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Messe in St. Agnes : Hybrid

Die diesjährige Art Basel wurde abgesagt. Nun hält die Galerie König in Berlin eine eigene „Messe“ in der St. Agnes-Kirche.

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          Eine Wärmflasche auf zwei Beinen, mehrere Meter hoch, steht mitten in Kreuzberg. Es ist Erwin Wurms „Big Mutter“, die die Besucher der Galerie König empfängt (400.000 Dollar). Im Eingang der brutalistischen St.-Agnes-Kirche hängt dann eine Fotografie von Bettina Pousttchi, Andeutung der berühmten Uhr am Eingang des Basler Messegeländes. Das ist ironisch gemeint, denn die Absage der diesjährigen Art Basel stellt auch die Berliner Galeristen vor große Herausforderungen, zumal die Kunstszene hier überhaupt mit Hiobsbotschaften konfrontiert ist. Zwar nehmen viele Galerien am „Online Viewing Room“ der Art Basel (vom 19. Juni an) teil; aber das kann kaum eine physische Präsenz ersetzen. Eine von einigen Galerien initiierte „Basel in Berlin“-Liste soll da helfen, Galerien zu vernetzen und Ausstellungen zusammenzuführen. Weil ihm das zu wenig ist, hat Johann König in St. Agnes eine eigene „Messe“ initiiert (vom 17. bis zum 26. Juni). Das scheint auf den ersten Blick sinnvoll, zumal Berlin auch die „Art Berlin“-Messe verloren hat und das, auf September verschobene, Gallery Weekend wegen der Pandemie noch nicht sicher ist. Doch bei näherem Hinschauen zeigt sich, dass König Galeriebetrieb und sekundären Markt vermischt; siebzig Prozent der auf seiner „Messe“ gezeigten Werke des 20. und 21. Jahrhunderts kommen von dort.

          Kevin Hanschke
          Volontär.

          Es herrscht Fotografieverbot in den Ausstellungsräumen. Das liegt wohl vor allem daran, dass die Besitzer der ausgestellten Werke – von Neo Rauch (700.000 Dollar), Daniel Richter (300.000 Dollar) oder Georg Baselitz (700.000 Dollar) – Diskretion bevorzugen. In der Kapelle von St. Agnes werden dagegen die Hauskünstler von König, darunter Alicja Kwade, Norbert Bisky, Katharina Grosse oder Elmgreen & Dragset, gezeigt. Dort ist der für Basel geplante Stand exakt nachgebaut. Dieser „Viewing Room“ in der Kapelle ist penibel von der eigentlichen „Messe“ abgetrennt, für die mehr als hundert Werke zusammengestellt wurden. Galerien des Primärmarkts konnten sich beteiligen – ohne Gebühr, aber mit einer Kommission von fünfzehn bis zwanzig Prozent auf den Verkaufspreis. Es scheinen aber kaum welche mitzumachen.

          Bei der Organisation habe er sich deshalb an den Zeitgenossen-Programmen der großen Auktionshäuser orientiert und in den vergangenen Wochen viele Sammler abtelefoniert. Seine „Auktionsausstellung ohne Auktion“, bei der die Grenzen zwischen Galerie und Sekundärhandel noch weiter verschwimmen, solle ein Angebot an jene Kunstbesitzer sein, die Angst davor haben, dass ihre Werke bei Versteigerungen einen zu niedrigen Preis erzielen. Oder gar vor Publikum durchfallen könnten, möchte man ergänzen. Offensichtlich liegt Johann Königs Initiative im internationalen Trend zur Symbiose des Handels mit dem Auktionsmarkt. Dass bei dieser neuen Form noch Erklärungsbedarf herrscht, ist allzu nachvollziehbar. Sollte die „Messe“ übrigens ein Erfolg werden, so König, plant er eine Fortsetzung der Hybrid-Veranstaltung – während des Gallery Weekends im September.

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