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Londoner Auktionen : Keineswegs leere Hände

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Vorschau auf die Auktion mit Moderne und Zeitgenossen bei Christie’s, Phillips und Sotheby’s in London.

          Nicht ganz einen Quadratmeter messende, marktfrische „Nymphéas“ von Claude Monet in blassen Grau- und Blautönen sind am 19. Juni bei Sotheby’s – mit einer Erwartung von 25 bis 35 Millionen Pfund – das teuerste Los überhaupt der zwei Auktionswochen mit Impressionismus, Moderne und Zeitgenossen in London. Das Angebot ist im Sommer traditionell weniger umfangreich; bei den Londoner Februar-Auktionen und im Mai in New York wurden bereits die schwersten Geschütze aufgefahren. Doch es konnte Feines akquiriert werden.

          Den Auftakt mit Impressionismus und Moderne macht Christie’s am 18. Juni. Die Abendauktion bietet 34 Lose im Gesamtwert von 66,65 bis 93,8 Millionen Pfund. Fernand Légers spielerisch-leichte Komposition „Femme dans un fauteuil“ aus dem Jahr 1913 führt die Offerte an, mit einer Taxe von „mehr als 25 Millionen“ Pfund. Das Werk befand sich seit 1974 in derselben Privatsammlung. Selten sieht man Otto Dix bei Auktionen in London, doch diesmal kommen gleich zwei Werke zum Aufruf: Das späte altmeisterliche Ölbild „Sitzender Akt mit blondem Haar“ (Taxe 2,2/3 Millionen Pfund) von 1931 und ein „Soldat mit Tabakspfeife“ (500.000/800.000), eine noch expressionistische Papierarbeit von 1918, die aus einer deutschen Sammlung kommt. Hannah Höchs surrealistisch-humorvolle Gouache aus dem Jahr 1919, „Er und sein Milieu“, ist mit der ambitionierten Schätzung von 250.000 bis 350.000 Pfund versehen: Sie erzielte 2012 in New York 386.500 Dollar inklusive Aufgeld, damals eine Sensation, denn die Taxe hatte bei 15.000 bis 20.000 Dollar gelegen.

          Claude Monet, „Nymphéas“, 1908, Öl auf Leinwand, 92 mal 89 Zentimeter, Taxe 25/35 Mio. Pfund bei Sotheby’s

          Sotheby’s hat für 25 Lose eine Gesamterwartung von 87,5 bis 126,3 Millionen Pfund. Neben Monets Seerosenteich kommt ein „Jeune homme assis, les mains croisées sur les genoux“ von Modigliani (16/24 Millionen) zum Aufruf. Zu den Spitzen zählen Mirós „Peinture (L’Air)“ (10/15 Millionen), Magrittes weiblicher Akt „La Magie Noire“ mit Taube (2,5/3,5 Millionen), neben üblichen Picassos. Camille Pissarros Pariser Straßenszene „Le Boulevard Montmartre, fin de journée“ (3,5/5 Millionen) wird von ihrem derzeitiger Besitzer verkauft, um sich mit den Erben des Sammlerpaars Gertrud und Alfred Sommerguth, die aus Nazideutschland fliehen mussten, auf einen Vergleich zu einigen. In der Abend- und Tagesauktion kommen zudem sechzehn Zeichnungen von Alfred Kubin, die an die Erben von Max und Hertha Morgenstern restituiert wurden, unter den Hammer.

          Es folgen die Zeitgenossen. Nachdem Sotheby’s und Phillips an ihren Sommerterminen in London festhielten, ist Christie’s auch zum alten Modell von drei großen Auktionen im Jahr zurückgekehrt und hat eine Abendauktion mit zeitgenössischer Kunst zusammengestellt. Das Programm am 25.Juni umfasst 35 Lose für 37,04 bis 53,66 Millionen Pfund. Der nächtliche, in Rot getauchte „Sábado por la Noche (Saturday Night)“ (7,5/11 Millionen) von Basquiat führt das Angebot an. Das zweitteuerste Los ist „Cérémonie“ (7/10 Millionen) aus dem Jahr 1961 von Jean Dubuffet, der sich schon länger als Auktionsliebling hervortut. Viel Platz braucht ein Sammler für die phantastische Szene „Suchtpuls/Addicted to Pulse“ des Berliner Malers Jonas Burgert (200.000/300.000), denn das Werk ist fast sieben Meter breit.

          Der Zeitgenossen-Abend bei Sotheby’s am 26. Juni bietet 43 Lose zum Gesamtpreis von 57,4 bis 82,1 Millionen Pfund. Das Spitzenlos stellt Francis Bacon mit einem „Self-Portrait“ (15/20 Millionen). Albert Oehlen malte sein monumentales „Selbstporträt mit leeren Händen“ (4/6 Millionen) 1998 als Tribut an seinen im Jahr zuvor gestorbenen Freund und Kollegen Martin Kippenberger. Es kommt aus der Sammlung von Harald Falckenberg, ist mit einer Garantie abgesichert und sollte daher einen neuen Rekord für Oehlen aufstellen. Spitzenwerke des in Frankreich aktiven, 1951 verstorbenen deutschen Malers Wols sind selten zu haben, denn er schuf in seinem kurzen Leben nur etwa achtzig Arbeiten auf Leinwand. Daher könnte „Vert strié noir rouge“, entstanden 1946/47, mehr als die angesetzten 400.000 bis 600.000 Pfund erzielen.

          Phillips baut am 27. Juni seinen Marktanteil in London mit einer Offerte von 36 Losen, einer Kombination von Zeitgenossen, Nachkriegskunst und Moderne, weiter aus. Die Gesamttaxe liegt bei 31,13 bis 45,23 Millionen Pfund. Aus der Sammlung des ehemaligen amerikanischen Baseball-Spielers Alex Rodriguez, genannt „A-Rod“, kommt Basquiats „Pink Elephant with Fire Engine“ (3/4 Millionen) auf gelbem Grund. Seine etwa halb so große „Untitled“-Darstellung eines Baseballspielers (3/5 Millionen) kommt allerdings aus anderem Besitz. Luc Tuymans’ stark abstrahierte Baumreihe in „Schwarzheide“ (800.000/1 Million) von 1986 ist eine Verarbeitung von Zeichnungen, die Alfred Kantor während seiner Gefangenschaft in dem Konzentrationslager anfertigte, nach dem das Bild benannt ist. Aus der Sammlung von Miles und Shirley Fiterman kommt das teuerste Los, „The Conductor“ (4/6 Millionen) von 1975, die Figur eines Dirigenten, in der Roy Lichtenstein den italienischen Futurismus mit Pop-Art kreuzt.

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