https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunstmarkt/londoner-ergebnisse-der-papst-wird-abgedankt-15244795.html

Londoner Ergebnisse : Der Papst wird abgedankt

  • -Aktualisiert am

Die Umsätze bei den Londoner Auktionen bleiben im Ganzen stabil. Während Bacons Papstbildnis scheitert, können einige Künstler neue Auktionsrekorde aufstellen.

          4 Min.

          Bei den Londoner Auktionen mit Gegenwartskunst lief zwar nicht alles ganz wie geplant, aber jedenfalls besteht weiterhin starkes Käuferinteresse, wenn Qualität und Preis stimmen. Sotheby’s legte seinen bisher besten Oktober-Umsatz für einen Zeitgenossen-Abend in London im Oktober vor: Insgesamt 50,3 Millionen Pfund wurden mit 38 (von 43) Losen erzielt. Ein „Untitled“ Cy Twomblys, das Spitzenlos, wurde zur unteren Taxe bei 5,55 Millionen Pfund zugeschlagen. An zweiter Stelle steht David Hockney mit seiner rotleuchtenden Landschaft „15 Canvas Study of the Grand Canyon“. Ein Privatsammler am Telefon bot 5,2 Millionen Pfund (Taxe 3,8/5 Millionen): Das ist der zweithöchste Preis für Hockney in einer Auktion bisher; der Rekord liegt bei 9,4 Millionen Dollar.

          Unverkauft blieb Basquiats schwarzer Kopf auf blassbeiger Leinwand, „Bronze“ (5/7 Millionen) – ein Verlust, denn Sotheby’s hatte die Garantie dafür selbst übernommen. Sammler bevorzugen deutlich kraftvollere Arbeiten Basquiats, wie „Remote Commander“, das knapp unter der Taxe für 2,5 Millionen Pfund in eine amerikanische Privatkollektion wandert. Fotografien von Wolfgang Tillmans sind nach seinen Ausstellungen in der Tate Modern und der Fondation Beyeler sehr gefragt: Sein abstraktes „Greifbar 26“ in Blau stieg auf 450 000 Pfund (150 000/ 200 000) durch ein Online-Gebot. Ein „Spin Painting“ von Damien Hirst blieb, unter der Taxe, für 350 000 Pfund an seinem externen Garantiegeber hängen. Für Josef Albers gab es einen neuen Rekord: Die blau-lila-rote „Homage to the Square: Temperate“ von 1957, prominent hinter dem Rostrum angebracht, stieg auf 1,9 Millionen Pfund (700 000/ 1 Million). Mit der italienischen Abteilung am selben Abend spielte Sotheby’s mit 31 (von 45) Losen 18,4 Millionen Pfund ein. Das Toplos, Alighiero Boettis monumentales Stickbild „Addizione“, stellte mit zwei Millionen Pfund einen weiteren Rekord auf.

          Bei Christie's Toplos wird es still im Saal

          Am folgenden Nachmittag setzte Phillips mit 34 (von 36) Losen 23,9 Millionen Pfund um. Am teuersten wurde Sigmar Polkes „Tänzerin“ von 1984, eingeliefert aus einer deutschen Sammlung; sie erzielte 2,8 Millionen Pfund (2,5/3,5 Millionen). Andy Warhols „Knives“ wurden für 2,2 Millionen vermittelt. Auf Platz drei und vier rangieren der Rumäne Adrian Ghenie und der Brite Hurvin Anderson, dem wegen seiner Turner-Preis-Nominierung ein neuer Rekord sicher war: Ghenies „The Collector 4“ von 2009 stieg auf 1,7 Millionen Pfund (1/1,5 Millionen). Für Andersons „Peter’s Series: Back“ von 2008 fiel erst bei 1,5 Millionen Pfund (600 000/ 900 000) der Hammer.

          Christie’s bot ein deutlich höherkarätiges Zeitgenossen-Programm als Sotheby’s. Das Haus hatte mit Francis Bacons „Study of Red Pope 1962. 2nd Version, 1971“ das mit Abstand höchstdotierte Werk im Angebot. Man hatte so viel Vertrauen in dieses wichtige Bild, dass keine Garantie arrangiert worden war. Als das Los zum Aufruf kam, wurde es still im Saal. Der Auktionator Jussi Pylkkänen verlangte ein erstes Gebot von wenigstens 58 Millionen Pfund – jedoch vergeblich. Trotz dieses Schocks entspannte sich die Stimmung, wenigstens im Publikum, schnell, und zwei Lose später wurde Hurvin Andersons „Country Club: Chicken Wire“ zum Rekord von 2,2 Millionen Pfund an eine Dame im Saal vermittelt. Gleich danach ging Peter Doigs Waldlandschaft „Camp Forestia“ für 13,5 Millionen (14/18 Millionen) weg. Teurer wurde nur ein „Red Skull“ von Basquiat: Die Einlieferer, ein amerikanisches Sammlerpaar, werden den Erlös der „Kipp“-Foundation schenken, die in Amerika Schulen fördert. Sie beobachteten das Geschehen von der ersten Reihe aus. Mindestens drei Bieter zeigten Interesse, und der Hammer fiel bei 14,5 Millionen Pfund (Taxe um 12 Millionen).

          Weitere Themen

          Zur Hölle mit Rambazamba

          „Tatort“ aus Wien : Zur Hölle mit Rambazamba

          Weiche, Satan, dem „Tatort“-Statut: Unsere sonntägliche Blutmesse kommt diesmal aus Wien. Thomas Roth hat eine gruselig meschugge Episode gedreht.

          Topmeldungen

          Vorbild Greta: ein Kunstwerk der britischen Künstlergruppe „Sand In Your Eye“ in der Nähe von Leeds aus dem Jahr 2020

          Wachstum und Wohlstand : Kommt das Zeitalter des Verzichts?

          Wachstum ist die Quelle unseres materiellen Wohlstandes. Doch es wird auch verantwortlich gemacht für die Klimakrise und den ruinösen Umgang mit dem Planeten. Können wir durch Verzicht unsere Umweltprobleme lösen?
          Weniger Kunden: Mario Blandamura (links) und Kurt Lorenz bekommen mit ihrem Bioladen „Paradieschen“ die Krise zu spüren.

          Inflation und ihre Folgen : Wieso Bioläden große Sorgen haben

          Die Inflation dämpft die Kauflust und viele Verbraucher sparen gerade bei Lebensmitteln. Der Umsatz der Biobranche verzeichnet zweistellige Verluste – und viele inhabergeführte Unternehmen kämpfen um ihre Existenz.
          Turritopsis nutricula gehört zu einer Gattung der „unsterblichen Qualle“.

          Altersforschung : „Wir werden mit 80 und 90 Jahren noch arbeiten“

          Ist die Steigerung der Lebenserwartung ein „Pakt mit dem Teufel“? Der Altersforscher Nir Barzilai spricht über die Chancen, sie weiter zu verlängern – und die finanziellen Konsequenzen für die Gesellschaft.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.