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Louvre kauft Poussin : Höchste Weihen

  • -Aktualisiert am

Nicolas Poussins „Flucht nach Ägypten“ hat nach zwanzig Jahren des Besitzstreits endlich seinen Bestimmungsort gefunden. Für siebzehn Millionen Euro erwarb der Louvre den „nationalen Kunstschatz“ und profitierte dabei von der neuen französischen Gesetzgebung, die dem Kultursponsoring zugute kommt.

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          Die „Flucht nach Ägypten“ von Nicolas Poussin hat ihren endgültigen Bestimmungsort gefunden. Der Louvre hat das Gemälde von 1658, um das es in den vergangenen zwanzig Jahren viel Wirbel gegeben hat, mit Hilfe von gut zwanzig Sponsoren für siebzehn Millionen Euro erworben. Die französische Kulturministerin Christine Albanel jubilierte bei ihrer Rede im Louvre, dass es sich bei dem Erwerb um eine „beispiellose Mobilisierung“ öffentlicher und vor allem privater Mittel handelte. Der Louvre weiß in der Tat die Vorteile des 2003 vom damaligen Kulturminister Jean-Jacques Aillagon eingeführten Gesetzes zu nutzen, das privaten Förderern erlaubt, bis zu neunzig Prozent ihrer Spende steuerlich abzusetzen. Sponsoring von diesem Ausmaß war zuvor in Frankreich nicht möglich.

          Poussins „Flucht nach Ägypten“, von der die amerikanische Sammlerin Barbara Piasecka-Johnson ebenfalls eine Fassung besitzt, galt lange Zeit als verschollen. Die Pariser Galeristen Robert und Richard Pardo haben das nun vom Louvre erworbene Gemälde 1986 in Versailles in verschmutztem Zustand als „Werkstattarbeit“ für 1,6 Millionen Franc (240.000 Euro) erworben; sie ließen es reinigen und stellten es aus. Während die britischen Kunsthistoriker Anthony Blunt und Denis Mahon Barbara Piasecka-Johnsons „Flucht nach Ägypten“ für das Original, das Gemälde der Brüder Pardo aber für eine zeitgenössische Kopie hielten, verliehen die französischen Spezialisten Pierre Rosenberg und Jacques Thuillier dem Bild 1994 im Rahmen der Poussin-Retrospektive die höchsten Weihen - das in Versailles entdeckte Gemälde wurde im Katalog als echter Poussin abgebildet.

          Bitterer Nachgeschmack der Ungerechtigkeit

          Nach dieser Authentifizierung forderte die ehemalige Eigentümerin vor Gericht die Annullierung der Auktion und die Rückgabe des Gemäldes. Das Pariser Kassationsgericht gab ihr vor knapp vier Jahren endgültig recht. Anfang 2004 erklärte der französische Staat das Gemälde zum „nationalen Kunstschatz“ und trat in Verhandlungen mit den Eigentümern, die das Werk ausführen wollten. Das französische Ausfuhrgesetz für Kulturgüter bestimmt, dass binnen drei Jahren ein angemessener Preis ausgehandelt werden muss.

          Wie die französischen Zeitungen schreiben, hinterlässt dieser Epilog den „bitteren Nachgeschmack der Ungerechtigkeit“. Denn die Brüder Pardo, die sich seinerzeit für den Erwerb des Gemäldes und seine Restaurierung verschuldet haben, können - als einzige Entlohnung - ihre Entdeckung demnächst im Musée des Beaux-Arts von Lyon wiedersehen. Der Louvre, der schon 39 Werke Poussins besitzt, gibt die „Flucht nach Ägypten“ als Dauerleihgabe nach Lyon, wo einst der erste Sammler Poussins lebte, Jacques Sérisier, der vermutlich das Gemälde in Auftrag gegeben hat.

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