel immer wieder kursieren, mit denen sich Galeristen und Sammler gegenseitig eine neue Normalität einbleuen wollen. „Es war einfach niemand da, sie hatten alle schon vorher abgesagt. Die wichtigen Leute aus Europa müssen jetzt arbeiten und Geld verdienen, die fliegen nicht mehr mitten in der Woche in die Vereinigten Staaten, um ausgerechnet für Kunst ihr Geld auszugeben“, findet - ausgerechnet - Gerd-Harry Lybke von Eigen + Art aus Berlin und Leipzig die drastischsten Worte; noch im vergangenen Jahr flötete er in jedes Mikrophon, dass er alle zehn Minuten etwas verkaufe.

          Dann sagt er: „Natürlich habe ich auch jetzt gut verkauft, ich vertrete ja auch Neo Rauch. Aber für viele andere ist es und wird es richtig schwer.“ Gekommen sei er nur wegen der Sammler aus Südamerika, die er sonst nicht treffen würde. Doch so richtig mag sich in Miami niemand an diese trübe Stimmung gewöhnen. Der große Stand der Berliner Galerie Neu zeigt passend ein frisches Werk der Künstlergruppe Claire Fontaine: einen Unterarm aus Wachs mit einer Rolex am Handgelenk (16.000 Euro). Da hat man im Zweifelsfall zumindest noch etwas vom Anschein der (falschen) Uhr.

          Vieles bleibt beim Alten

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