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Mehr als ein Schriftzug : Die Crux mit der Signatur

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Echt oder falsch, eigenhändig oder gestempelt? Seit Marcel Duchamp ist die Verwendung der Signatur auf den Kopf gestellt - eine kleine Geschichte des Namenszeichens in der Kunst.

          7 Min.

          Für Sammler und Kunsthändler kommt der eigenhändigen Signatur des Künstlers auf Gemälden, Zeichnungen und Druckgraphiken eine geradezu magische, ja auratische Bedeutung zu. Eine nichtsignierte Arbeit lässt sich oft schlecht, mitunter gar nicht verkaufen; denn das Fehlen dieses kleinen, aber wertbildenden Signums mindert den Reiz des Artifiziellen erheblich.

          Dies hängt mit dem Mythos der Originalität zusammen, der im Künstler den genialen Schöpfer, den Ursprung und auch die beglaubigende Instanz seines Werks sehen will. Dabei ist die Signatur vor allem seit dem 19. Jahrhundert eine wesentliche Grundlage, ja geradezu ein Fetisch für das Ideal künstlerischer Individualität und Authentizität.

          Ein Nachweis der Urheberschaft

          Normalerweise versteht man unter einer Signatur den eigenhändigen, namentlichen Urheberschaftsnachweis auf einer künstlerischen Arbeit. Diese spezifische Form der auktorialen Setzung weist eine lange, bis in die Antike zurückreichende Tradition auf. Man sollte sich jedoch bewusst machen, dass es drei Aspekte gibt, die die scheinbar allgemeinverbindliche Funktion der Signatur erheblich einschränken.

          Erstens sind die etwa in Bleistift oder in Öl gesetzten Schriftzeichen derjenige Teil eines Bildes, der sich am leichtesten fälschen lässt und der somit allein niemals ein hinreichender Echtheitsbeweis für die Arbeit sein kann. Für Kunsthistoriker ist der handschriftliche Namenszug deshalb vorrangig nur ein Hilfskriterium bei Zuschreibungs- und Datierungsfragen. Zweitens ist die Signatur von Bedeutung für die Urheberschaft einer Arbeit, nicht jedoch zwangsläufig auch für deren Eigenschaft als Original.

          Nicht unbedingt ein Original

          Sie bestätigt also nicht automatisch und rechtsverbindlich den Originalcharakter eines Kunstwerks, so dass dessen Status letztendlich nur an kunsthistorischen Kriterien zu messen ist. Man denke zum Beispiel an die vielen Gefälligkeitssignaturen, die Andy Warhol und Joseph Beuys spontan auf alle möglichen Objekte schrieben, wenn man sie darum bat.

          Es handelt sich dann aber noch lange nicht um originale Kunstwerke beziehungsweise ernstzunehmende Readymades. Drittens haben viele Künstler den mit der Signatur verbundenen Absolutheitsanspruch einer unmittelbaren und uneingeschränkten Urheberschaft seit Beginn des 20. Jahrhunderts immer wieder in Frage gestellt. Sie haben die klischeehaften und mythischen Vorstellungen vom persönlichen Schöpfertum durchschaut, kritisiert und auf raffinierte Weise hintertrieben.

          Marcel Duchamps Setzung

          Es begann 1914 mit einem Paukenschlag: Marcel Duchamp erwarb in Rouen in einem Geschäft für Künstlerbedarf die billige Reproduktion einer Lithographie, die eine Winterlandschaft zeigt. Er signierte dieses Blatt eines unbekannten, dekorativen Künstlers mit seinem eigenen Namen und erklärte das bildhafte Ready-made somit zum Kunstwerk.

          Der traditionelle Vorgang der individuellen und eigenständigen Schöpfung wurde zu einem intellektuellen Akt der bloßen Auswahl und Aneignung, der durch - und nur durch - die Signatur bestätigt wurde. Mit dieser geradezu revolutionären künstlerischen Praxis wurde die herkömmliche Verwendung der Signatur quasi auf den Kopf gestellt.

          Warhols eigene Ordnung

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