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Arco Madrid : Es geht wieder aufwärts in Spanien

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Die Arco in Madrid wird 35 Jahre alt: Die Stimmung auf der Messe ist bestens, die Aussteller kommen aus Deutschland, Frankreich und Iberoamerika

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          Ein Marathon, der es in sich hat: 221 Galerien aus 27 Ländern zeigen in den Hallen 7 und 9 des Madrider Messegeländes neueste Kunstproduktion und in geringerem Maß Klassische Moderne. Viel Malerei, kaum Video, weniger Fotografie als in den Vorjahren. Zum 35. Jubiläum der Arco sind, anstelle des üblichen Gastlands, 33 Galerien eingeladen, die zum Erfolg der Messe beitrugen, unter ihnen Lelong aus Paris und Lisson und Marian Goodman aus London. Krinzinger aus Wien hängt ganz aktuelle Arbeiten von Ángela de la Cruz und die Dokumentation einer Performance von Günther Brus in den sechziger Jahren. Bei Team aus New York und Los Angeles nimmt der junge Cory Arcangel Formate und Farben des siebzigjährigen Stanley Whitney auf und modernisiert dessen geometrische Farbspiele als glänzende C-Prints (70000 und 95000 Dollar). Als einzige Spanierin ist in dieser Gruppe geladener Gäste Juana de Aizpuru vertreten – sie hat die Arco gegründet.

          Sammler und Museumsleute bevölkerten an den zwei professional days die Hallen und zeigten sich spendabel. Lelong aus Paris hat gleich David Nashs „Turning Point“ von 1987/2015 abgegeben: „Es ist schön, wieder hier zu sein und gleich zu verkaufen“, so der Kommentar. Bei Lelong korrespondiert der „Kopf eines Inders“, ein C-Print von Jean-Baptiste Huynh (7000 Euro) mit einem Männerporträt von Pierre Gonnord, schräg gegenüber bei Juana de Aizpuru, „Anibal“ von 2015 (15000 Euro).

          Eine europäische Brücke

          Thomas Schulte aus Berlin hat die Wände seiner Koje dunkelgrau gestrichen, dort bestach ein Hochformat von Juan Uslé sofort einen Sammler, „Soñé que revelabas“ von 2014/15 (110000 Euro). Schulte ist seit Jahren der Messe treu und sitzt auch im Auswahlkomitee. Dass von 221 Ausstellern nur 68 aus Spanien kommen – und von ihnen nur achtzehn nicht aus den Metropolen Madrid oder Barcelona –, sieht er nicht als Problem. Es gehe schließlich um die Qualität, die Arco müsse international sein und gute Künstler zeigen. Darum bemühe sich der Messedirektor Carlos Urroz sehr, so Schulte, Urroz habe es geschafft, die Messe durch die schwere Wirtschaftskrise zu steuern. Dass die Arco sich immer wieder neu erfinde, sei ein Glücksfall.

          Aus dem Ausland sind 71 Prozent der Teilnehmer nach Madrid gekommen, nach den Deutschen sind die Franzosen diesmal stark vertreten. Allein 47 Galerien kommen aus Iberoamerika: Auch darin sieht Urroz die Aufgabe der Arco, nämlich die europäische Brücke zum spanisch- und portugiesischsprachigen Halbkontinent zu schlagen. Travesía Cuatro ist eine spanische Galerie, die vor vier Jahren im mexikanischen Guadalajara eine Zweigstelle eröffnet hat; ohne die mexikanischen Sammler hätte sie die wirtschaftliche Krise nicht überlebt, sagt die Galeristin Silvia Ortiz. Bei OMR aus Mexiko hat der mexikanische Künstler Gabriel de la Mora 18582 Fragmente von Eierschalen auf Holz geklopft; das fleißige Mosaik von 2015 misst dreißig mal dreißig Zentimeter (16000 Euro). Der 36 Jahre alte argentinische Künstler José Luis Landel hat auf dem Flohmarkt gekaufte Leinwände zerschnitten und aus den Streifen und Schlaufen neue Landschaften komponiert; für 8500 Euro sind sie bei Document Art aus Buenos Aires zu haben.

          Kraftvolle Malerei hat Bärbel Grässlin aus Frankfurt mitgebracht. Sie zeigt grüntonige Großformate von Herbert Brandl aus dem vergangenen Jahr (je 58000 Euro). Die Galerie Ponce+Robles aus Madrid hat Werke der jungen Spanierin Irene Grau schon verkauft. Der Galerist José Robles bezeichnet das Klima der Messe als „phänomenal“. Das blaue Ölbild des portugiesischen Künstlers Manuel Caeiro, „Essay Nr.13“ von 2016, wartet bei ihm noch auf einen Kunstfreund (7800 Euro). Luis Adelantado aus Valencia meldet Verkäufe an eine Stiftung, unter ihnen Rubén Guerreros Ölbild mit dem schönen Titel „Geliehenes Motiv“. Espacio Mínimo aus Madrid hat Fotografien von Erwin Olaf an spanische und ausländische Sammler vermittelt; Olafs achtzig mal achtzig Zentimeter große Fujicolor-Abzüge „Nudes“ beginnen bei 6000 Euro. Die Koje von Espacio Mínimo schmückt außerdem ein Querformat von Liliana Porter: Auf „Fallen Piano and Other Situations“ steckt ein kleiner Flügel in blauer Farbe, und eine alte Mickey Mouse walzt das Blau aus (60000 Dollar).

          Klassische Moderne gibt es bei ebenso klassischen Madrider Galerien. Guillermo de Osma bietet Picasso-Zeichnungen an (280000 Euro), und Leandro Navarro hat Kompositionen des Uruguayers Joaquín Torres García. Sein kleines Ölbild „Composición a 5 tonos“ von 1945 spielt auf den Abwurf der Atombombe über Hiroshima an; das Zeitdokument kostet 500000 Euro. Schon im Mai hat die Messe ihre nächste Station, als Arco Lisboa in Portugal. Die Zeit sei reif für die Expansion, sagt Carlos Urroz. Die wirtschaftliche Lage bessert sich. Der portugiesischsprachige Markt mit dem Giganten Brasilien ist nicht zu verachten, eine echte Chance für die Kunst in Lissabon.

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