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Londoner Auktionen : Auf die Zeitgenossen bleibt Verlass

  • -Aktualisiert am

Londoner Ergebnisse: Impressionismus, Moderne und Gegenwartskunst bei Christie’s, Sotheby’s und Phillips.

          Die Abendauktion mit Impressionismus und Moderne bei Christie’s führte 34 Lose mit einer Erwartung von 66,6 bis 93,8 Millionen Pfund im Katalog. Drei der Lose wurden jedoch zurückgezogen; von den restlichen 31 Losen fanden 24 einen Käufer. Der Umsatz lag deshalb mit 36,4 Millionen Pfund deutlich unter der ursprünglichen Erwartung, zudem mehr als siebzig Prozent unter dem des vorigen Sommers. Dieser Rückgang ist Schwächen im zusammengestellten Material geschuldet. Dagegen konnte Sotheby’s mit einem straffen Programm und hochpreisigeren Losen 98,9 Millionen Pfund einspielen; 23 der 25 Werke im Angebot wurden vermittelt.

          Der Abend bei Christie’s war überschattet vom Rückgang des Spitzenloses, Fernand Légers Komposition „Femme dans un fauteuil“, für die man sich „mehr als 25 Millionen“ Pfund erhoffte. Dabei hatte der Abend stark begonnen, als Egon Schieles „Liegender Mädchenakt“ – mit 200.000 bis 300.000 Pfund niedrig taxiert – auf 1,05 Millionen Pfund stieg. Picassos in Grüntönen gehaltenes Paar „Homme et femme nus“ (Taxe 10/15 Millionen Pfund) aus dem Jahr 1968 stieg durch ein Gebot von 10,8 Millionen Pfund seitens der in Hongkong stationierten Expertin Rebecca Wei in die Spitzenposition auf. Otto Dix’ altmeisterliches Ölgemälde „Sitzender Akt mit blondem Haar“ von 1931, geschätzt auf 2,2 bis drei Millionen Pfund, fand in London nicht das richtige Publikum und ging schon für 1,2 Millionen Pfund weg – trotz der aktuellen Ausstellung zur Malerei der Weimarer Republik in der Tate Modern. Sotheby’s hatte schon im Jahr 2012 versucht, das Bild in London zu verkaufen; damals scheiterte es an einer Erwartung von vier bis sechs Millionen Pfund. Jetzt blieb bei Christie’s Dix’ Porträt aus Kriegszeiten „Soldat mit Tabakspfeife“ (500.000/800.000) liegen. Die Überraschung lieferte Hannah Höch, deren surrealistische Papierarbeit „Er und sein Millieu“ aus dem Jahr 1919 auf 520.000 Pfund (250.000/350.000) hochschnellte.

          Lynette Yiadom-Boakye, „Leave A Brick Under The Maple“, 2015, Öl auf Leinwand, 200 mal 130 Zentimeter, Preis 795.000 Pfund (240.000/450.000).

          Sotheby’s überzeugte am folgenden Abend mit Qualität und mit Marktfrische: 64 Prozent aller Lose kamen zum ersten Mal bei einer Auktion zum Aufruf. Allerdings blieben Monets „Nymphéas“ bei 21 Millionen hängen; die Erwartung lag bei 25 bis 35 Millionen Pfund. Aus der selben argentinischen Privatsammlung wie der Monet kam Modiglianis „Jeune homme assis, les mains croisées sur les genoux“, der erfolgreich seine untere Taxe von sechzehn Millionen Pfund erklomm. Pissarros „Le Boulevard Montmartre, fin de journée“ überrundete mit dem Zuschlag bei 6,1 Millionen seine obere Taxe von fünf Millionen Pfund. Die albtraumhafte Vision eines riesenhaften Skeletts, das über einem Bergdorf eine schwarze Substanz verstreut – Alfred Kubins vom Lenbachhaus in München restituierte „Epidemie“ –, stieg auf 790.000 Pfund (150.000/200.000); das ist mehr als das Dreifache von Kubins bisherigem Rekordpreis.

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