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Man Ray bei Christie’s : Eine Chance, wie es sie nicht oft gibt

„Man Ray et les surréalistes, collection Lucien et Edmonde Treillard“: Christie’s versteigert in Paris 188 Lose mit Werken von Man Ray aus der Sammlung seines letzten Assistenten.

          4 Min.

          Lucien Treillard (1936 bis 2004) war von 1960 an Man Rays letzter Assistent. Gemeinsam mit dessen 1991 gestorbener Frau Juliet kümmerte er sich auch nach dem Tod des Künstlers um das OEuvre. Jetzt hat Treillards Witwe Edmonde die Sammlung des Paars zur Versteigerung eingeliefert. Man Ray, 1890 geboren als Emmanuel Rudnitzky in Philadelphia, gehört zu den einflussreichsten Künstlern des 20. Jahrhunderts, vor allem im Feld der Fotografie. Wesentliche Jahre seines Lebens und Schaffens verbrachte er, außer in New York, in Paris, wo er 1976 auch starb. Selbst wer seinen Namen nicht kennt, erkennt viele seiner Werke, weil sie ins allgemeine Bildgedächtnis Eingang gefunden haben, schier endlos reproduziert auf Drucken und Postkarten.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Der Auktionskatalog macht ein wirklich bemerkenswertes Panoptikum auf. Beginnen lässt sich mit den Objekten, eigentlich Skulpturen. Hierher gehört das giftige „Cadeau“ von1921, jenes mit spitzen Nägeln bestückte gusseiserne Bügeleisen. Das angebotene Exemplar unter seinem Glassturz ist ausgewiesen als einer der monogrammierten artist’s proofs aus der – erst 1972 aufgelegten – Edition von fünf: die immer noch vorsichtig erscheinende Schätzung liegt bei 10.000 bis 15.000 Euro. Weil sämtliche Lose, die am 2. März versteigert werden, aus dem Bestand von Treillard kommen, sollte man davon ausgehen können, dass alle gemachten Angaben vertrauenswürdig sind. Das gilt auch für das surrealistisch-notorische Metronom, an dessen Pendel die Fotografie eines Auges befestigt ist. Entworfen 1923, nannte es Man Ray, inspiriert von Marcel Duchamps „Objets trouvés“ oder Readymades, zunächst „Object to Be Destroyed“ – weil es eben ursprünglich zerstört werden sollte; später hieß es dann „Perpetual Motive“. Das signierte und datierte Metronom, eines der Künstlerexemplare in ungenannter Anzahl, gehört zu einer Auflage von vierzig Stück aus dem Jahr 1971. Das Pendel-Auge dort ist das von Man Rays zeitweiliger Mitarbeiterin und Geliebten, der späteren Kriegsfotografin Lee Miller, mit der ihn eine zermürbende Beziehung verband; die Erwartung für das knapp 23 Zentimeter hohe Objekt liegt deshalb bei 25.000 bis 30.000 Euro. Solche Fetische können womöglich noch teurer werden.

          „Perpetual motif“, erdacht 1923, ausgeführt 1971, AP aus Ed. 40+APs, Ergebnis: 85.000 Euro (Schätzpreis 25.000/35.000 Euro). Bilderstrecke
          Man Ray bei Christie’s : Eine Chance, wie es sie nicht oft gibt

          Schräg ist die frühe, 42,6 Zentimeter hohe Bronze „By Itself I“, die Man Ray 1918 in Holz geschnitzt hat und 1966 in einer Auflage von neun Exemplaren gießen ließ (Taxe 10.000/15.000 Euro). Der Katalog ist in den Texten zu den Losen dankenswert genau, wie auch bei einem 25,3 Zentimeter hohen Glaszylinder, gefüllt mit 44 Stahlkugeln, verschlossen von einem Korken, mit einem Monogramm signiert und betitelt „New York“: Das angebotene Objekt nach dem Entwurf Man Rays von 1920 ist eines von drei Probeexemplaren, ausgeführt für eine Edition von neun plus drei Künstlerexemplaren, aufgelegt im Jahr 1973 (10.000/15.000). Wenn man richtig rechnet, existiert dieses gadget also – autorisiert – insgesamt fünfzehnmal. In Treillards Kollektion findet sich auch die „La Boite en valise“ genannte Zusammenstellung, die 68 Miniaturreproduktionen von Werken Marcel Duchamps, mit dem Man Ray eine engste Künstlerfreundschaft verband, in einem kleinen grünen Kunstlederkoffer enthält, unter dem witzigen Titel „De ou par Marcel Duchamp ou Rrose Sélavy“. Entworfen um 1935/40, wurde die Schachtel 1963 in Paris, in einer unnumerierten Edition von dreißig, hergestellt: Das gute Stück, das längst Museumsreife erlangt hat, ist mit einer Erwartung von 200.000 bis 300.000 Euro das am höchsten dotierte Los der Versteigerung.

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