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Messe : Vier Kilogramm Gold und Silber

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Nicht nur in Berlin ist Ende der Woche Messe: Die „Fine Art Fair Hamburg“ ist zuständig von der Antike bis zur Gegenwart. Ein feiner Ausblick auf das Angebot.

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          Die Fine Art Fair im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe scheint den Geschmack der Stadt genau zu treffen, und zunehmend auch den von Besuchern und Kunden aus Skandinavien und Osteuropa. Bereits zum neunten Mal präsentieren sich vom 28. September bis zum 1. Oktober inzwischen achtzehn Händler - davon sechs der Maastricher Tefaf - auf sechshundert feinsten Museums-Quadratmetern. Die kojenfreie Anordnung der Exponate hat sich offensichtlich bewährt, auch das edle Durcheinander von Bildern und Skulpturen, Möbeln und Silber, Uhren und Schmuck. Auch huldigt man - wie gerade die gesamte Hansestadt zu Ehren der Städtefreundschaft mit Schanghai - mit einem museal bestückten „China-Forum“ dem Fernöstlichen.

          Neu auf der Messe ist Achim Neuse, und er bringt gleich das teuerste und aufsehenerregendste Stück mit: ein fast vier Kilogramm schweres vergoldetes Silber-Prunkbecken des Hamburger Meisters Dirich Utermarke, um 1630 geschaffen. Es gilt neben dem Spiegelrahmen im Grünen Gewölbe Dresden als ein weiteres Hauptwerk des Meisters Utermarke. Mit dieser Platte gelang ihm eine der schönsten Goldschmiedearbeiten des Knorpelstils und setzte während seiner relativ langen Schaffenszeit die künstlerische Weiterentwicklung von Renaissance- zu frühbarocken Formen auf einem hohen Niveau fort. Die Platte ist ein Schmuckstück für jedes fürstliche Schaubuffet und ein signifikantes Beispiel für die Loslösung vom funktionalen Gebrauchsgegenstand zum Schaugerät - mithin ein museales Prunkstück, das auf 950.000 Euro beziffert ist.

          Ägypten trifft auf Meißen

          Daniela Kumpf, Wiesbaden, ebenfalls erstmals vertreten, hält eine außergewöhnliche Tischdekoration von Meißen in Form eines Pharaonenbootes bereit, dreiunddreißig Zentimeter lang und um 1815/18 nachweislich nach einem Stich von Piranesi gestaltet - ein Ausdruck der zu jener Zeit grassierenden ägyptischen Mode (33.000 Euro). Hans Brockstedt bietet die wichtigsten Werke von Horst Janssen aus den erfolgreichen Ausstellungen zum „German Year“ 2005/2006 in Japan an.

          Thomas le Claire hat die lavierte Federzeichnung in Braun „Ruine des Brühlschen Belvedere zu Dresden“ von Caspar David Friedrich, für 168.000 Euro im Angebot, datiert auf den 10. September 1800 und ungefähr 11 mal 18 Zentimeter messend, daneben Max Liebermanns Pastell „Die Blumenterrasse im Wannseegarten nach Nordwesten“ in schimmernder Leichtigkeit (85.000) und eine der sehr raren Zeichnungen von Henry Moore, die in den Bunkern der Londoner U-Bahn-Schächte während der deutschen Luftangriffe entstanden.

          Wohnliche Kombinationen

          Soweit bekannt, besitzt kein deutsches Museum eine dieser eindringlichen stilisierten Skizzen - nun wäre die Gelegenheit, die 1941 datierte „Sleeping Figure“ für 85.000 Euro zu erwerben. Für denselben Preis steht auch ein lebhafter, auf Kupfer gemalter „Amorettenreigen“ bei Frye & Sohn zum Verkauf, vor 1620 von Hendrik van Balen geschaffen, sicher in Antwerpen und in Kenntnis des „Kinderreigens“ von Rubens. Die umgebende Landschaft und die haarfeinen Blumen fügte Jan Brueghel d. J. hinzu.

          Galerie Ludorff läßt eine aquarellierte „Marschlandschaft mit Bauernhof“ von Nolde erstrahlen, daneben ein Temperagemälde „Drei Kinder mit Hund und Pferd“ von Paula Modersohn-Becker, beides für je 490.000 Euro. Im Sinne der Fine Art könnte man sie wohnlich kombinieren mit zwei unterschiedlichen und höchst exemplarischen Roentgen-Tischen, die Otto von Mitzlaff mitbringt und die um 1785 in der Neuwieder Manufaktur entstanden (150.000 und 160.000 Euro). Auf Anfrage erfährt man bei Michael Nolte den Preis der grau schimmernden Strandlandschaft „Le rivage, Etretat“ von Matisse, 28 mal 46 Zentimeter, die aus allerbester Pariser Provenienz stammt.

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