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Marilyn Manson als Künstler : Der Teufel malt

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Marilyn Manson, der Herrscher des Gothic-Rock, will auch Maler sein. Mit zarter Aquarell-Technik und Anleihen beim deutschen Expressionismus bearbeitet er die ihm angestammten düsteren Themen - und schwankt dabei zwischen transparenter Farbigkeit und platter Provokation.

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          Als Sinnbild für die Verlockungen des Lebens und seine unerfüllte Sehnsucht nach ihnen wählte er seinen Künstler-Vornamen Marilyn aus - natürlich von Marilyn Monroe inspiriert. Für die Abgründe des Menschen aber steht sein Nachname: Manson. Charles Manson war ein Sektenführer und Mörder, das personifizierte Böse. Von ihm leiht sich Marilyn Manson, wie er jetzt ist, jedoch nur noch den Namen - und keine Inspiration: Der amerikanische Gothic-Schockrocker der neunziger Jahre hat seine provokativen Tage hinter sich. Heute lächeln wir eher über die schwarze Kleidung, seine Lederstrapse, Netzstrümpfe, sein weiß geschminktes Gesicht und den roten Lippenstift. Der Musiker Manson ist Teil des Popalltags geworden.

          Nun aber bietet Marilyn Manson uns etwas Neues. In der Kölner Galerie Brigitte Schenk zeigt er eine Seite von sich, die in Europa noch unbekannt ist: großformatige Aquarelle (56 mal 76 cm), entstanden in den vergangenen neun Jahren. Was an seiner Person und seiner Musik umdüstert ist, findet in seinen Bildern zu einer transparenten Farbigkeit, die aber in ihrer grellen Mischung nicht weit von der Dunkelkammer des Morbiden haust: Auf den Blättern zerfließen Münder, Leiber brechen auf und zeigen blutrotes Nichts; Gesichter, aus denen resignierte Augen blicken, tragen tiefe Schnitte.

          Harte Themen in zarter Technik

          Aquarell ist die zarteste Technik in der Kunst. Marilyn Mansons Themen aber sind die härtesten. Einige der Werke erscheinen wie Kreuzungen aus Bildern von Marlene Dumas, Egon Schiele und Luc Tuymans: So zeigt das zweiteilige „Vicodin“ aus dem Jahr 2000 einen ausgemergelten, kranken Oberkörper und ein im Leiden verzehrtes Gesicht. Die Rippen treten hervor. Das aggressive Rosa lässt ahnen, dass hier jemandem die Haut abgezogen wurde oder durch Krankheit die obere Schutzschicht fehlt. Blut rinnt zwischen den Rippen heraus. Der bereits gänzlich verstummte Mund löst sich in wässriger Farbe auf, die vom dicken Papier aufgesogen wird (38.000 Euro).

          Schon humorvoller ist „When I Get Old I Need a Drink“ aus dem Jahr 2007: Es zeigt einen glatzköpfigen Greis in dünn aufgetragenem Grün (31.000 Euro). Kitsch bleibt eher die Ausnahme in Marilyn Mansons Schaffen; wenn aber Kitsch, dann mit Vehemenz: „Jon Benet Ramsey as Sleeping Beauty II“ gibt sich à la Emil Nolde (29.000 Euro).

          Der Mythos des kaputten Genies

          Wenig überrascht sein Bemühen, den allzu oft zitierten Mythos um das kaputte Musik-Genie Marilyn Manson auch als Maler aufrechtzuerhalten: So kokettiert er mit der geschichtsträchtigen Figur des „absinthtrinkenden Malers“ - ganz à la van Gogh. Gerne erzählt er, wie er, ein Underdog der amerikanischen Gesellschaft, anfing, „mit Dreckwasser und später einem Wasserfarbkasten“ seine tiefsten Empfindungen und Erfahrungen auf dem Papier zurechtfließen zu lassen.

          Natürlich scheut Marilyn Manson auch als Maler die plakative Provokation nicht: So lässt er einen nackten Hitler als „Deutsche Kämpferin“ mit Frauenbrüsten und schlappem Penis auf den Besucher herabblicken. Geschäftstüchtig ist der Rocker außerdem und bietet eine Auswahl seiner Motive auch als Lithographien an (3000 Euro).

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