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Londoner Auktionen : Es ist wieder „Frieze-Week“ in London

  • -Aktualisiert am

Wie üblich: Parallel zu den Messen im Regent’s Park finden die Auktionen mit zeitgenössischer Kunst bei Christie’s, Sotheby’s und Phillips statt.

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          Sotheby’s hat seine Abendauktion auf den 3. Oktober gelegt: das Datum der Übernahme und damit Privatisierung des Hauses durch den französischen Medienunternehmer Patrick Drahi. Enthalten sind 42 Lose, die 46,03 bis 64,43 Millionen Pfund einspielen sollen. Zusammen mit der Tagesauktion will Sotheby’s diesmal bis zu 80,5 Millionen Pfund umsetzen. Der Abendtermin wird angeführt von Basquiats Gemälde „Pyro“ aus dem Jahr 1984, für das um die neun Millionen Pfund erwartet werden. Es kam schon einmal 1996 bei Sotheby’s unter den Hammer; damals erzielte es 221.000 Pfund. Für Gesprächsstoff sorgt jedoch ein anderes Werk – von Banksy: „Devolved Parliament“ zeigt das britische Parlament vollbesetzt mit Schimpansen anstelle der Parlamentarier. Der Street Artist spielte Sotheby’s erst im vorigen Oktober einen Streich, als sein Schablonen-Gemälde „Girl with Balloon“ gleich nach dem Zuschlag anfing, sich mittels eines eingebauten Mechanismus selbst zu schreddern – allerdings nur bis zur Hälfte. Es ist bekannt, dass es derzeit, unter seinem neuen Titel „Love is in the Bin“, als Leihgabe einer deutschen Sammlung in der Stuttgarter Staatsgalerie hängt.

          Gerade erst versteigerte Christie’s in einer reinen Banksy-Online-Auktion einen Druck von „Girl with Balloon – Colour AP (Gold)“ für 395.250 Pfund (inklusive Aufgeld): ein Rekord für eine Graphik von Banksy. Insgesamt erzielte die Auktion das Doppelte ihrer Gesamttaxe; alle Lose wurden verkauft. „Devolved Parliament“ wurde bei Sotheby’s jetzt von einem Sammler eingeliefert, der es 2011 direkt vom Künstler übernahm. Die satirische Vision, in der die Regierungsgeschäfte von Affen übernommen wurden, kommt natürlich in einem strategischen Moment auf den Markt. Das Gemälde war 2009 und 2019 in Banksys Heimatstadt Bristol ausgestellt, wurde dann aber von ihm – zu einem ungenannten Zeitpunkt – verändert, worauf die „New York Times“ hinweist. Der Sotheby’s-Katalog erwähnt das nicht. Unter anderem wurden zwei helle Deckenleuchten übermalt, so dass das Bild nun dunkler ist und der Fokus stärker auf der zentralen Figur des am Rednerpult stehenden Schimpansen liegt. Die Taxe lautet auf 1,5 bis zwei Millionen Pfund. Ein neuer Rekord für Banksy ist angepeilt; derzeit liegt er bei 1,87 Millionen Dollar.

          Passend zur Ausstellung in der Serpentine Gallery im Hyde Park hat Sotheby’s zwei Gemälde von Albert Oehlen im Angebot: „Ingwertopf“ (Taxe 800.000/1,2 Millionen Pfund) und „Geigenbau“ (1,5/2 Millionen). Erst im Juni wurde bei Sotheby’s mit dem Hammerpreis von 5,35 Millionen Pfund ein neuer Rekord für ihn aufgestellt. Nicole Eisenman eröffnet die Auktion mit „Close to the Edge“ (120.000/180.000); ihr derzeitiger Auktionsrekord liegt bei 670.000 Dollar.

          Das umfangreichste Angebot der Versteigerungswoche hat Christie’s. Neben der Abend- und Tagesauktion mit Zeitgenossen und der angeschlossenen Sektion „Thinking Italian“ wird in einer eigenen Veranstaltung Kunst aus dem Besitz des britischen Unternehmers Jeremy Lancaster angeboten. Werke aus der bekannten belgischen Sammlung Matthys-Colle sind über die Abend- und Tagesauktion verteilt. Man erwartet einen Gesamtumsatz zwischen 98,42 und 141,39 Millionen Pfund. Am Abend des 4.Oktober kommen 48 Lose für insgesamt 55,6 bis 79,1 Millionen Pfund zum Aufruf: die Italien-Sektion mit weiteren 33 Losen ist auf 18,49 bis 27,31 Millionen geschätzt. Auch bei Christie’s führt Basquiat die Offerte an: Für „Four Big“ erwartet man 7,5 bis 9,5 Millionen Pfund. Zu den Highlights des Abends gehören Sigmar Polkes marktfrische „Alpenveilchen“ aus dem Jahr 1967, ausgezeichnet mit fünf bis sieben Millionen Pfund. Sie wurden aus einer Frankfurter Familiensammlung, in der sie sich seit mehr als fünfzig Jahren befanden, eingeliefert. Das großformatige Rasterbild war zum letzten Mal 1983 im Kunstverein Frankfurt in der Schau „Kunst nach 45 aus Frankfurter Privatbesitz“ öffentlich zu sehen. Aus derselben Sammlung kommt auch die „Peinture 146 × 114cm, 6mars 1960“ von Pierre Soulages (4/6 Millionen). Beide Werke sind mit einer Garantie abgesichert. Gleich viermal ist Gerhard Richter vertreten, drei seiner Bilder kommen aus der Sammlung des italienischen Finanzunternehmens UniCredit.

          Das Auktionshaus Phillips geht als Erstes am 2.Oktober mit 43 Losen an den Start; für achtzehn von ihnen ist der Verkauf bereits garantiert. An diesem Abend sollen 17,23 bis 24,79 Millionen Pfund erzielt werden. Zu den attraktivsten Werken in der Auktion gehört „Blue Umbrella I“ aus dem Jahr 1972, ein melancholisches Porträt von Alex Katz, das seine Frau Ada im Regen zeigt. Das Gemälde, eines seiner bekanntesten Motive überhaupt, kommt aus einer amerikanischen Privatsammlung. Die Musikerin auf „Green Horn“ des Amerikaners Derek Fordjour (3000/50.000) sollte ihre Taxe übersteigen; in dieser Woche wurde schon eines seiner Gemälde in ähnlicher Größe bei Phillips in New York für 137.500 Dollar (inklusive Aufgeld) verkauft. Fordjours erste große Soloschau steht im Januar im Contemporary Art Museum in St.Louis an. Elizabeth Peytons Porträt „Evan Recording“ von 1997 erzielte im Oktober 2007 bei Sotheby’s 53.300 Pfund. Nun soll es 80.000 bis 120.000 Pfund bringen. Peytons Ausstellung eröffnet am 3.Oktober in der Londoner National Portrait Gallery.

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