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NFT von Madonna und Beeple : Schwere Geburt

Gebiert Techno-Krabbeltiere: Nach dem Vorbild Madonnas von Beeple gestylter Avatar in „Mother of Technology“. Bild: Madonna & Beeple/Mother of Creat

Die Queen of Pop und das neue Enfant terrible des Kunstbetriebs haben ein gemeinsames Baby: NFT für wohltätige Zwecke in Porno-Ästhetik. Das ist zum Schreien.

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          Der Zweck heiligt die Mittel: In diesem Sinne wäre Madonnas digitaler Wohltätigkeits-Porno santo subito. Selig die Zeiten, in denen die ewige Provokateurin noch leibhaftig „Like A Virgin“ mit dem Imageclash von Heiliger und Hure Gemüter erregte oder Alben wie „Erotica“ herausbrachte, um Gewinn zu schlagen für sich. Anno dominae 64, so alt wird die Queen of Pop bald, ist Haltung gefordert und wird etwas anderes als heiße Ware gehandelt: Non-Fungible Token, kurz NFT.

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

          Um die Krypto-Zertifikate in Blockchains, mit denen digital Kopierbares zum Unikat erklärt werden kann, setzte bekanntlich voriges Jahr ein Investment-Tanz ums Goldene Kalb ein, als ein NFT des Grafikdesigners Beeple für fast siebzig Millionen Dollar mit Aufgeld versteigert wurde. Es verbrieft den Besitz von fünftausend trashigen Digitalbildchen zwischen Science-Fiction, Computerspiel-Dystopie und Meme, manche ziemlich sexistisch. Das machte Beeple auf einen Schlag zum neuen Enfant terrible des Kulturbetriebs und drittteuersten Gegenwartskünstler obendrein.

          Könnte es einen besseren Partner für Madonna geben, um den Puls des Publikums nach oben zu treiben? Mit Beeple hat sie drei NFT kreiert, die der Künstlerin als globaler Fruchtbarkeitsgöttin huldigen – aus gynäkologischer Perspektive. Der Maxime „sex sells“ folgt das „Material Girl“ hier allerdings nicht. Der Erlös der Auktion auf der Plattform Superrare soll Wohltätigkeitsorganisationen zufließen, die sich für Kinder und Frauen in Not einsetzen.

          Demonstriert das schöpferische Potenz? Madonnas Avatar in „Mother of Nature“.
          Demonstriert das schöpferische Potenz? Madonnas Avatar in „Mother of Nature“. : Bild: Madonna & Beeple/Mother of Creat

          Bisher ist Madonna als Philantropin durch die Adoption mehrerer Waisen aus Malawi aufgefallen; in dem Land unterhält sie eine Stiftung. Nun sehen wir sie in computeranimierten Videos nackt in Gestalt eines puppenglatten Avatars einen Baum gebären. Schmetterlinge flattern aus ihrer Vagina in eine Industrielandschaft, Roboter-Tausendfüßler krabbeln zwischen ihren Beinen auf eine künstlich-idyllische Lichtung. Als wäre das nicht schlimm genug, rezitiert die Sängerin dazu auf einem Soundteppich eigene Verse und solche des persischen Mystikers Rumi.

          „Mother of Nature“, „Mother of Evolution“ und „Mother of Technology“ heißen die drei Teile des „NFT-Triptychons“, die Käufer für den Krypto-Gegenwert von knapp 136.000, an die 147.000 oder gut 346.000 Dollar fanden. Am teuersten wurde das phallisch konnotierte Werk mit Baumstamm, was alle Vorurteile über NFT-Käuferschaft (männlich, Tech-Freaks, stumpf) zu bestätigen scheint. Kann man nicht spenden, ohne dass solcher Fruchtbarkeits-Erotik-Kitsch-Schrott auf ewig gespeichert werden muss? Rumi, der womöglich nun im Grab rotiert wie ein Derwisch, könnte sich selbst zitieren: „Ich breche in Gelächter aus. Ich runzle die Stirn. Ich brülle und schreie.“

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