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Manfred Heitings Fotosammlung : Die Wahrheit steht auf dem Schutzumschlag

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Akribisch wie ein Pathologe und dennoch lustvoll seziert Heiting jeden einzelnen Band - und das immer am Original. Er beschreibt das Papier und die Drucktypen, den Einband und den Schutzumschlag, aber auch die Marketingmaßnahmen und die Bedeutung des einzelnen Buchs für die Geschichte des Genres. Sollte sich eine dieser Eigenschaften zwischen zwei Auflagen verändert haben, wird auch dies festgehalten und in allen Varianten abgebildet - mit Vorder- und Rückseite und dem Schutzumschlag, der Heiting besonders wichtig ist: „Er diente ja tatsächlich zum Schutz des Einbandes und wurde nach dem Kauf fast immer weggeworfen. Mir ist es aber wichtig, den Originalzustand zu zeigen. Gerade der Umschlag oder eine Bauchbinde haben manchmal zentrale Bedeutung für die Aussage oder das Marketing eines Buches.“ Dafür besucht er Antiquariate und Bibliotheken, andere Sammler und Verlagsarchive und schafft es meist sogar, die nie genannte Druckauflage der autopsierten Bände herauszufinden. Andere Publikationen, wie Badger und Parr für ihr „Photobook“, haben vergeblich versucht, die gesamte Breite der Produktion zu erfassen und mussten dafür zwangsläufig eine subjektive Auswahl treffen.

Die Datenbank, die im Internet kostenlos und uneingeschränkt zugänglich sein wird, zeigt der Fotoforscher beim Treffen in Köln auf seinem eigenen Computer: „Sie ist zwar technisch fertig, aber noch nicht online geschaltet. Durch die ungeheure Menge an Informationen, die wir zur Verfügung stellen wollen, habe ich erst einen Teil der Titel ,autopsiert’ und die notwendigen Abbildungen eingefügt. Nach Erscheinen des zweiten Bandes soll sie einer kleinen Testgruppe zugänglich gemacht und dann, nach eventuell notwendigen Änderungen, freigeschaltet werden.“ Als sachliche Informationsquelle soll sie dienen: „Im Netz interessiert mich das Buch als solches, nicht seine Bilder. Die Datenbank ist auch keine Dokumentation meiner Sammlung. Dort wird viel mehr enthalten sein, als ich gesammelt habe.

Heiting ist an weiteren Informationen und Austausch interessiert. Denn diese Arbeit wird niemals beendet: „Die Geschichte des Fotobuchs ist auch eine über Zeitgeschichte, über die verschiedenen Länder, in denen diese Bücher erschienen sind, was sie wollten und sollten - und natürlich über die Menschen dahinter.“ Und natürlich wüssten auch längst alle Spezialantiquariate auf der ganzen Welt, welche Bücher ihm noch fehlten. Viele seien es nicht. Aber da gebe es diesen einen Kurhessen-Band aus der Fotobuchserie „Das deutsche Volksgesicht“, die die Fotografin Erna Lendvai-Dircksen Anfang der vierziger Jahre im Bayreuther Gauverlag veröffentlicht hat. Obwohl er überall danach gesucht habe, sei es ihm in Jahrzehnten nicht gelungen, ein intaktes Exemplar mit Schutzumschlag zu finden. Kein Sammler, keine Bibliothek besitzt offenbar den Band in dieser Ausstattung. Trotzdem gibt Heiting auch nach dem Verkauf seiner Fotobuchsammlung die Suche nicht auf: „Ich bin nach wie vor der Meinung, dass es diesen Schutzumschlag gegeben haben muss. Und ich werde ihn finden.“

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