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Lyonel Feininger : Unberührt: Entdeckter Turm bei Hauswedell und Nolte

  • -Aktualisiert am

Seit der Beschlagnahme durch die Nationalsozialisten 1937 war Feiningers „Roter Turm I“ verschollen. Nun ist er wieder aufgetaucht und gelangt am 10. Juni bei Hauswedell & Nolte zur Versteigerung. Der Schätzpreis liegt bei einer Million Euro.

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          Erst kürzlich ist ein als verschollen geltendes Gemälde von Lyonel Feininger aufgetaucht. Der glückliche Finder war das Hamburger Auktionshaus Hauswedell & Nolte, dem das Bild „Roter Turm I“ in einer deutschen Privatsammlung in die Hände fiel, wo es seit einem halben Jahrhundert aufbewahrt wurde.

          Elfmal setzte Feininger zwischen 1929 und 1931 Ansichten der mittelalterlichen Altstadt von Halle in die für ihn typischen, kristallinen malerischen Schöpfungen um, neben einer Vielzahl von vorbereitenden Zeichnungen und Aquarellen. Diese Gemälde zählen zu den Höhepunkten in seinem Werk. Aloys Schardt, Direktor der Moritzburg, dem für die damalige Moderne bedeutenden Museum in Halle, wie auch R. R. Rieve, Oberbürgermeister der Stadt, hatten den Künstler bewogen, sich des Themas anzunehmen.

          Neun der Hallenser Visionen befinden sich heute in deutschen Museen, zwei in der Moritzburg; eine weitere Version wurde im Krieg zerstört. Die Fassung „Roter Turm I“ war nach der Beschlagnahme durch die Nationalsozialisten 1937 verschollen. Bernhard Böhmer, der Freund Barlachs aus Güstrow, hatte das Bild erworben und wohl an Karl Buchholz weitergegeben, den zweiten der vier Händler, die die Nationalsozialisten mit Verkäufen der beschlagnahmten Kunstwerke beauftragt hatten. Die Entdeckung stellt einen Glücksfall für die Aufarbeitung und Wiedergutmachung der Aktion „Entartete Kunst“ dar und die Chance, das wichtige Zeugnis für die Kunst Feiningers und der Klassischen Moderne an den ehemaligen Standort zurückzuführen.

          Am 10. Juni wird das Bild in Hauswedell & Noltes Auktion mit Klassischer Moderne zum Aufruf kommen: Der vom Haus bei einer Million Euro festgelegte Schätzpreis ist im Vergleich zu nationalen und internationalen Ergebnissen anderer Werke Feiningers als durchaus moderat zu werten. Als ungewöhnlich bezeichnet das Haus den hervorragenden Erhaltungszustand des Bildes, der als unberührt bezeichnet werden könne.

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