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Arcomadrid 2009 : Erst wird begutachtet, dann gehandelt

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Deutsche Aussteller an zweiter Stelle

Die dreißig deutschen Galerien stellen hinter den 75 spanischen das stärkste Kontingent. Und deutsche Künstler sind überhaupt viel zu sehen. So hat die Madrider Arco-Gründerin Juana de Aizpuru die Brüder Oehlen in ihrem großzügigen Stand - Albert Oehlens abstrakte verschwimmende Farbflächen von 2005 auf 2,8 mal 3,4 Metern (340.000 Euro) und Markus Oehlens Figur vor grünlicher Struktur von 2008 auf 2,5 mal zwei Metern (45.000 Euro).

Bei Sabine Knust aus München hängen zwei kleinere Gemälde von Markus Oehlen aus diesem Jahr (je 38.000 Euro) und ein monumentales Triptychon von Katharina Sieverding (120.000 Euro). Ein großes Baselitz-Bild zieht das Interesse bei Thaddaeus Ropac (Salzburg/Paris) auf sich: „Sujet Point (Remix)“ von 2007 wird hier mit 425.000 Euro beziffert.

Aus dem Rahmen gefallen

Bei der Madrider Galerie Salvador Díaz fällt die zwei mal 1,57 Meter messende und dreißig Zentimeter tiefe Installation des österreichischen Künstlers und Dresdner Hochschulrektors Christian Sery buchstäblich aus dem Rahmen, denn Gummiplane rutscht, angetrockneter Farbe gleich, aus einem Aluminiumrand (18.000 Euro). Hauser & Wirth (Zürich/London), zum ersten Mal auf der Arco, haben als Blickfang mehrere Skulpturen des 2006 gestorbenen Kaliforniers Jason Rhoades ausgewählt; sie kosten je 95.000 Dollar, ein großer „Chandelier“ 250.000 Dollar.

Den vom Wind geformten Drahtobjekten des Juan E. Correa widmet die Galerie Manuel Ojeda aus Gran Canaria eine Einzelschau: In kräftigem Rot windet sich ein Schlauch aus Fliegendraht, von filigranen Metallstäben gestützt, durch den Raum - „Red Air“ von 2009 für 30.000 Euro. Ojeda tut das Krisengejammer ab: Kunst sei immer in der Krise.

Er nutzt die Messe, um seine Künstler vorzustellen, Kontakte zu knüpfen; das Geschäft entsteht daraus erst später. In der Regulierung des überhitzten Klimas liege womöglich ein Vorteil für den Kunstmarkt, so befindet auch Rüdiger Schöttle, der aus München nach Madrid gekommen ist; bislang habe gemeinhin diesen Spekulanten das Augenmerk gegolten und nicht den ernsthaft arbeitenden Galeristen.

Einzelprojekte indischer Künstler

Das Gastland Indien zeigt sich mit dreizehn Galerien und einer Sonderschau sehr zeitgenössisch in der Halle 6. Dort präsentieren sich auch die Projekte einzelner Künstler („Solo Projects“), elektronische Medienkunst und neue Technologien („Expanded Box“), außerdem verschiedene Institutionen, die ihr Kunst-Budget auf der Messe auszugeben pflegen. Übrigens fehlt in diesem Jahr erstmals das spanische Kulturministerium, das die kommerzielle Schau nicht länger mit seiner Präsenz beehren wollte.

Dafür stellt die Galeristin Helga de Alvear ihre Stiftung mit einem Teil ihrer eindrucksvollen Sammlung zeitgenössischer Kunst vor, die demnächst in die Extremadura zieht, nach Cáceres. Lourdes Fernández hat vor drei Jahren die zwei „professional days“ zum Auftakt der Arco eingeführt; erst seit dem gestrigen Freitag darf jeder gucken. Die legendären früheren Besucherzahlen von knapp 200.000 werden so wohl nicht erreicht. Aber das liegt nicht an der Krisenstimmung.

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