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Art Basel Miami Beach 2009 : Freude zwischen Stand und Strand

  • -Aktualisiert am

Eine fortwährende Party? Bei der achten Art Basel Miami Beach herrscht verhaltener Optimismus. Ein Rundgang durch das verwinkelte Labyrinth der Kunstschau in Florida.

          Es ist die drängendste aller Fragen bei der achten Art Basel Miami Beach, der Kunstmesse, die in diesen Tagen wieder im sonnigen Florida stattfindet: Ist der aufwendige Relaunch, der hier auch als Befreiungsschlag von allem Krisengerede verstanden wird, geglückt? Die Co-Direktoren Marc Spiegler und Annette Schönholzer haben zum ersten Mal alle 265 Galerien aus 33 Ländern in einer einzigen, auf 47.000 Quadratmeter vergrößerten Halle vereint - das sind fast so viele Aussteller wie auf der Muttermesse in Basel. Und es hat sich mehr als nur der Raum verändert: Insgesamt hat sich die Art Basel Miami Beach weiter entfernt von ihrem Party-Image; sie hat nicht mehr viel von der sonnigen Sorglosigkeit, sondern zeugt von einem handfesten Ringen um einen Markt, der sein Publikum weitergebildet und anspruchsvoller gemacht hat.

          Es ist diesmal wenig Pomp dabei. Die Schau tritt selbstbewusst auf, aber nicht aufgeregt: Etablierte Namen wie Picasso, Alexander Calder, Alberto Giacommeti oder auch Alex Katz dominieren. Landau Fine Arts aus Montreal hat wohl das teuerste Werk mitgebracht: Giacomettis Bronze „Trois hommes qui marchent“ für 19,5 Millionen Dollar. Das Interesse an älterer Kunst ist größer geworden. Die frühe Euphorie am Eröffnungstag über mehr Verkäufe und Reservierungen als im vergangenen Jahr ist in den folgenden Tagen einem gesundem Realismus gewichen: Die meisten Galeristen sind froh, dass sie zumindest besser wegkommen werden als im vergangenen Jahr. „Es wird ein stärkeres Jahr“, hört man immer wieder - auch von den Nebenmessen Nada, Pulse und Art Miami.

          Schwergewichte im Eingangsbereich

          Auf der Hauptmesse bieten sich unterschiedliche Zugänge. An zwei Eingängen hat die Messe ihre Schwergewichte plaziert: Die Vertreter der Moderne, Acquavella aus New York, Michael Werner aus Köln/New York und Landau aus Montreal auf der einen Seite, die Kunsthändler für Zeitgenossen, Deitch, Marian Goodman und Zwirner aus New York und Hauser & Wirth aus Zürich/London/New York begrüßen auf der anderen Seite die Gäste. Bei Zwirner prangt Neo Rauchs Gemälde „Mars“ von 2002 und Luc Tuymans „Mayhem“ aus dem Jahr 2003, beide für mehr als eine Million Dollar, neben Yan Pei-Mings schwarzweißem Aquarell einer Dollarnote mit einem Totenschädel darauf.

          William Kentridges kleine Skulptur aus bemalter Bronze „Nose 1 (Scissors)“ von 2007 (Auflage 20) hält sich trotzig aufrecht bei Marian Goodman aus New York, seine Collage aus Buchseiten „Excuse me, I'll Pay“ aus diesem Jahr kostet 160.000 Dollar. Ein Leitfaden durch das Dickicht dieser Messe bietet das kleine gelbe Heft mit den Art Kabinetts, eine Sektion mit über die Halle verteilten Einzelschauen, die in diesem Jahr besonders gelungen ist. Krinzinger aus Wien hat in ihrem Fluxus-Kabinett eine Ausstellung aus dem Jahr 1990 nachgebaut. „Fluxus subjektiv“, das Motto steuerte damals Ben Vautier bei; außerdem fordert er den Besucher mittels eines Holzbalkens zum Bücken auf: „Art or Fluxus (it is only a question of ego) please bend“.

          Eine Einzelschau für Alexander Calder

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