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Londoner Ergebnisse : Auf die Alten Meister ist Verlass

  • -Aktualisiert am

Gelungener Ausklang der Saison bei Sotheby’s und Christie’s: Die Ergebnisse der letzten Abendauktionen.

          3 Min.

          „Celebrity sells“: Das wusste schon die Schauspielerin Sarah Bernhardt, die im 19. Jahrhundert systematisch ihren Starkult aufbaute. Ein bronzenes Tintenfass, „Autoportrait en chimère, encrier“ aus der Sammlung der 2018 gestorbenen Gloria Dowager Countess Bathurst, das sie als Chimäre mit Drachenflügeln und Löwenbeinen zeigt, erzielte beim „Classic Art Evening Sale: Antiquity to 20th Century“ von Christie’s stolze 160.000 Pfund (Taxe 20.000/30.000).

          Der größere Star des Abends war allerdings ein Beispiel weiblichen Heldenmuts: eine jüngst entdeckte und dem Renaissance-Bildhauer Antonio Lombardo zugeschriebene Darstellung der Lucretia. Das Marmorrelief zeigt sie nackt, zwischen zwei weiteren Figuren stehend, wie sie sich das tödliche Messer in den Leib stößt und sich mit einem Seufzer dem Schmerz hingibt. Der private Einlieferer, ein betagter belgischer Sammler, dessen Vater das Meisterwerk in den frühen fünfziger Jahren gekauft hatte und der selbst wenig über den Schatz in seinem Besitz wusste, hatte kurz vor dem Corona-Lockdown eine Schwarzweißfotografie an Christie’s geschickt. Die Begutachtung vor Ort war unmöglich, doch sie genügte dem Experten Donald Johnston, das Relief als unbekanntes Werk Lombardos zu identifizieren. Weitere Recherchen und Gutachten bestätigten die Zuschreibung, und es wurde schließlich zur Untersuchung zu Christie’s nach London geschickt.

          Wahrscheinlich entstand das Marmorwerk als Teil von Lombardos Serie von Heldinnen der Antike, die er um 1510 für den Hof des Herzogs von Ferrara schuf. Der „Tod der Lucretia“ war auf 500.000 bis 800.000 Pfund geschätzt, und es bestand hohes Interesse von Händlern wie von Privatsammlern. Erst bei 3,1 Millionen Pfund fiel der Hammer für einen Bieter am Telefon. Das ist einer von sechs an diesem Abend aufgestellten Künstlerrekorden.

          Zum teuersten Los des Abends bei Christie’s wurde ein Peter Paul Rubens zugeschriebenes Halb-„Porträt einer jungen Dame, eine Kette haltend“. Es war 2009 schon einmal bei Sotheby’s in London eingeliefert worden, blieb dort aber unverkauft und hing zeitweilig im Houston Museum of Fine Arts. Der Zuschlag erging schon bei 3,4 Millionen Pfund (4/6 Millionen). Um das Halb-„Porträt eines Mannes, ein Gebetbuch haltend, in pelzbesetztem Mantel und Kappe“ von einem unbekannten burgundischen Meister, gemalt um 1480 und einst in der Sammlung von Horace Walpole, stritten mindestens sechs Bieter; es stieg auf 1,35 Millionen Pfund. Den gleichen Preis erzielte ein Stundenbuch vom „Master of the Monypenny Breviary“ (400.000/600.000), gefertigt um 1490 und mit einer ungewöhnlichen Ikonographie. Maria Stuarts einstiges Stundenbuch vom Master of François de Rohan ging zur unteren Taxe von 250.000 Pfund weg. Von den insgesamt 65 Losen im Angebot der Abendauktion bei Christie’s wurden 48 verkauft und 21,157 Millionen Pfund umgesetzt. Die Verkaufsrate lag bei 74 Prozent.

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