https://www.faz.net/-gqz-97gic

Londoner Auktionen : Picasso ist wieder ganz da

Blick in die Kataloge der Londoner Auktionen mit Impressionismus und Moderne bei Christie’s und Sotheby’s: Es gibt das eine oder andere Wiedersehen .

          2 Min.

          Die Londoner Abendauktionen mit Impressionismus und Moderne bei Christie’s und Sotheby’s versprechen einige Spannung. Am 27. Februar tritt Christie’s an, für insgesamt 65 Lose liegt die Erwartung bei 95,35 bis 139,80 Millionen Pfund. Spitzenlos ist hier Picassos später „Mousquetaire et nu assis“ von 1967: mit zwölf bis achtzehn Millionen Pfund dotiert und, erwartungsgemäß, versehen mit einer Garantie. Sotheby’s hält dann am 28. Februar dagegen mit einer Gesamttaxe von 91,23 bis 111,35 Millionen Pfund – für nur 26 Lose. Das liegt wesentlich am Spitzenstück des Abends, Picassos „Femme au béret et à la robe quadrillée“ von 1937, einem Bildnis der Marie-Thérèse Walter (F.A.Z. vom 3. Februar); dafür allein werden auf Anfrage rund 37 Millionen Pfund genannt. Auch dieses Los ist mit einer Garantie samt unwiderruflichem Gebot abgesichert.

          Rose-Maria Gropp
          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Bei Christie’s folgen auf Picassos tapferen Musketier an der Preisspitze Degas’ atmosphärisches Hochformat „Dans les coulisses“ (Taxe 8/12 Millionen Pfund; ebenfalls garantiert), eine „Prairie à Giverny“ von Monet (7/10 Millionen) und Derains „Londres: la Tamise au pont de Westminster“ (6/9 Millionen). Deutsche Kunst ist vertreten mit sieben (von acht) Gemälden aus der Sammlung des 1979 gestorbenen Hamburger Bankers Wilhelm Reinold, darunter Heckel, Nolde, ein Kirchner aus der Zeit in Davos – und Kokoschkas großartige „Katze“ von 1910 (350 000/450 000). Aus einer ungenannten deutschen Sammlung kommt Max Beckmanns düsteres „Café (Hotel de l’Europe)“ von 1947/48 (700 000/ 1 Million). Ebenfalls als „from a private German collection“ ausgewiesen ist Hannah Höchs „Selbstbildnis mit Katze Ninn“ von 1928, taxiert auf 200 000 bis 300 000 Pfund, umgerechnet 220 000 bis 340 000 Euro. Der Katalog verzeichnet als Provenienz „Hannah Höch, Berlin/ Acquired from the above by the family of the present owners“. Zu ergänzen bleibt: Das Gemälde war 2017 in der Verkaufs-Ausstellung mit Arbeiten Höchs in der Hamburger Galerie St. Gertrude zu sehen. Der Preis lautete dort auf 140.000 Euro (F.A.Z. vom 20. Mai 2017).

          Bei Sotheby’s marschiert am folgenden Abend hinter dem erwähnten Marie-Thérèse-Walter-Porträt ein weiterer Picasso auf. Wie Picasso überhaupt an allen Ecken und Enden dieser Londoner Frühjahrsauktionen lauert. Es ist „Le matador“ von 1970, im Wettstreit mit dem strammen Musketier bei der Konkurrenz mit vierzehn bis achtzehn Millionen Pfund bewertet; auch für ihn gibt es eine Abnahmegarantie, so dass ein Scheitern in der Auktion ausgeschlossen ist. Im so viel kleineren Angebot bei Sotheby’s findet sich der gern hochdotierte Alberto Giacometti, mit einem zierlichen Deckengehänge, dem „Lustre avec femme, homme et oiseau“, 1952 in einer Auflage von drei in Bronze gegossen (6/8 Millionen). Der italienische Futurist Umberto Boccioni ist mit dem Gemälde „Testa+luce+ambiente“ von 1912 vertreten (5,5/7,5 Millionen; ebenfalls garantiert).

          Das einzige deutsche Werk bei Sotheby’s kann man vom Auktionsmarkt kennen: Karl Schmidt-Rottluffs expressionistisches „Watt bei Ebbe“ von 1912 wurde zuletzt im November 2013 in Berlin bei Grisebach versteigert. Geschätzt auf eine bis 1,5 Millionen, erzielte es damals starke 2,3 Millionen Euro; der belgische Sammler, der es erwarb, bezahlte mit Aufgeld 2,72 Millionen Euro dafür. Nun ist das markante Gemälde auf zwei bis drei Millionen Pfund taxiert, nach aktuellem Wechselkurs sind das 2,28 bis 3,4 Millionen Euro. Bei einem Zuschlag im Rahmen der Schätzung könnte der Belgier, der jetzt der Einlieferer ist, immerhin auf seine einstigen Kosten kommen; wobei die Gebühr, die für ihn eben als Einlieferer bei Sotheby’s anfällt, noch nicht berücksichtigt ist. Zu bedenken ist außerdem, dass 2,72 Millionen Euro im Jahr 2013 etwa 2,13 Millionen Pfund entsprochen haben – also ungefähr der aktuellen unteren Taxe. Tatsächlich haben solche Währungs-Wechselspiele keine geringe Bedeutung im großen Spiel mit der Kunst, wo sie pekuniären Gewinn generieren soll. – An den genannten Abenden versteigern beide Häuser in eigenen Auktionen auch noch Kunst des Surrealismus.

          Weitere Themen

          Drei deutsche Kurstädte ausgezeichnet Video-Seite öffnen

          Unesco-Welterbe : Drei deutsche Kurstädte ausgezeichnet

          Die deutschen Kurstädte Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen sind in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen worden – neben Kurstädten in weiteren Ländern Europas. Auch die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt schaffte es neu auf die Liste.

          Wo der Geist atmen kann

          Rachmaninows Schweizer Villa : Wo der Geist atmen kann

          Am Vierwaldstätter See liegt die Villa, die Sergej Rachmaninow sich 1933 bauen ließ. Sie ist ein Denkmal des Bauhaus-Stils. Noch ist sie für die Öffentlichkeit geschlossen. Aber zaghaft öffnet die Schatzkammer sich.

          Topmeldungen

          Hessen, Königstein: Koordinierungshelferin Victoria Anschütz bereitet die Auswertung eines Corona-Schnelltests vor.

          Corona in Deutschland : Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 19,4

          Das Robert Koch-Institut hat seit dem Vortag 3539 Corona-Neuinfektionen registriert, das sind deutlich mehr als vor einer Woche. Über die geplante Abschaffung der kostenlosen Corona-Schnelltests wird hitzig debattiert.
          Der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts während der mündlichen Verhandlung am 13. Mai 2018, ob der Rundfunkbeitrag für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zulässig ist.

          F.A.Z. Frühdenker : Wird der Rundfunkbeitrag erhöht?

          Karlsruhe urteilt über die Rundfunkgebühren. Wie reagieren Politik und Wirtschaft auf die Pläne des Gesundheitsministers? Und warum verschiebt Armin Laschet den Auftakt seiner Wahlkampfreise? Was sonst noch wichtig wird, steht im F.A.Z. Frühdenker.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.